Männer sortieren Müll
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Eine Studie soll zeigen, ob die Kunststoffabfälle wiederverwertbar sind
Der Fang des Tages: Müll
Nabu analysiert, woher der Abfall im Meer stammt
Während im Uferbereich der Ostsee überwiegend Abfälle von Touristen gefunden werden, handele es sich bei den "gefischten" Abfällen meist um industrielle Abfälle aus der Schifffahrt.
Das teilte Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit. "Es scheint immer noch gängige Praxis zu sein, alte, teilweise noch gefüllte Fässer, Dosen mit Farb- und Lackresten, Tauwerk oder ausgedientes Ölzeug von den Schiffen einfach über Bord zu werfen." Das sei zwar verboten, aber Kontrollen und Strafen scheinen nicht auszureichen.

Metall, Kunststoffe, Textilien, Holz und Glas landen immer wieder in den Netzen der Fischer. Am 5. Mai 2011 startete daher das Projekt "Fishing for Litter" in Burgstaaken auf Fehmarn und Heiligenhafen. Im April 2012 kam Sassnitz auf Rügen hinzu, weitere Ostseehäfen sollen folgen. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 30 Fischer. Der Nabu stellt ihnen kostenlose Industriesäcke zur Verfügung, in denen sie Müll sammeln, der in ihren Netzen hängen geblieben ist. Die "gefischten" Abfälle werden in einer Sortieranlage auf ihre Zusammensetzung untersucht, um die Herkunft der Abfälle zu ermitteln, und danach umweltgerecht entsorgt.

Noch reiche die Stichprobe jedoch nicht, um abschließende Aussagen zum Müll am Grund der Ostsee treffen zu können, sagte Detloff. Daher hätten sich die Projektpartner darauf verständigt, die Abfälle weiterhin auf ihre Zusammensetzung zu untersuchen. Darüber hinaus soll eine Studie Auskunft darüber geben, ob die Kunststoffabfälle wiederverwertbar sind. Partner des Projekts sind unter anderem die Fischergenossenschaften Fehmarn und Heiligenhafen, der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein und der "Grüne Punkt".

Weltweit gelangen nach Schätzungen des Umweltverbandes 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr in die Weltmeere. Seit dem Start des Projektes haben Fischer 700 Kilogramm Abfall aus der Ostsee geholt.

Forschungsexpedition dokumentiert Müll am Grund
Der Zustand der Ostsee sei sicher nicht mit den dramatischen Verhältnissen im Mittelmeer vergleichbar, allerdings fänden sich in der Ostsee neben größeren Plastikstücken inzwischen auch Kleinstpartikel im Sand, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Dies sei eine Gefahr für die Tierwelt.

In der Ostsee steuerten Meeresbiologen Regionen in der Dänischen Beltsee sowie zwischen Rügen und Wismar an und stießen dort immer wieder auf Plastiküberreste. "Wir haben vermutet, dass wir entsprechende Beobachtungen machen, sind aber davon ausgegangen, dass wir gezielt suchen müssten", sagte Benke. Dem sei nicht so. Immer wieder seien bei den Tauchgängen Plastikteile entdeckt worden. In einer Sandbank nördlich des Darß fanden sie Kleinstpartikel im Sand.

"Changing-Oceans-Expedition": Die Meere im Blick
Die "Changing-Oceans-Expedition" der Schweizer Antinea-Stiftung bereist mit dem Segelschiff "Fleur de Passion" zwischen 2009 und 2018 alle Weltmeere. Nach dem Mittelmeer, der spanischen und der französischen Atlantikküste steuerte die Expedition auch Nord- und Ostsee an. Drei Wochen waren Forscher des Deutschen Meeresmuseums mit an Bord. Ziel der zehnjährigen Expedition sei es, den menschlichen Einfluss auf die Weltmeere zu dokumentieren, sagte Stiftungsgeschäftsführer Ronald Menzel.

Die Expedition der "Fleur de Passion" diente dem Meeresmuseum auch dazu, Film- und Bildmaterial über die Ostsee zu sammeln. Die Stralsunder Meeresbiologen bauen seit 2008 ein "Archiv der Ostsee" auf, das langfristige Veränderungen dokumentieren soll, wie Forschungsleiter Thomas Förster sagte. Die Meeresbiologen konnten ein breites Spektrum an Algen, Wirbellosen, Fischen und Seevögeln beobachten sowie Schweinswale dokumentieren. Ein besonderes Augenmerk richteten die Forscher bei den Tauchgängen im Sommer auch auf die Schiffsbohrmuschel, die seit den 1990er Jahren in der Ostsee beobachtet wurde und sich inzwischen bis zur Westküste Rügens ausgebreitet hat.

Glossar
Kunststoff
Fast alle Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Kunststoffen. Der am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polythen, das in Plastiktüten oder Mülltonnen steckt.
Müll im Meer
Ozeane voller Plastik
Vor allem unvergängliches Plastik verschmutzt die Gewässer, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) und der Schutzorganisation "Ocean Conservancy" anklagt.