Kunde Video
Der Verbraucher kann viel erfahren - wenn er das EU-Biosiegel zu lesen weiß
Lob und Kritik
EU-Biosiegel mit Kontrollen und Codeangaben
"Wir haben für das EU-Biosiegel ein sehr fortschrittliches Gesetzeswerk", sagt Alexander Gerber vom Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft.
Anteil der Öko- an der Gesamtfläche
Deutschland 5,4 %
Österreich 11,7 %
Schweiz 10,7 %
Kritik gibt es aber an dem Fakt, dass 0,9 Prozent Beimengung gentechnisch veränderten Materials zulässig sind - sofern diese zufällig aus der Umwelt - beispielsweise durch Pollenflug - in die Nahrungsmittel gelangt sind. Der gleiche Grenzwert gilt im Nicht-EU-Land Schweiz. Die Ökokontrollstelle und die Herkunft des Produkts sind in einem Code verschlüsselt. "Diese Angabe halten wir für wenig aussagekräftig, denn sie heißt entweder, dass es aus der EU kommt oder dass es nicht aus der EU kommt oder beides", so Gerber. "Was fängt der Verbraucher mit dieser Angabe an? Relativ wenig." Das Biosiegel sagt zudem nicht aus, dass das Lebensmittel auch ökologisch - beispielsweise kohlendioxidarm - produziert worden ist.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht Mängel. "Auch das verpflichtende europäische Bio-Siegel wird gravierende Kennzeichnungsprobleme für Bio-Kunden nicht beseitigen", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. "Mit dem Bio-Siegel verkauft werden etwa Limonaden, bei denen kein Stück Frucht drin ist, sondern der Geschmack mit Aromastoffen aus Papierabfällen und Schimmelpilzen erzeugt wird, überzuckerte Frühstücksprodukte für Kinder, bei denen kein Verbraucher erkennen kann, woher die einzelnen Zutaten kommen oder wie viel Zucker tatsächlich drin ist."

Seit dem 1. Juli 2010 ist auf Öko-Lebensmitteln das neue Bio-Siegel der EU zu sehen. Das Siegel - ein Blatt mit zwölf weißen Sternen auf hellgrünem Hintergrund - zeigt, wenn Lebensmittel die Vorgaben für ökologische Herstellung erfüllen. Genau das gibt auch das deutsche Bio-Siegel mit sechs Ecken an, das es weiter geben wird. Das EU-Zeichen ist in der Europäischen Union Pflicht für fertig verpackte Bio-Lebensmittel, wenn die Zutaten zu mindestens 95 Prozent aus dem Öko-Anbau kommen.

Einige Signets von Öko-Anbauverbänden haben noch höhere Anforderungen an Tierhaltung und Verarbeitung. Darauf wies der Verband "Die Verbraucherinitiative" hin. Mit dem EU-Siegel steht künftig auch der Name des Landes auf der Verpackung, wenn alle Rohstoffe aus demselben Land stammen. Sonst finden Verbraucher nur den Hinweis auf EU-Landwirtschaft oder Nicht EU-Landwirtschaft. Die Verbraucherzentrale Berlin betonte, dass das Siegel zwar schon seit dem 7. April zulässig sei, aber erst auf sehr wenigen Produkten stehe.

Ihre Meinung war gefragt
© dpaIhre Meinung war gefragt
Bei uns konnten Sie abstimmen: Kaufen Sie Bioprodukte?
Glossar
Biosiegel für die EU
Links