Koralle mit Ölschicht © ap Video
Viele Korallen im Golf von Mexiko sind mit Öl bedeckt und abgestorben
"Das Öl ist noch da"
Ölschicht bedeckt tote Tiere auf dem Meeresgrund
Das Öl der Katastrophe im Golf von Mexiko ist nicht verschwunden, sagt die Meereswissenschaftlerin Samantha Joye. "Es ist nur dort, wo niemand danach sucht."
Die Forscherin von der Universität Georgias erklärte am 20. Februar 2011 auf einer Konferenz in Washington D.C., sie habe mit einem U-Boot im Dezember 2010 die gleichen Orte auf dem Meeresboden in der Nähe des Öllecks aufgesucht wie schon im Sommer zuvor. Ihre Erwartung, dass das Öl inzwischen verschwunden sei, habe sich nicht bestätigt. Das Öl bedecke tote Meerestiere und sehe aus, als wenn es erst vor kurzer Zeit aus dem defekten Bohrloch ausgetreten sei.

Die Placken hatte sie demnach in bis zu 130 Kilometern Entfernung von der explodierten Bohrplattform "Deepwater Horizon" entdeckt. Mindestens zehn Proben sammelten die Wissenschaftler Joye zufolge vom Meeresboden in 1500 Metern Tiefe.

Es müsse jetzt noch geklärt werden, warum das Öl nicht wie erwartet abgebaut worden sei. Mikroben hätten bislang vielleicht zehn Prozent aufgelöst und sei nicht wie erhofft komplett davon abgebaut worden.

Die Ergebnisse von Joye und ihren Kollegen widersprechen anderen Studien, die ein viel optimistischeres Bild gezeichnet hatten. Ein Forscher des Energieministeriums hatte erklärt, die Mikroben arbeiteten "sehr schnell".

Das Thema interessierte viele Menschen nicht mehr
Viele US-Amerikaner schienen schon im Herbst 2010 nicht mehr hören zu wollen, als unabhängige Forscher von großen Ölwolken unter Wasser und von streckenweise zentimeterdicken Ölschichten auf dem Meeresgrund berichteten. Doch Das Interesse der Medien hatte sich längst auf andere Themen gerichtet. Seit der Ölfluss Mitte Juli 2010 gestoppt ist, ist der Schock verebbt. Auch wenn nach wie vor mehr als 900 Kilometer Küste mehr oder weniger verschmutzt waren, wie Thad Allen, der Sonderbeauftragte der Regierung im September 2010 in Erinnerung rief.

Die Ölindustrie ruht nicht. Längst sind weitere Tiefseebohrungen in Planung. In den USA kippte gar ein Gericht ein von Obama verhängtes Moratorium. Die Branche zieht einfach weiter: Im Dezember 2010 verkündete Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, dass das Desaster im Golf sein Land nicht daran hindern werde, vor der Küste ein Ölfeld in 5000 Metern Tiefe anzuzapfen, das 3500 Meter tiefer liegt als das Leck vor der US-Küste.

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