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Die Winzer stellen sich auf die Veränderungen durch den Klimawandel ein
Gutes Klima für Wein
Deutschen Winzern nutzt der Treibhauseffekt
Der Klimawandel ist "eher eine Chance als ein Risiko" für den Weinbau, meint Hans-Rainer Schultz von der Forschungsanstalt Geisenheim.
In den grünen Regionen dominieren die Weiß-, in roten Rotweine LupeWeinbaugebiete 2010
Durch den Klimawandel verschieben sich die Weinbauregionen nach NordenLupeWeinbaugebiete 2050

Sollte es den Reben zu heiß werden, könnte der Winzer eingreifen. Etwa indem er das Laub der Weinstöcke stärker zurückschneidet und damit die Reife verzögert, wie der Präsident des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann erklärt. Oder mit Trieben eine Art Blätterdach über die Rebzeilen spannt, um den Trauben Schatten zu spenden. Dies sei bislang aber nicht nötig.

Und die Anpassung an den Klimawandel geht weiter: Weinbauversuchsanstalten und einige Weingüter experimentieren bereits mit neuen Anpflanzmethoden, wie Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz berichtet. Bislang war der Rebenanbau darauf ausgerichtet, auch noch den letzten Sonnenstrahl einzufangen. Nun sind Strategien gesucht, um die Reifezeit der Trauben zu verlängern. "An der Mosel setzen einige Winzer ihre Weinberge in sonnenärmere Seitentäler oder gehen in höhere Lagen - die bisher oft brach lagen."

Der Klimawandel bringt Wein vom Mittelmeer
Vom Klimawandel profitieren besonders die Rotweinsorten, bei denen Wärme deutliche Qualitätsschübe bewirkt. Winzer probierten inzwischen vermehrt Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon oder Shiraz, die bislang eher im Mittelmeerraum angebaut wurden. Zwar wird beispielsweise Cabernet Sauvignon bislang auf weniger als einem Prozent der deutschen Rebfläche kultiviert - "trotzdem ist es wichtig zu zeigen: Wir kommen auch mit diesen Sorten zurecht", betont Büscher.

Probleme sieht der Experte allerdings beim Eiswein. Die Gelegenheiten, diese Spezialität zu ernten, seien geringer geworden, da es zur Lesezeit im November oder Dezember oft nicht kalt genug gewesen sei. Eiswein wird bei mindestens sieben Grad minus geerntet. "2007 gab es nur einen Tag für die Eiswein-Lese, 2006 fiel sie so gut wie ganz aus", sagt Büscher.

Klimawandel lässt Weinbau in Schleswig-Holstein zu
Mittlerweile versuchen auch einige Winzer zwischen Nord- und Ostsee ihr Glück. Mit steigenden Temperaturen dehnen sich in Norddeutschland erneut die Zonen aus, in denen Reben prinzipiell gedeihen. "Die Gebiete, in denen Weinbau in Deutschland nicht möglich ist, schrumpfen", erklärt Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros in Geesthacht. Setze sich der gegenwärtige Temperaturanstieg fort, sei Weinbau bis zum Ende dieses Jahrhunderts in ganz Norddeutschland zumindest mit bestimmten Rebsorten aus klimatischer Sicht möglich, sagt Meinke. Wie es um die Bodenbeschaffenheit stehe und was der Wein am Ende für eine Qualität habe, sei eine andere Frage.

Während einer mittelalterlichen Warmphase war Weinbau dort bereits verbreitet. Eine jahrhundertelange Warmphase ließ einen vermutlich recht sauren Wein gedeihen. Kälteres Klima, die Verbreitung des Bieres und steigende Nachfrage an Getreidefeldern beendeten dies später.

Mit der Wärme kommen aber auch die Schädlinge
Weinlese Lupe
Die letzten Jahrgänge des fränkischen Weins waren gut , die Ernte aber gering
Mit der Wärme steige auch das Risiko, dass Schädlinge, die bisher nur in südlichen Regionen vorgekommen seien, in den hiesigen Weinbauregionen ausbreiteten, erklärt Michael Maixner vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Bernkastel-Kues an der Mosel. Der Schädling mit dem komplizierten Namen Windenglasflügelzikade beispielsweise habe bislang überwiegend auf trockenen und heißen Steillagen sein Unwesen getrieben. Das mediterrane Insekt überträgt die Schwarzholzkrankheit und benötigte bisher die Ackerwinde als Wirtspflanze. Mit dem milderen Klima besiedelt der Schädling aber zunehmend auch Brennnesseln - und wandert mit ihnen in neue Regionen ein.

Mehr Hagelschäden drohen, und manche Weinberge müssen künftig häufiger bewässert werden. "Das Wetter war schon immer das wichtigste Thema im Weinbau, schließlich sind Winzer zu 100 Prozent davon abhängig", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Deshalb treibt der Klimawandel die Winzer natürlich um - und hat in den vergangenen Jahren bereits zu ein paar Superlativen beigetragen: Früheste Rebblüte seit Beginn der Aufzeichnungen, kürzeste Lese und die höchsten Mostgewichte - diese spiegeln den Zuckergehalt der Trauben wider.

Wein ist zwar mit seinen bis zu 15 Meter tiefen Wurzeln gut an wärmere Standorte angepasst und kann auch tiefe Wasserspeicher anzapfen, aber: "Eine Rebe ist kein Kaktus", sagt Büscher. Trockenheit drohe vor allem auf Sandböden oder in steilen Lagen. In Ellerstadt in der Pfalz beispielsweise taten sich deshalb Winzer zusammen und kauften eine Anlage für Tröpfchenbewässerung, wie Büscher berichtet.

Dennoch überwiegen für Winzer die Vorteile der Klimaänderungen: "Die vergangenen neun Jahrgänge sind alle als gut bis sehr gut bewertet worden", sagt Büscher. Herrscht zur Weinlese stabiles trockenes Wetter, seien die Winzer "in der komfortablen Situation, das Optimum der Traubenreife abwarten zu können".

Der Klimawandel laufe für die Winzer "absolut in die richtige Richtung", sagt auch der Präsident des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann, im pfälzischen Neustadt. Noch in den 1960er bis 1980er Jahren habe es Reifeprobleme gegeben. "Jetzt erreichen wir jedes Jahr Vollreife und sind sehr glücklich darüber." Schließlich liege Deutschland am nördlichen Rand der Weinbauregionen: "Wir können das schon entspannter sehen als etwa die Kollegen auf Sizilien."

Frankreichs Winzer befürchten Klimafolgen
Französische Winzer haben indes vor den Folgen des Klimawandels für den Weinanbau gewarnt. "Wenn es einen Klimawandel um mehr als ein Grad bis 2050 gibt, wird es keinen Spätburgunder mehr im Burgund geben", sagte Michel Issaly vom Verband der unabhängigen Winzer Frankreichs. Vorzeitige Ernten, extreme Temperaturen und heftige Gewitter hätten bereits zur Qualitätsminderung und verringerter Produktion bei einigen Weinen geführt, erklärte er. Bei der Hitzewelle von 2003 sei die Produktion im Burgund um 30 Prozent zurückgegangen.

Alte Sorten
Neue Weine von alten Reben
Andreas Jung hat 242 historische Rebsorten wiederentdeckt, die vielleicht besser mit dem Klimawandel zurecht kommen könnten.
Wachau
Der Klimawandel verändert den Weinanbau
Vor einigen Jahren hat der österreichische Winzer Toni Bodenstein begonnen, Wein in der Wachau in einer Höhe von 480 Metern über dem Meeresspiegel anzubauen. "Heute ist das der teuerste Wein in meinem Angebot", sagt der Winzer.
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