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Peter Rosenkranz Video
Peter Rosenkranz bringt die Milbenmännchen mit Ölsäure "zum Ausflippen"
Der Bienen-Parasit
Mit vielen Mitteln gegen die Varroa-Milbe
Wissenschaftler der Universität Hohenheim bekämpfen die Varroa-Milbe mit deren eigenen Mitteln: mit Ölsäure wird das Paarungsverhalten der männlichen Milben gestört.
Ölsäure ist eine Komponente des Varroa-Sexualpheromons. Die Experten Peter Rosenkranz und Bettina Ziegelmann von der Landesanstalt für Bienenkunde bringen sie in die Bienenbrutzellen ein. Hier verwirrt dieser Duftstoff die frisch geschlüpften, paarungsbereiten Milben-Männchen. Die Varroa-Weibchen werden nicht mehr alle begattet und produzieren weniger weibliche Nachkommen. Das reduziert in der Folge den Anstieg der Varroa-Population im Bienenvolk deutlich.

Im Gegensatz zu den bisherigen Bekämpfungsmaßnahmen, die zumeist erst nach dem Ende der Bienensaison im August eingesetzt werden, verhindert diese Behandlung bereits die Entstehung eines Varroa-Befalls. Der Vorteil: die ab August geschlüpften Bienen werden so besser vor Varroa-Schäden geschützt. Diese langlebigen "Winterbienen" müssen im Gegensatz zu den "Sommerbienen", die nur wenige Wochen leben, über die gesamten Wintermonate ihre Arbeit für das Volk verrichten. Eine Schädigung der "Winterbienen" durch hohen Varroabefall führt zu erhöhten Verlusten an Bienen im Winter und im schlimmsten Fall zum Tod des gesamten Volkes. So haben im Winter 2014/2015 mehr als zwanzig Prozent der Bienenvölker in Deutschland die kalte Jahreszeit nicht überlebt.

Die beiden Wissenschaftler arbeiten an einer Vereinfachung der Applikationsmethode. Dabei wird unter anderem der Duftstoff direkt ins Bienenwachs eingeschmolzen. So ließe sich der Einsatz dieser vielversprechenden Behandlungsmethode unter imkerlichen Praxisbedingungen erleichtern.

Ein Skorpion gegen das Bienensterben
Der Hamburger Biologielehrer Torben Schiffer hat den Bücherskorpion wiederentdeckt: Dieser frisst die Varroa-Milbe, die Bienen zusetzt. Bis zu neun Milben tötet Chelifer cancroides so. Torben Schiffer hat einen Verein gegründet, um weltweit Erfahrungen mit dem fünf Millimeter großen Pseudoskorpion zu sammeln.

Ameisensäure hilft zu 80 Prozent gegen die Milbe
Milbe auf Bienenlarven Video
Für Bienenlarven bedeutet eine winzige braune Milbe den sicheren Tod
85-prozentige Ameisensäure bekämpft die für Bienen tödliche Varroa-Milbe, ohne dass sie den Bienen gefährlich wird. "Damit erreichen wir einen Behandlungserfolg von mehr als 80 Prozent", sagt Dr. Stefan Berg vom Fachzentrum Bienen in Veitshöchheim. "Das ist durchaus eine Größenordnung, bei der die Völker auch wirklich eine Chance haben, damit überleben zu können."

Forscher in Berlin experimentieren mit Oxalsäure
Lupe
Eine Säure soll Bienen vor der Milbe schützen
Bienenforscher an der Freien Universität Berlin experimentieren hingegen mit Oxalsäure. "Das ist die Substanz, die uns zukünftig helfen wird, die Bienenvölker mit ihrem hohen Nutzen für die Allgemeinheit zu erhalten", sagt die Biologin Eva Rademacher. Forscher um Prof. Robin Moritz von der Uni Halle-Wittenberg haben auf Gotland Bienen entdeckt, die gegen den Befall durch die tödliche Varroa-Milbe resistent sind. Die Forscher vermuten 95 Prozent der Resistenz auf drei Genen. "Wenn wir die Gene haben, haben wir ein molekularisches, züchterisches Werkzeug, mit dem jeder Imker in seinem Bienenvolk nachschauen kann, ob diese Resistenzgene enthalten sind."

Die Zahl der Bienenvölker in Deutschland geht seit Jahren stark zurück. Während es 1989 allein in Brandenburg noch gut 140.000 registrierte Bienenvölker gab, waren es 2003 nur noch gut 15.000. Der Rückgang hat viele Gründe: Auch andere Krankheiten und ein Mangel an Imkern sind dafür verantwortlich. Ein Ausfall der Biene als Honigproduzentin und vor allem als Bestäuberin von Nutz- und Wildpflanzen hätte ernste Konsequenzen für das ökologische Gleichgewicht.

Elektrostatische Anziehung gegen Varroa-Milbe
Mit kleinen Partikeln und elektrostatischer Anziehung wollen britische Wissenschaftler nicht nur der Varroa-Milbe Herr werden, sondern auch anderer Insekten. "Wenn die äußere Hülle eines Insekts positiv aufgeladen ist und sich in der Nähe etwas negativ Geladenes befindet, dann ziehen sich die beiden an", erklärt der Insektenforscher Prof. Philip Howse von der Universität Southampton. Ein negativ geladenes Puder aus feinsten Wachspartikeln verklebt den gesamten Insektenkörper. Es besteht aus Pflanzenwachs und einem natürlichen Pflanzenöl.

Die Honigbienen tragen das Pulver mit dem Wirkstoff in den gesamten Bau und verteilen ihn dort. Die Bienen säubern sich schnell - an den Milben bleibt das Pulver kleben. "Wir führen in den Bau ein natürliches Produkt ein, das auch oft als Geschmacksverstärker benutzt wird. Für Menschen oder Bienen ist es völlig ungiftig. Doch für die Varroa-Milben ist es hochtoxisch."

Mediathek
Video Ein Skorpion gegen das Bienensterben
Der Hamburger Biologielehrer Torben Schiffer hat den Bücherskorpion wiederentdeckt: Dieser frisst die Varroa-Milbe, die Bienen zusetzt. (Beitrag vom 2. März 2014)
Bienensterben
Ein kalter Frühling hilft den Bienen
Wenn Bienen im Frühjahr erst spät anfangen, Nektar und Pollen zu sammeln, sind sie besser vor den Varroa-Milben geschützt.
Glossar
Varroa destructor
Die Milbe Varroa destructor ist an das Leben im Bienenvolk sehr gut angepasst. Sie befällt Arbeiterinnen und Drohnen sowie deren Brut.
Literatur
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