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Waldarbeiter sägt Buchenstamm © dpa Video
Seit 1990 hat sich der Holzeinschlag in Deutschland bereits mehr als verdoppelt
Auf dem Holzweg
Der ökonomische Druck auf die Wälder wächst
Einerseits will die Bundesregierung bis 2020 mehr "Urwälder" in Deutschland schaffen. Gleichzeitig hat sie aber die Menge des erlaubten Holzeinschlags um 60 Prozent erhöht.
Lebensraum Wald Lebensraum Wald
Buche gefragt VideoBuche gefragt

Nach einer Zielvorgabe des Bundesumweltministeriums sollen zehn Prozent des deutschen Waldes zu ungenutztem "Urwald" werden. Die Bundesländer setzen diese Vorgabe aber teilweise nur schleppend um.

Der ökonomische Druck auf die Wälder wächst. Seit 1990 hat sich der Holzeinschlag bereits mehr als verdoppelt, unter anderem, weil verstärkt mit Holz geheizt wird. Die bewaldete Fläche in Deutschland hat zwar seit 1970 um eine Million Hektar zugenommen. Trotz der Leitlinie "Nachhaltigkeit" in der deutschen Forstwirtschaft prägen jedoch viele naturferne, schnell wachsende Nadelforste die deutschen Waldlandschaften. Diese sind artenarm und instabil, anfällig für Schädlinge und Stürme, wie Umweltschutzorganisationen kritisieren.

Im Wirtschaftswald erstickt das Bodenleben
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Hans von der Goltz plädiert für naturgemäße Waldwirtschaft in Deutschland
Naturschützer plädieren dafür, zumindest einen Teil des Waldes sich selbst zu überlassen, statt ihn kommerziell zu nutzen. Auf umgefallenen, absterbenden Bäumen siedeln sich zum Beispiel rasch dutzende Arten von Käfern, Insekten, Pilzen und Schwämmen an, denen in einem "aufgeräumten" Nutzwald bisweilen der Lebensraum fehlt.

Im Nutzwald, der meist aus Fichten besteht, kommt außerdem kaum Regenwasser am Boden an: Die dichten Kronen fangen 70 Prozent des Niederschlags ab. Diese Trockenheit verschärft die Verarmung des Lebensraumes. Dazu kommt, dass die schweren Fahrzeuge der Waldarbeiter den Boden verdichten. Das führt zu Sauerstoffmangel, Kleinstlebewesen im Boden ersticken.

Bäume enden im Kamin oder in der Heizung
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"Der Wald gerät immer mehr unter Druck", meint der Vorsitzende des Umweltverbands BUND, Hubert Weiger. Das Unterholz sei gelichtet, das Dickicht aufgeräumt. Statt großer, alter Bäume fänden sich immer mehr junge, schnell nachwachsende Nadelhölzer, die auch schon bald wieder abgeholzt würden. Weiger sieht dahinter systematische Fehlentscheidungen der Politik. Zentraler Kritikpunkt ist die Förderung von Energie aus Biomasse als nachwachsendem Rohstoff, die die Nachfrage nach Holz in den vergangenen Jahren massiv in die Höhe getrieben habe. Schon heute werde doppelt so viel Holz verfeuert wie 2002 - in Kaminen oder Holzpelletheizungen.

Preise für Brennholz höher als für Stammholz
Zum ersten Mal überhaupt seien die Preise für Brennholz höher als für Stammholz, sagt Weiger, mit dem Effekt, dass so viel Holz wie möglich ausgeräumt und abgeholzt werde. Gemeinden stünden unter Druck, zur Aufbesserung der leeren Kassen Staatswald zu verkaufen. Die neuen Besitzer schlugen dann mitunter große Flächen kahl, um mit den Einnahmen den Kaufpreis zu refinanzieren. Und der Trend werde sich fortsetzen. Seit 2001 sei der Holzeinschlag von 40 auf 70 Millionen Kubikmeter pro Jahr gestiegen. Bis 2020 werde eine "Holz-Versorgungslücke" von noch einmal 30 Millionen Kubikmeter pro Jahr in Deutschland erwartet.

Auch beim Klimaschutz büße der deutsche Wald zunehmend seine Wirkung ein, argumentiert der Präsident des Naturschutzbunds Deutschland, Olaf Tschimpke. "Er kann seine wichtige Funktion als Senke des Klimagases CO2 nur wahrnehmen, wenn er schonend behandelt und nicht übernutzt wird." So habe der deutsche Wald vor 20 Jahren noch 17 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr neu gebunden. Heute seien es laut einer Studie der Bundesregierung nur noch 4,7 Millionen Tonnen. Hintergrund sei der schnelle Durchsatz rasch wachsender Hölzer. Heute würden 93 Prozent des jährlichen Holzzuwachses abgeschöpft, sagt Tschimpke.

Um den Nutzungsdruck zu verringern, verlangen die Umweltschützer einen politischen Kurswechsel weg von der Ankurbelung des Verbrauchs hin zu einem sparsamen Umgang mit Holz. Nötig seien eine Abkehr von den Biomasse-Subventionen und auch eine Verringerung des Papierverbrauchs. Allerdings unterstellen sie der Politik genau gegenteilige Interessen.

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Widersprüchliche Waldpolitik
VideoSchildbürgerstreich
Wegen der zunehmenden Nachfrage nach Holz sehen Umweltschützer den deutschen Wald in akuter Gefahr. (Beitrag vom 25. April 2014)