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Forscher Video
Forscher nehmen Müllproben und untersuchen deren Zusammensetzung
Rohstoffen auf der Spur
Forscher wollen wertvolle Stoffe aus dem Müll retten
Wissenschaftler um Prof. Stefan Gäth von der Uni Gießen prüfen, ob es sich lohnt, Wertstoffe aus Mülldeponien zurückzugewinnen.
Seit einiger Zeit werden die Deponien von Wissenschaftlern und Unternehmen mit viel Aufwand unter die Lupe genommen. Die Spezialisten wollen Rohstoffe wieder aufspüren und die Chancen für eine wirtschaftlich lohnende Rückgewinnung ausloten. Deutschlandweit fünf Deponien haben verschiedene Teams in den vergangenen Jahren erkundet und auf ihren Wertstoffgehalt untersucht, in Europa seien es etwa 20, sagt Gäth. Der Professor für Abfall- und Ressourcenmanagement hat drei solcher Vorhaben wissenschaftlich begleitet. Je nach Beschaffenheit und Zielsetzung kostet so ein Projekt im Schnitt zwischen 50.000 und 500.000 Euro, sagt Gäth.

Jahrzehntelang landeten wertvolle Metalle wie Kupfer, Eisen und Aluminium, aber auch hochwertige Kunststoffe achtlos im Hausmüll und danach auf Deponien im ganzen Land. Das ist Vergangenheit, denn offene Mülldeponien, auf denen der Abfall früher unsortiert auf einen Haufen geworfen wurde, sind seit 2005 verboten.

Weil die Rohstoffpreise künftig weiter zulegen dürften, könnte sich das Einsammeln und Wiederverwerten Gäths Einschätzung nach in zehn bis 20 Jahren rechnen. Die auf Deponien im ganzen Land lagernden Mengen an Eisen, Kupfer und Aluminium könnten reichen, um den deutschen Bedarf ein bis zwei Jahre lang zu decken, glaubt Gäth. Und ganz nebenbei dürfte auch die Umwelt vom Rückbau manch alter Müllkippe profitieren.

Je nach Deponien mehr oder weniger Rohstoffe
Dabei gilt: Deponie ist nicht gleich Deponie. Je nach Nutzungsdauer und Umfeld finden sich auf den Müllhalden ganz unterschiedliche Wertstoffe in verschiedener Konzentration. Hausmüll etwa habe einen vergleichsweise hohen Gehalt an Wertstoffen, so dass die Ausbeute selbst bei kleinen Müllhalden an Ortsrändern ordentlich ausfallen könne, sagt Gäth. Aber auch Deponien in der Umgebung von Industrieanlagen seien oft vielversprechend.

Regional betrachtet werden die Experten auf Deponien im Westen Deutschlands häufiger fündig als in den neuen Ländern. Das liegt nicht nur am früher unterschiedlichen Konsumverhalten in der Bundesrepublik und der DDR, sondern auch daran, dass der Recycling-Gedanke im Osten früher etabliert war als im Westen, sagt ein Sprecher des Entsorgungsunternehmens Tönsmeier aus Porta Westfalica in Nordrhein-Westfalen.

Als Konsortialführer erkundet die Firma seit Anfang 2013 eine Deponie im Kreis Minden-Lübbecke. 8000 Tonnen Deponat hat Tönsmeier eingesammelt und untersucht, um zu klären, ob sich daraus Wertstoffe gewinnen lassen und welche technischen Voraussetzungen dafür nötig sind. Das ist ein springender Punkt: "Viele Aufbereitungsanlagen sind allenfalls bedingt dazu geeignet, die unbehandelten Abfälle in der gewünschten Qualität und Genauigkeit zu trennen", sagt Michael Krüger, Leiter Forschung und Entwicklung bei Tönsmeier. Die Verschmutzung, Verdichtung und Vermischung des lange abgelagerten Abfalls stelle die hochsensible Technik moderner High-Tech-Anlagen vor Probleme.

Wertvolle Rohstoffe lagern auch in vielen Haushalten
So aufwendig das Aufspüren und das Sichten der Abfälle aber auch ist - noch schwerer zugänglich sind die Schätze, die bei vielen Verbrauchern zu Hause schlummern: Gäth geht davon aus, dass alleine in Deutschland bisher rund 200 bis 300 Millionen ausrangierte Handys, die unter anderem Gold, Silber und Seltene Erdenmetalle enthalten, in den Schubladen ihrer Besitzer statt in der Wertstoffsammlung gelandet sind. Um an solch wertvolle Stoffe leichter wieder heranzukommen, sollten effizientere Pfand- und Leasingsysteme oder Leihverbünde entwickelt werden, sagt auch Georg Mehlhart vom Öko-Institut in Darmstadt.

Aber auch viele Unternehmen tüfteln angesichts steigender Kosten zunehmend an Strategien, wertvolle Rohstoffe einzusparen oder effizienter zu nutzen. Der Elektrokonzern Siemens etwa entwickelt Methoden zur Wiederverwertung von Magneten für Elektromotoren, die in der Prozesstechnik eingesetzt werden. Zusammen mit Partnern arbeitet Siemens aber auch an Verfahren, um Carbonfasern aus Verbundwerkstoffen wiederzugewinnen. "Das Bewusstsein für Kosten- und Einsparpotenziale ist sehr gewachsen", sagt Siemens-Experte Gotthard Rieger.

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VideoFundgrube Müllhalde
Wissenschaftler um Prof. Stefan Gäth von der Uni Gießen untersuchen Deponien in Wiesbaden und in Reiskirchen in Mittelhessen. Sie wollen zunächst herausfinden, welche Stoffe in den geschlossenen Müllkippen liegen.
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