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Fast ein Drittel der Honigbienen sind der Varroa-Milbe zum Opfer gefallen
Tödliche Milbe
300.000 Bienenvölker in Deutschland gestorben
Bis zu einem Drittel der Honigbienen in Deutschland haben den Winter 2011/2012 nicht überlebt. Das wären 300.000 der eine Million Bienenvölker im Land.
Einer der Hauptgründe für das Bienensterben ist die in den 1960er Jahren aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe. In Bonn befassen sich zur Zeit Wissenschaftler mit der Zukunft von Wild- und Honigbienen. Der Ausbreitung der Milbe könne nur durch eine konsequente Anwendung der bestehenden Bekämpfungsmethoden Einhalt geboten werden, sagte Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde in Celle.

Das aber würde eine flächendeckende Unterrichtung und Unterweisung der schätzungsweise 90.000 Imker im Lande voraussetzen. Hier gibt es nach Meinung der Experten ein Kommunikationsproblem. Zwar können die Bieneninstitute über die Imkervereine die Informationen weitergeben, aber kein Imker muss an den Fortbildungsseminaren teilnehmen. Die von Imkern stammende Forderung nach einem "Bienenführerschein" entzweit die Fachwelt. Die meisten Forscher setzen auf Aufklärung und Information statt Zwang.

Kunstschwärme sollen Bienenbestände auffüllen
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Imkern gehen die Völker aus - da hilft nur das Teilen der bestehenden
Imker bekämpfen das Bienensterben mit "Kunstschwärmen": Sie setzen Jungkönniginnen in andere, königinnenfreie Völker ein. Im Winter gebe es zwar immer ein Bienensterben, meint Stefan Berg vom Bieneninstitut Veithöchheim, "aber in dem Ausmaß ist es schon ungewöhnlich." Jede fünfte Biene hat den harten Winter 2010 nicht überlebt, so lautet das Ergebnis einer Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei im rheinland-pfälzischen Mayen, an der 1500 Imker teilgenommen haben. Damit sind die Bienenvölker doppelt so stark geschrumpft wie im Winter üblich. "Wir hatten sogar mit noch größeren Verlusten gerechnet", sagt der Leiter des Fachzentrums, Christoph Otten.

Schon im Spätsommer 2009 hatten viele Imker Grund zur Sorge. Ihre Schützlinge waren sichtbar entkräftet. "Zu diesem Zeitpunkt waren erstaunlich viele Honigbienen von der Varroa-Milbe befallen, die den Bienen in Europa seit Jahren stark zusetzt", sagt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Die Milben nisten sich als Parasiten im Bienenstock ein, schwächen ihre Wirte und übertragen weitere Krankheiten. Ohne eine Behandlung gehen befallene Völker unweigerlich ein.

Auch mit dem Klima hatten die Bienen zu kämpfen. "2009 hatten wir ein ganz mieses Bienenjahr, mit einem verspäteten Frühjahr, einem feucht-kühlen Sommer und einem verlängerten Winter", sagt Rosenkranz. Besonders ungünstig waren die klimatischen Bedingungen in vielen süddeutschen Regionen, etwa im Schwarzwald. Daher befürchtet Rosenkranz, dass in Baden-Württemberg bis zu 30 Prozent der Bienen im Winter gestorben sind.

Auch macht den Bienen die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen. Die lebensnotwendige Blütenvielfalt geht dadurch verloren. Wiesen werden meist schon vor der Blüte gemäht. Blühende Unkräuter werden bekämpft, Insektizide und Pestizide schaden den Bienen. "Die Bienen finden immer weniger Nahrung", sagt Imker Thomas Radetzki.

BUND kritisiert den Einsatz von Neonicotinoiden
Forscher Lupe
Forscher auf den Spuren des Bienensterbens
In der Kritik steht vor allem die Gruppe der Neonicotinoide. Dazu gehört das Insektizid Clothianidin, ein chemisch verändertes Nervengift. Es sei für Bienen und andere Insekten hochgefährlich, erläuterte Heribert Wefers vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Damit werden Mais-Saatkörner behandelt, um Schädlinge abzuwehren. Das Gift sei wasserlöslich und wirke systemisch, verteile sich also in der gesamten Pflanze. Kommen Bienen nun damit in Berührung, sterben sie nicht unbedingt sofort. Sie können auch Orientierung und Geruchssinn verlieren und langsam verenden. Agrargifte gefährdeten aber auch andere Insekten sowie Vögel und Kleintiere. Auch für Menschen wäre ein Verbot der Pestizid-Gruppe hilfreich. Einige Mittel aus der Gruppe der Neonicotinoide wie Thiacloprid stünden im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen, so Wefers. Besonders die Langzeitfolgen seien bei der Zulassung nicht ausreichend bedacht worden, kritisierten die Fachleute.

2008 waren laut BUND in Süddeutschland 20.000 Bienenvölker durch Clothianidin getötet oder schwer geschädigt worden. Nachdem es nach dem Massensterben verboten wurde, werde es nun wieder eingesetzt. BUND-Chef Weiger machte "die Agrarlobby" für die erneute Zulassung verantwortlich. Mindestens drei weitere Neonicotinoide, die Grundbestandteil von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung sind, schädigten Artenvielfalt und Gewässer. Die Zulassungsprüfungen für Pestizide müssten verschärft werden.

Der Deutsche Bauernverband wies in einer Erklärung darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel zu den am besten untersuchten Stoffen gehörten. Bei Zulassung und Anwendung seien sie streng reglementiert. Dieses Zulassungsverfahren sichere einen hohen Bienenschutz, hieß es. Der landwirtschaftliche Berufsstand pflege gute Kontakte zu Imkern. So legten Landwirte auch Blühstreifen, die ein guter Futterplatz für Bienen seien.

Bienenforscher Rosenkranz sieht die Bestäubung der Obstwiesen aber nicht in Gefahr: "Das ist ohnehin jedes Jahr eine Massenschlacht, zu der unsere Bienenvölker meist viel mehr Bienen bereitstellen als eigentlich nötig wären." Die Versorgung mit Bienen sei deutschlandweit fast überall gut, lediglich in wenigen Regionen gebe es regelmäßig Engpässe - etwa im Obstanbaugebiet Altes Land südlich von Hamburg. Dorthin werden zur Blütezeit jedes Jahr mehrere tausend Bienenvölker gebracht, die jeweils bis zu fünf Kilogramm Nektar am Tag sammeln. Die Bestäubungsarbeit erledigen sie dabei ganz nebenbei.

Bienen
Tödliche Parasiten
85-prozentige Ameisensäure bekämpft die für Bienen tödliche Varroa-Milbe, ohne dass sie den Bienen gefährlich wird.
Glossar
Bienen
Die Honigbiene (Apis mellifera) ist in Deutschland nach Schwein und Rind das drittwichtigste Nutztier, vor allem für Obst- und Gemüseanbau.
Link
Das Verbundprojekt "fit bee" der Universität Hohenheim erforscht die Bedingungen für gesunde Bienenvölker
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