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Sendung
19. Juni 2013
  • Neue Kriterien für Arzneimittelversuche
  • Merkmale des "Bösen"
Drachenfisch © Dr. Julian Finn, Museum Victoria Video
Der Drachenfisch ist ein auffälliger Vertreter der 230.000 Arten im Ozean
In den Ozeanen tummelt sich vielfältiges Leben
"Cenus of Marine Life" zeigt Verteilung der Arten
230.000 verschiedene Arten tummeln sich im Meer, hat die "Volkszählung der Ozeane", der "Census of Marine Life", ergeben.
© photograph by G. Haralson), Felder, D. L. and Camp, D. K. eds. 2009. Gulf of Mexico?Origins, Waters, and Biota. Vol. 1. Biodiversity. Texas A&M Press, College Station, Texas
© César Herrera
© Eduardo Klein
© Eduardo Klein

Die Ozeanregionen um Australien und Japan zeigen die größte biologische Vielfalt. Die beteiligten 360 Forscher haben die Verteilung und Biodiversität in 25 Schlüsselregionen der Ozeane zwischen Arktis über die Tropenregionen bis zur Antarktis veröffentlicht. 33.000 verschiedene Arten finden sich allein in diesen beiden Regionen, dazu kommen die ebenfalls vielfältigen Bereiche um China, dem Mittelmeer und - noch - dem Golf von Mexiko.

© Shaoqing Wang
© (photograph by H. Bahena), Felder, D. L. and Camp, D. K. (eds.) 2009. Gulf of Mexico?Origins, Waters, and Biota. Vol. 1. Biodiversity. Texas A&M Press, College Station, Texas
© (photograph by G. Haralson), Felder, D. L. and Camp, D. K. (eds.) 2009. Gulf of Mexico?Origins, Waters, and Biota. Vol. 1. Biodiversity. Texas A&M Press, College Station, Texas
© JAMSTEC

Durchschnittlich haben die Meeresforscher 10.750 verschiedene Arten gefunden in den einzelnen Regionen - zwischen 2600 und 33.000. Ein Fünftel der Arten gehören zu den Krustentieren wie Krebse und Garnelen. Zusammen mit Weichtieren (Mollusken) und Fischen machen sie die Hälfte der nachgewiesenen Arten aus.

© JAMSTEC
© JAMSTEC
© JAMSTEC
© Antonina Rogacheva, Shirshov Institute of Oceanology, Moscow.jpg

"Wir brauchten diese Übersicht dringend", meint Dr. Mark Costello vom Meereslabor in Leigh in Australien. "Die Fähigkeit verringert sich, neue Arten zu entdecken und zu beschreiben. Zudem leiden einige Meeresarten unter massivem Schwund - teils sind bis zu 90 Prozent verschwunden - und steuern auf ihre Auslöschung zu, wie es zahlreichen Arten auf Land schon passiert ist."

© Yoshihiro Fujiwara, JAMSTEC
© Antonina Rogacheva, Shirshov Institute of Oceanology, Moscow
© Magda Blazewicz-Paszkowycz, University of Lodz
© Lena Bergstrom, Swedish Board of Fisheries

Mit den Daten, die Forscher in zahlreichen Nationen in ihrem Jahrzehnte währenden Projekt sammeln, wollen diese eine Grundlage schaffen, um den Einfluss des Menschen beurteilen zu können.

Aufteilung der Arten
Prozent Organismengruppe
19 Crustaceen (Krabben, Hummer, Flusskrebse, Garnelen, Krill und Rankenfußkrebse)
17 Mollusken (Tintenfische, Oktopus, Venusmuscheln, Gehäuse- und Nacktschnecken)
12 Fische (Knochen- und Knorpelfische wie Haie)
10 Protozoen (einzellige Mikroorganismen)
10 Algen und andere pflanzenähnliche Organismen)
7 Anneliden (segmentierte Würmer)
5 Nesseltiere (Seeanemonen, Korallen und Quallen)
3 Flachwürmer
3 Stachelhäuter (Seesterne, Schlangensterne, Seeigel, Sanddollars und Seegurken)
3 Porifera (Schwämme)
2 Bryozoen (Moostierchen)
1 Tunikata (Manteltiere wie Seescheiden)
5 andere Wirbellose
2 andere Wirbeltiere (Wale, Seelöwen, Seehunde, Schildkröten, Walrösser)
Die Daten spiegeln Häufigkeit und Biomasse nicht wider. 

Die meisten Arten kommen in mehreren Regionen vor; die "kosmopolitischsten" Arten sind mikrokopische Algen, Protozoen und Kopffüßler. Hinzu kommen Meeresvögel und -säuger, die im Laufe ihres Lebens durch die Ozeane streifen. In mehr als einem Viertel der Regionen tritt der Vipernfisch (Chauliodus sloani) auf.

Verschiedene Arten in verschiedenen Regionen
  • Selbst Arten mit geringer Biodiversität haben mehr als 4000 verschiedene Arten.
  • Verglichen mit ihrem Wasservolumen ist das Baltikum die Region mit den meisten unterschiedlichen Arten, gefolgt von China.
  • Südkorea, China, Südafrika und das Baltikum haben dagegen die meisten Arten, wenn man die Vielfalt auf die Fläche am Meeresgrund bezieht.
  • Die Verteilung der Biodiversität in den verschiedenen Regionen ist sehr unterschiedlich. Zwar kann das an der Erforschung liegen, doch scheine es laut der Forscher, dass die Arten in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich gut gedeihen.
  • Krustentiere machen 22 bis 35 Prozent der Arten in Alaska, der Antarktis, Brasilien, Kalifornien, der Karibik und in der Humboldtregion aus, aber nur 10 Prozent im Baltikum.
  • Weichtiere machen in Australien und Japan 26 Prozent der Arten aus, aber nur 5 bis 7 im Baltikum, Kalifornien, Antarktis sowie Ost- und Westkanada.
  • Fisch stellt 28 Prozent der Arten im tropischen Westatlantik und im Südosten der USA, aber nur 3 bis 6 Prozent in der Arktis, Antarktis, dem Baltikum und dem Mittelmeer.
  • Zu den weniger artenreichen Gruppen gehören die Annelida mit 28 Prozent der Arten im tropischen Ostpazifik, aber mit nur 3 Prozent in Japan.

Einzigartige, einheimische und eingewanderte Arten
  • Die vergleichsweise isolierten Regionen Australiens, Neuseelands, der Antarkis und Südafrikas haben die meisten endemischen - einheimischen - Arten. Die mehrtausendjährigen, kalten Eizeiten haben ihnen scheinbar weniger ausgemacht - oder sie haben einfach die Regionen nach dem Abschmelzen der Gletscher schneller wieder besiedelt.
  • Endemische Arten machen mehr als die Hälfte des Bestands um Neuseeland und die Antarktis aus sowie ein Viertel in Australien und Südafrika. Die Gewässer der Karibik, Chinas, Japans und des Mittelmehrs haben weniger als 2000 heimische Arten - und das Baltikum sogar nur eine, ein Seegras (Fucus radicans).
  • Eingewanderten Arten begegnet man vor allem im Mittelmeer: Mehr als 600 finden sich dort und damit vier Prozent der untersuchten Spezies. Die meisten sind über den Suezkanal aus dem Roten Meer eingewandert.
  • Zahlreiche Neozoen und Neophyten - vor allem Weich- sowie Krebstiere und Fische - findet man auch im europäischen Atlantik, Neuseeland, dem australischen Pazifik und den Gewässern des Baltikums.

Mediathek
VideoDer Evolution auf der Spur
Prof. Pedro Martínez-Arbizu vom Forschungsinstitut Senckenberg gleicht die Daten, die er und sein Team auf Forschungsreisen gesammelt haben, mit dem Museumsbestand ab: Er will wissen, ob sich die Arten seit der Fahrt der "Valdivia" 1898 verändert haben.
Info
VideoTief im Süden
"In der antarktischen See gibt es viele Arten, weil die Landmasse einst mit Neuseeland verbunden war", so Meeresbiologe Prof. Mark Costello. "Das südliche Polarmeer ist ein wirklich hartes Studienfeld", schildert Meeresbiololge Andrew Stewart das Arbeiten für den Census.
Mediathek
© photograph by I MacDonald, Felder, D. L. and Camp, D. K. (eds.) 2009. Gulf of Mexico?Origins, Waters, and Biota. Vol. 1. Biodiversity. Texas A&M Press, College Station, TexasVideoArtenvielfalt musikalisch
Die Census-Wissenchaftler haben die Bilder aus der Tiefsee auch musikalisch umgesetzt.
Mediathek
Projekt-Trailer
Seit zehn Jahren läuft die bisher größte wissenschaftliche "Volkszählung" in den Meeren. Sie stellt sich in einem Video vor.
Karte
© Census of Marine Life Mapping & VIsualization Team, Marine Geospatial Ecology Lab, Duke UniversityLupeDie Regionen des Census
Antarktis, europäischer Atlantik, Australien, Baltische See, Brasilien, Kanada (Ost, West, arktisch), Karibische See, Chinesisches Meer, Indik, Japan, Mittelmeer, Neuseeland, Südafrika, Südamerika (tropischer Ost- und Westpazifik), Südkorea, Humboldtstrom, Schelf von Patagonien und USA (Nordost, Südost, Hawaii, Golf von Mexiko sowie Kalifornien). In Zukunft wollen die Forscher die hochdiversen Regionen um Indonesien, Madagaskar und der Arabischen See näher erkunden.
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