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Kartoffelgroße, schwarze Klumpen auf dem Meeresboden - das schmutzige Gold der Zukunft?
Schädliche Schatzsuche
Experten warnen vor Umwelt- und Sozialrisiken bei Tiefseebergbau
Metalle aus der Tiefe der Meere wie Mangan, Kupfer oder Kobalt - für die Industrie sind das interessante Rohstoffe. Aber Tiefseebergbau ist teuer und schädigt das Ökosystem.
Karte Schon einige Länder haben Lizenzen für die Erkundung der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Mexiko und Hawaii.
Schon einige Länder haben Lizenzen für die Erkundung der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Mexiko und Hawaii.
"Die wirtschaftliche Nutzung mariner mineralischer Rohstoffe rückt angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise und globaler Verknappungsszenarien bei bestimmten Rohstoffen immer mehr in den Fokus und könnte mittelfristig eine größere Bedeutung erlangen", heißt es im "Nationalen Masterplan Maritime Technologien" des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums. Für ein Land wie Deutschland geht es darum, sich von Importen unabhängig zu machen. Und auch Unternehmen zeigen Interesse an den mineralischen Schätzen der Ozeane. Weltweit gibt es bisher noch keinen kommerziellen Tiefseebergbau von Metallen. Allerdings stehen schon einige Staaten wie Deutschland und private Firmen in den Startlöchern und machen Erkundungsbohrungen.

Manganknollen sind die Schätze der Tiefsee - sie wachsen sehr langsam
In verschiedenen Regionen des Pazifischen und Indischen Ozeans lagern Manganknollen. Das sind über Jahrmillionen gewachsene Klumpen, die zu einem hohen Anteil aus Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt bestehen - wertvolle Metalle für die Industrie. So werden Manganverbindungen in der Stahlindustrie verwendet, Kupfer für Handys und Windkrafträder, Kobalt für Handys und Computer. Die Lagerstätten dieser teils seltenen Metalle befinden sich in einer Tiefe von 4000 bis 6000 Metern. Die Metallverbindungen lagern sich über einen langen Zeitraum ab: In einer Million Jahren nimmt die Dicke einer Knolle um wenige Millimeter zu.

Der Abbau könnte sich massiv auf die Umwelt auswirken
Laut Klaus Schilder, Referent für Entwicklungspolitik beim katholischen Hilfswerk Misereor, sei bei einem Abbau der Manganknollen mit schweren Schweden des Ökosystems sowie sozialen Folgen zu rechnen:

  • Langfristige Zerstörung des Meeresgrundes , und damit der bodenbewohnenden und bodennahen Fauna mit ihrer einzigartigen und noch weitgehend unerforschten Artenvielfalt an Korallen, Schwämmen, Fisch- und weiteren Tierarten
  • Entstehung riesiger Sedimentwolken, die, durch die Strömung bewegt, auch weit entfernte Regionen im Umkreis von Hunderten von Kilometern schädigen können
  • Der Einsatz riesiger ferngesteuerter Maschinen am Meeresboden, die durchaus 250 bis 310 Tonnen schwer sein können, verursacht Lärm, Licht und Vibrationen, die insbesondere Großsäuger wie Wale und Delphine nachhaltig schädigen können.
  • Die Bewohner auf den mehr als 2000 bewohnten Inseln des Pazifiks könnten insbesondere durch den Verlust der Fischgründe als Lebensgrunde beeinträchtigt werden

Deutsche Forscher haben daher den internationalen Tiefseebergbaukodex UN-Meeresboden-Behörde mitentwickelt: Jeder, der ein Gebiet kauft, muss ein zweites zum Ausgleich bezahlen, das unberührt bleibt. So soll der Meeresboden eine Chance bekommen, sich schneller zu erholen. Die Verbindlichkeit des Kodex ist allerdings unklar - denn die Länder gehen unterschiedlich mit dem Seerecht um.

Archiv
VideoMeeresbergbau: Nicht nur Forscher, vor allem die Industrie interessiert sich für die Tiefsee. (Beitrag vom 20. Februar 2014)
Literatur
Künftig könnten "Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden", heißt es im Bericht "World Ocean Review III". Darin haben Forscher des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" und internationale Experten Fakten zu Öl- und Gasvorkommen sowie mineralischen Ressourcen zusammengetragen.