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Forscher nehmen Müllproben und untersuchen deren Zusammensetzung
Rohstoffen auf der Spur
Forscher wollen wertvolle Stoffe aus dem Müll retten
Wissenschaftler um Prof. Stefan Gäth von der Uni Gießen prüfen, ob es sich lohnt, Wertstoffe aus Mülldeponien zurückzugewinnen.
Sie beurteilen zwei Deponien in Wiesbaden und in Reiskirchen in Mittelhessen. Sie sollen zunächst herausfinden, was alles in den geschlossenen Müllkippen liegt und brauchbar sein könnte.

Nach der Bestandsaufnahme werde entschieden, ob sich das Ausbuddeln lohnt oder die Deponien endgültig abgedichtet werden. Besonders Müll aus den 1960er und 1970er Jahren sei von Interesse. "Es war die Zeit, als die Wegwerfgesellschaft blühte und die Abfallwirtschaft nur die Deponierung kannte", so Gäth. Er rechnet mit vielen verwertbaren Rohstoffen.

Recycling - Gold aus dem Handy
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Ein Unternehmen in den Niederlanden gewinnt aus alten Mobiltelefonen wertvolle Edelmetalle wie Gold und Kupfer zurück.
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Alte Elektrogeräte bedeuten ein Sparpotenzial
"Bisher werden 60 Prozent der Elektrogeräte über den Hausmüll entsorgt, da gibt es ein riesiges Potenzial", so Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Eine Tonne Golderz bringt sechs Gramm Gold, eine Tonne alte Handys 250 Gramm Gold, rechnet er vor und erinnert daran, dass viele Bürger alte Handys daheim horten.

In Fachkreisen gibt es den Begriff des "Urban Mining" für die Schätze, die mit einer besseren Rohstoff-Wiederverwertung gehoben werden könnten. Der Müll der Städter als große, virtuelle Rohstoffmine. Zwar gibt es in Deutschland schon eine Recyclingquote von fast 65 Prozent, aber hinter den Kulissen wird erbittert darum gestritten, wer künftig wie mitmischen darf bei der Jagd auf alte Elektrogeräte.

Zwischen 2006 bis 2008 konnten zwar 1,9 Millionen Tonnen Altgeräte gesammelt und verwertet werden. Da aber die Bürger bisher die Geräte zu den 1500 zentralen Sammelstelle bringen müssen, wandern viele Geräte in dem normalen Müll und werden verbrannt.

"Wir befinden uns in den letzten Zügen", heißt es aus dem Haus von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit Blick auf das neue Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz, das in Kürze vorliegen soll und die Wiederverwertung deutlich stärkt. Die Entsorgungslobby um den BDE und die Kommunen streiten hinter den Kulissen heftig, wer wie Zugriff auf Kupfer, Lithium, Seltene Erden oder Chrom bekommt.

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln konnten bereits in den letzten Jahren durch Wiederverwertung jährlich Rohstoffimporte in Höhe von fünf Milliarden Euro gespart werden. 2009 wurden in Deutschland aus Müll Sekundärrohstoffe im Wert von 8,4 Milliarden Euro produziert, bis 2015 sind demnach 18 Milliarden Euro möglich.

Viele Kommunen wollen die Wertstofftonne testen
Die Kommunen sehen hier angesichts klammer Kassen viel Potenzial. Ein Wort elektrisiert sie besonders: Die Wertstofftonne. Sie soll 2015 kommen. Private Entsorger wollen hingegen Wertstoffe in den gelben Tonnen für Verpackungen mit dem grünen Punkt mitsammeln - so könnte den Kommunen der Zugriff verwehrt werden. "Die Verpackungsverordnung sieht schon heute vor, dass mit der gelben Tonne weitere Wertstoffe wie Kunststoffe, Elektrokleingeräte und Textilien gesammelt werden", so BDE-Präsident Kurth.

Im Streit darüber kam es in Berlin zum "Müllkrieg" zwischen der Berliner Stadtreinigung (BSR) und dem privaten Entsorger Alba. Der Senat untersagte Alba einen Modellversuch mit einer "Gelben Tonne Plus", die BSR startete seinerseits eine Wertstoffsammlung mit einer orangenen Box. "Der kommunale Berliner Versuch einer weiteren Wertstofftonne neben der gelben Tonne ist schon deshalb nicht erfolgreich, weil die Bürger zwei Tonnen nebeneinander - in denen Wertstoffe gesammelt werden - zu Recht nicht annehmen", meint Kurth.

Die Kommunen sehen das ganz anders. "Die kommunalen Entsorger dürfen nicht auf dem letzten Dreck sitzen bleiben", sagte jüngst Franziska Saniter vom Zweckverband Abfallwirtschaft in der Region Hannover, wo derzeit ebenfalls die Wertstofftonne getestet wird. Die Kommunalverbände betonen, das ganze sei auch für die Bürger gut: Die Kommunen könnten die Wertstoffe verkaufen und so die Müllgebühren stabil halten. Da viele Länder die Position der Kommunen stärken wollen, könnte das Gesetz im Bundesrat zur Hängepartie werden. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, warnt die privaten Entsorger vor "Rosinenpickerei".

Einig ist man sich, dass das Recycling mit dem neuen Gesetz den Vorrang vor dem Verbrennen zur Energiegewinnung bekommen soll. Daher sind die Betreiber der 70 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland mit dem Gesetzentwurf nicht zufrieden. Sie haben Kapazitäten für 24 Millionen Tonnen Müll, Experten schätzen die Auslastung derzeit aber nur auf 22 Millionen Tonnen - davon 20 Millionen aus Deutschland und zwei Millionen Tonnen aus dem Ausland. Dass aber das Recycling nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus klimapolitischer Sicht Vorteile hat, zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA): 25 Prozent der Kohlendioxid-Minderungen seit 1990 wurden dank Recyclings geschafft.

Austausch
Für die einen ist es Müll, für andere ein Rohstoff
"Der Vorteil einer Abfallbörse ist, dass viel mehr Rohstoffe auf den Markt kommen", sagt Recyclingfachmann Martin Model.
Visionär
Müll zu Rohstoffen
"Meine Vision ist, aus Abfällen neue Rohstoffe zu machen", sagt Prof. Ernst Stadlbauer von der Fachhochschule Gießen-Friedberg.