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Eröffnungsfeier vor der Versuchskläranlage © Emschergenossenschaft Video
Die Einweihung der Kläranlage hat ein gewisses Medieninteresse geweckt
Mit Ozon gegen Arzneien
Versuchskläranlage holt Medikamente aus Wasser
Eine Versuchskläranlage am Gelsenkirchener Marienhospital fischt Arzneimittelrückstände mit Ozon, Aktivkohle und Membranen aus dem Wasser.
Die "Pharmaceutical Input and Elimination from Local Sources"(Pills)-Kläranlage reinigt das Wasser zunächst wie andere auch mit einer mechanischen und einer biologischen Stufe. Membranen säubern das Wasser, in dem anschließend hochreaktives Ozon weitere Schadstoffe abbaut. Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel, das bestehende Spurenstoffe gezielt "aufbricht". Anschließend wird das Wasser durch Aktivkohle gefiltert.

"Keines dieser vier Verfahren kann alleine die Spurenstoffe voll erfassen", sagt Wasseringenieur Dr. Issa Nafo von der Emschergenossenschaft. "Wir wollen herausfinden, welche Kombination dieser vier Verfahren am besten geeignet ist, die Medikamentenrückstände, aber auch Antibiotika-Resistenzen aus dem Krankenhausabwasser zu eliminieren."

Die 200 Kubikmeter Abwässer, die pro Tag im Marienhospital mit seinen 560 Planbetten, 75.000 Patienten pro Jahr und 1200 Mitarbeitern anfallen, werden aktuell in die städtische Kanalisation eingeleitet. Diese mündet in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses in den Schwarzbach, der noch als offener Schmutzwasserlauf betrieben wird. Im Zuge des Umbaus des Emscher-Systems wird auch dieser Bach renaturiert und als dann abwasserfreies Gewässer ökologisch verbessert.

Ozon gegen Arzneimittel in Bad Sassendorf getestet
Pillen © dpa Video
Hier kann nur Ozon helfen
Erste Erfahrungen mit Ozon hat die Emschergenossenschaft bereits im Wasserwerk Bad Sassendorf gesammelt. "Bei der Ozonierung können neue Substanzen entstehen, deren Giftigkeit oder Gefährlichkeit wir noch nicht abschätzen können", sagt Prof. Johannes Pinnekamp vom Institut für Siedlungswasserbau in Aachen. "Bei der Anwendung von Aktivkohle ist das Problem, dass ein Reststoff entsteht, die beladene Aktivkohle, die wahrscheinlich in Verbrennungsanlagen entsorgt werden muss. Und bei der Membrantechnik verbleibt ein Konzentrat, dessen Entsorgung auch teuer und aufwändig ist."

Aachener reinigen Abwasser im Versuch auf
Aachener Forscher um Prof. Johannes Pinnekamp versuchen in einem Pilotprojekt, das Klinikabwasser mit Membranbioreaktoren vorzureinigen. Das gebildete Filtrat ohne Feststoffe werde dann effizient weitergereinigt, erklärt Projektleiter Silvio Beier. "Wir haben eine Elimination von 30 bis 99 Prozent, je nach pharmazeutischem Stoff." Im Test ist auch die Umkehrosmose: "Sie wirkt am besten", schildert Pinnekamp, "hat aber den Nachteil, dass die Stoffe nicht zerstört, sondern aufkonzentriert werden. Dieses Konzentrat muss teuer entsorgt werden."

Kläranlagen
Multiresistente Keime und Arzneien im Wasser
Multiresistente Keime gelangen mit dem Abwasser in die Natur, hat der Mainzer Mediziner Wolfgang Kohnen festgestellt.
Gast
VideoZum Thema sprachen wir am 22. März 2010 mit dem Freiburger Umweltchemiker Klaus Kümmerer.
Glossar
Die Emscher
Jahrhundertelang diente die Emscher, einst ein Fluss im Norden des Ruhrgebiets, 2,4 Millionen Menschen als Abwasserkanal.