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Wolfgang Subal Video
Wolfgang Subal, Jäger verlorener Sorten (Beitrag vom 7. Oktober 2015)
Genetische Fundgrube
Pomologen wollen alte Apfelsorten erhalten
Im Auftrag der Regierung Oberfrankens spürt der Pomologe Wolfgang Subal alte Apfelsorten wieder auf: Viele Bäume sind 100 Jahre alt und könnten bald sterben.
"Die Apfelsorten, die heute auf dem Markt sind, gehen auf sehr wenige Ausgangssorten zurück", so Subal. "Die genetische Breite dieser Sorten wird immer enger. Viele alte Sorten haben aber genetische Eigenschaften, die sehr interessant sind. Wenn diese Sorten verloren gehen, dann wären diese Eigenschaften nicht mehr leicht zu reproduzieren."

EU-Projekt fördert den Anbau alter Apfelsorten
Streuobstwiese Lupe
In der Eifel wachsen mit Unterstützung der EU althergebrachte Apfelsorten
Die genetische Vielfalt ist auch Pomologen wie Hans-Joachim Bannier wichtig: "Viele der alten Sorten sind resistent gegen Schorf, andere gegen Blattläuse. Und so manche verträglich für Allergiker." Die EU fördert Streuobstwiesen in der Eifel mit althergebrachten Sorten. Zahlreiche Initiativen in ganz Deutschland haben sich die Pflege der genetischen Vielfalt zur Aufgabe gemacht. Eine Datenbank mit mehr als 6000 Sorten und Daten zur Herkunft von Früchten und Gemüse hat der "Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt" im niedersächsischen Schandelah aufgebaut: Kartoffeln, Bohnen, Paprika, Erbsen oder Salate.

Noch vor 100 Jahren gab es in Deutschland 1000 Apfelsorten. Mittlerweile kennen die meisten Verbraucher nur noch Jonagold, Braeburn, Elstar, Cox Orange oder Golden Delicious. Die Früchte wachsen in intensiv mit Pflanzenschutzmitteln gepflegten Niederstamm-Plantagen. Die alten Hochstammsorten sind dagegen nicht mehr marktfähig.

Alte Sorten sollen Äpfeln frischen Saft geben
Auf Plantagen in Dresden-Pillnitz halten Forscher des Instituts für Obstzüchtung 930 Apfelsorten sowie 400 Wildarten, denn Äpfel können nicht als Samen, sondern nur als Baum erhalten werden: Ihr Samen bringt nicht automatisch Früchte mit denselben Geschmacksmerkmalen hervor. Indem die Forscher alte und neue Sorten kreuzen, wollen sie Äfpel mit mehr Geschmack züchten, die modernen Standards genügen. "Wir betreiben heute systematische Züchtungsforschung", erläutert Dr. Christine Grafe.

"Früher wurden die Kreuzungspartner eher zufällig ausgewählt, heute wählt man seine Kreuzungspartner nach den Eigenschaften aus, die sie besitzen." Da auch mehr und mehr Allergien gegen Äpfel auftreten, könnten die alten Sorten helfen, hofft Grafe: "Sie enthalten in der Regel mehr Polyphenole als neuere Sorten, von denen bekannt ist, dass sie mit den allergieauslösenden Proteinen unter bestimmten Voraussetzungen Verbindungen eingehen können und diese quasi wegfangen."

Die Forscher hoffen auf die Besitzer alter Sorten; Sie sollten Ableger an die Genbank weiterleiten. "Das können Pomologenvereine sein", so Dr. Andreas Peil vom Institut für Obstzüchtung. "Es gibt aber auch private Sammlungen: Privatmenschen, die viele Obstsorten gesammelt haben, aber auch Privatmenschen, die nur einzelne Sorten in ihrem Garten stehen haben und Interesse haben, dass die weiter erhalten werden und die dann an die Genbank liefern."

Glossar
Der Apfel
Heute sind 20.000 Apfelsorten bekannt, von denen aber nur 20 wirtschaftlich eine Rolle spielen. Vorfahre ist Malus sieversii.
Malus sieversii
Urapfel aus Kasachstan
Biologen haben im Tianshan-Gebirge in Kasachstan den Vorfahren des Apfels entdeckt, die Wildart Malus sieversii. Sein Erbgut ist mit dem des Kulturapfels nahezu identisch.
Mediathek
VideoÖkosystem Apfelbaum
Auf und um einen Apfelbaum leben zahlreiche kleine Lebewesen, die sich mit bloßem Auge nicht erkennen lassen. Sie vertreiben und fressen Schädlinge. (Beitrag vom 14. August 2012)
Mediathek
VideoLebensraum Apfelbaum
Der Bio-Anbau fördert die Artenvielfalt in den Obstplantagen, haben die französischen Ökologen Servane Paverne und Gaëlle Marliac herausgefunden. (Beitrag vom 18. September 2013)
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