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Immer öfter Blaualgen: Experten sehen das auch als eine Folge der Erderwärmung.
Immer öfter Blaualgen: Experten sehen das auch als eine Folge der Erderwärmung.
Kein Badespaß
Klimawandel fördert Verbreitung von giftigen Blaualgen
Die Europäische Umweltagentur EEA hat den allermeisten Badestellen in Deutschland für 2018 eine gute Wasserqualität bescheinigt. Das war im Mai.
Inzwischen sind hierzulande die ersten Badeverbote für Badeseen ausgesprochen worden. Wegen starker Blaualgen-Vermehrung. So etwa in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Blaualgen sind Bakterien und vermehren sich bei Sommerhitze und hohen Wassertemperaturen massenhaft. Das Wasser riecht dann unangenehm nach Ammoniak - also so ähnlich wie faule Eier oder Gülle. Bei starker Belastung raten die Gesundheitsbehörden vom Baden in dem trüben Wasser ab. Es kann zu allergischen Haut- und Schleimhautreizungen kommen. Beim Verschlucken von Wasser kann Durchfall auftreten.

Blaualgen befinden sich beinahe überall im Wasser. Wenn sie bei Wärme blühen, entwickeln sie Giftstoffe. Im Zuge des Klimawandels wird das zu einem wachsenden Problem. Belastete Badegewässer sind das eine Problem, schlimmer noch aber sind Trinkwasserreservoirs mit giftigen Blaualgen, wie aktuell aus dem US-Bundesstaat Oregon berichtet wird.

Es besteht noch viel Forschungsbedarf
Bei der Blaualgenblüte entsteht ein Cocktail an Giftstoffen, deren Auswirkungen auf den Menschen bislang nur teilweise erforscht sind.Hohe Dosen des Gifts können beim Menschen die Leber und das Nervensystem schädigen. Mittlerweile schließen die meisten Behörden deswegen Badegewässer, wenn es zur Blaualgenblüte kommt. Weniger bekannt ist jedoch, was passiert, wenn Menschen niedrigeren Dosen ausgesetzt sind, besonders über längere Zeit. Zum Beispiel über das Trinkwasser.

Kleinere Studien ziehen eine Verbindung zu Leberkrebs, ein Toxin gilt als krebsfördernd, andere Giftstoffe werden in Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen gebracht, die Nervenzellen im menschlichen Gehirn betreffen. Für fundierte Belege benötige man jedoch größere Studien, sagt Wayne Carmichael, emeritierter Professor von der Wright State University in Ohio, dessen Spezialgebiet Mikroorganismen sind. Er unterstützt die Weltgesundheitsorganisation bei der Entwicklung von Sicherheitsstandards im Zusammenhang mit den Giftstoffen.

Steven Chapra, Professor für Umwelttechnik an der Tufts University in Boston, sagt: "Es ist meiner Meinung nach absolut sicher, dass die steigenden Temperaturen zu mehr von diesen Algenblüten führen werden." Chapra führte ein Team mit Wissenschaftlern vom Massachusetts Institute of Technology und der US-Umweltbehörde EPA, das im Jahr 2017 eine der umfassendsten Studien zum Zusammenhang von Erderwärmung und Algenblüte veröffentlichte. Weil die Algen warmes Wasser bevorzugen, helfen ihnen höhere Temperaturen im Sommer und häufigere Hitzewellen. Hinzu kommt, dass der mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebrachte häufigere Starkregen mehr stickstoff- und phosphorhaltigen Dünger in die Gewässer spült, ein guter Nährboden für die Algen.

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