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Labor Video
Nicht nur Forscher, vor allem die Industrie interessiert sich für die Tiefsee
Erze aus der Tiefsee
Experten warnen vor Umweltrisiken bei Abbau
Künftig könnten "Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden", heißt es im Bericht "World Ocean Review III".
Darin haben Forscher des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" und internationale Experten Fakten zu Öl- und Gasvorkommen sowie mineralischen Ressourcen zusammengetragen. "Rohstoffe im Meer haben großes Potenzial", sagte der Sprecher von "Ozean der Zukunft", Prof. Martin Visbeck. "Aber man kann wohl sagen, trotz der steigenden Metallpreise ist derzeit noch niemand bereit, sehr viel Geld für den Tiefseebergbau in die Hand zu nehmen."

"Die wirtschaftliche Nutzung mariner mineralischer Rohstoffe rückt angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise und globaler Verknappungsszenarien bei bestimmten Rohstoffen immer mehr in den Fokus und könnte mittelfristig eine größere Bedeutung erlangen", heißt es im "Nationalen Masterplan Maritime Technologien" des Bundeswirtschaftsministeriums. Und auch Unternehmen zeigen Interesse an den mineralischen Schätzen der Ozeane. "Natürlich gucken sich Firmen da nach neuen Lagerstätten um", sagte Visbeck.

Weltweit gibt es bisher noch keinen kommerziellen Tiefseebergbau von Metallen. Allerdings stehen schon einige Staaten wie Deutschland und private Firmen in den Startlöchern und machen Erkundungsbohrungen oder haben Lizenzen dafür beantragt. Es sei sinnvoll, diese Pilotvorhaben wissenschaftlich zu begleiten und Umweltaspekte zu berücksichtigen. "Da sind Industrie und Forschung gemeinsam unterwegs", sagte Visbeck.

Ausschlaggebend für solche investitionsintensiven Vorhaben seien die Rohstoffpreise und Umweltaspekte. Mögliche deutsche Abbaupläne hingen auch vom Ausgang der Erkundungen ab. Bis 2021 hat Deutschland in dem Lizenzgebiet zwischen Hawaii und Mexiko mit der Größe von Niedersachsen und Schleswig-Holstein das exklusive Recht zur Erkundung von Manganvorkommen.

"Ein erheblicher Eingriff in den Lebensraum Meer"
Ein Abbau sei immer mit Risiken und Umweltbelastungen verbunden, darüber müsse diskutiert werden, betonte der Kieler Ozeanograph. So sind sich Wissenschaftler dem Bericht zufolge darin einig, "dass der Abbau von Manganknollen einen erheblichen Eingriff in den Lebensraum Meer darstellt". Der Lärm und die Vibrationen, die bei Abbau, Herauspumpen und Reinigen der Knollen entstehen, könnten Delfine und Wale stören. Und im durchpflügten Bereich würden alle Tiere sterben, die nicht schnell genug fliehen könnten, etwa Würmer, Schnecken und Seegurken.

Auf der anderen Seite vermeide Meeresbergbau Landnutzungskonflikte, heißt es in dem Bericht. Und Staaten, die über keine eigenen Rohstoffreserven verfügen, könnten etwas mehr Unabhängigkeit von den Exportnationen erlangen.

Eine Empfehlung oder einen Ratschlag für oder gegen den Tiefseebergbau gibt der Bericht nicht. "Wir wollten Hintergründe und Fakten bündeln und auf den Tisch legen", sagte Visbeck. Auf dieser Grundlage könnten alle Beteiligten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sachlich diskutieren, ob und in welcher Form der Tiefseebergbau gewünscht sei.

Forscher untersuchen Folgen des Manganabbaus
Tiefsee Video
Forscher wollen wissen, ob sich Abbau unter Wasser lohnt und ob er schadet
"Stellen Sie sich vor, dass man den Meeresboden auf mehreren Tausend Quadratkilometern umgräbt", fürchtet Meeresbiologe Dr. Lenaick Menot. Er wisse nicht, woher die Tiefseearten kommen sollen, um diese Fläche zu besiedeln. Deutsche Forscher haben den internationalen Tiefseebergbaukodex mitentwickelt: Jeder, der ein Gebiet kauft, muss ein zweites zum Ausgleich bezahlen, das unberührt bleibt. So soll der Meeresboden eine Chance bekommen, sich schneller zu erholen.

Seltene Erden
Ein Schatz auf dem Meeresgrund
Wissenschaftler haben auf dem Grund des Pazifiks große Vorkommen der für zahlreiche Schlüsseltechnologien wichtigen seltenen Erden entdeckt.
Literatur
Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken
Mediathek
VideoMangan vom Meeresgrund gesucht
Deutsche Forscher schürfen in der Tiefsee