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Demonstranten Video
Delfinarien sind bei Zoobesuchern beliebt, aber Tierschützern ein Dorn im Auge
Delfinschützer ziehen vor Gericht
Die Aktivisten lehnen Delfinarien generell ab
Tierschützer fordern Einblick in die Delfinhaltung im Zoo Duisburg und wollen die entsprechenden Unterlagen einsehen.
Da die Zooleitung die Daten nicht herausgeben will, klagen Tierschützer jetzt dagegen. Die Haltung von Delfinen in Zoos kritisieren sie generell als nicht artgerecht.

Außerdem seien Europas Delfinarien nicht mit der EU-Gesetzgebung vereinbar, schreibt die Wal- und Delfinschutzorganisation "Whale and Dolphin Conservation Society" (WDCS) in einem Bericht. EU-Gesetze sehen bestimmte Ziele bei Artenschutz, Forschung und Bildung der Öffentlichkeit vor. Auch in Deutschland können Zoobesucher die großen Säuger hinter dicken Glasscheiben begutachten – neben Duisburg in Münster und Nürnberg. Münster will die Delfinhaltung allerdings 2012 aufgeben.

Sechs Delfinarien wurden in Deutschland geschlossen. Zuerst stellte 1991 das Phantasialand bei Köln seine Delfinshows ein. Danach schlossen weitere Vergnügungsparks ihre Delfinarien, darunter sind der Europapark Rust, der Hansapark und der "Holidaypark". Zuletzt hat auch der Heidepark Soltau in 2008 seine Anlage aufgegeben. Seitdem gibt es in deutschen Freizeitparks keine gefangenen Delfine mehr. Als einziger Tierpark hat schon 1995 der Zoo Hamburg sein Delfinarium geschlossen.

"Die Delfinarien in der EU kommen den biologischen Bedürfnissen der gefangen gehaltenen Waltiere nicht nach und bieten keine artgerechte Ausgestaltung der Gehege", heißt es in dem Bericht. In Delfin- und Wal-Shows würden die Tiere zu "unnatürlichem Verhalten" gezwungen. Das löse viel Stress aus.

Zwar seien Shows generell zulässig, sie müssten laut EU-Vorgaben aber sinnvolle Informationen bieten. "Clowneske Vorführungen" seien nicht vorgesehen. Die Bemühungen der meisten Zoos, Besucher zum Beispiel über die Herkunft der Tiere zu informieren, seien "dürftig". Wirtschaftliche Interessen seien meist vorrangig: "Delfinarien sind primär kommerzielle Unternehmen", kritisieren die Tierschützer. Das zahlende Publikum wolle vor allem schöne "Souvenirfotos".

Tierschützer: Delfinarien leisten keinen Artenschutz
Auch beim Artenschutz spielten Delfinarien keine Rolle: Ihr Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt sei "unbedeutend oder inexistent". Delfine in Gefangenschaft hätten nicht nur eine kürzere Lebenserwartung, auch Erfolge bei der Fortpflanzung seien selten. Ihr Bestand könne sich in Gefangenschaft nicht von alleine erhalten.

Die Tierschützer schlagen Alarm: Bleibe die Zahl der Delfinarien gleich oder steige sie gar, müssten Delfine aus freier Wildbahn gefangen und in die Zoos gebracht werden. Delfine und Wale unterliegen aber strengen Schutzvorgaben. Allein zu kommerziellen Zwecken dürfen sie in EU-Gewässern generell nicht gefangen werden. Die meisten Tiere in deutschen Delfinarien kämen vom Golf von Mexiko.

Der Bericht warnt vor direktem Kontakt zwischen Mensch und Tier - und verweist auf den Tod zweier Orca-Trainer seit Dezember 2009. Ein Kontakt berge ein "erhebliches Risiko von Krankheiten oder Verletzungen".

"Dieser Bericht ist eine kritische Lektüre für die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten und die Delfinarien", heißt es. Die EU-Kommission reagierte prompt: "Wir nehmen den Bericht zur Kenntnis und haben bereits eine konstruktive Diskussion mit den Autoren gehabt", sagte ein Kommissionssprecher. Lizenzen für Delfinarien werden aber von den EU-Staaten herausgegeben. Daher verwies er mit Blick auf die Konsequenzen aus dem Bericht auf die Länder selbst. "Wir erwarten von den Autoren, dass sie mit den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten."

Für den Bericht hat die WDCS zusammen mit einer Koalition aus über 25 europäischen Tierschutzorganisationen monatelang recherchiert. Videos von Shows in mindestens 18 Delfinarien wurden ausgewertet, ebenso das Informationsmaterial der Einrichtungen und wissenschaftliche Literatur. Außerdem ließen die Tierschützer ein Rechtsgutachten erstellen.

Tierschützer kritisieren Jagd auf wildlebende Delfine
Video
Delfinen in freier Wildbahn droht ständig die Gefahr, gefangen zu werden
"Delfine in freier Wildbahn zu fangen ist eine riesige Industrie", meint Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation "Pro Wildlife". Recht oft finde man in Delfinarien und Aquarien Wildfänge, schildert auch Nicolas Entrup von der WDCS. Sie stammten aus dem Schwarzen Meer und aus Japan. "Es sind auch deutsche Touristen, die die Treibjagd so mit finanzieren." Alther: "Für einen antrainierten Delfin zahlen Delfinarien mehr als 100.000 Euro. Je nachdem, was ein Tier kann, gehen die Gelder noch einmal massiv nach oben."

Es gehe auch anders, sagt Sophie Donio vom Delfinriff Eilat am Roten Meer. Ein Netz trennt die Bucht vom offenen Meer und lässt Raum für Korallen und Fische. Vor der spanischen Kanareninsel Gomera werden die Touristen zu den Tieren gefahren. "Im Unterschied zu Delfinarien, in denen man oft nur den Großen Tümmler sieht, findet man hier viele verschiedene Arten wie den indischen Grindwal, den atlantischen Flecken- und den Rauzahndelfin."

Proteste
Nürnbergs umstrittene Delfin-Lagune eröffnet
Unter Protest von Tierschützern ist im Juli 2011 im Nürnberger Tiergarten die umstrittene neue Delfin-Lagune eröffnet worden.
Glossar
Delfinarien
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Glossar
Delfine - kleine Wale
Delfine, die biologisch zur Familie der Delphinidae gehören, verdanken ihren Ruf als Menschenfreunde kindlich wirkenden Gesichtszügen.
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Haltung der Delfine im Zoo Duisburg
Tierhaltung
Kontrollgang im Zoo
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