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Bisher hat der Binnenschiffsverkehr in der Diskussion um bessere Luft kaum eine Rolle gespielt.
Dreckschleudern auf dem Wasser
Städte entlang der Rheinschiene durch Schiffsemissionen hoch belastet
Es gibt viele Ideen, um die Luft in den Kommunen zu verbessern. Was aber, wenn die Stadt an einer Wasserstraße liegt?
Ist die Idylle von sauberer Luft weit weg von Autobahnkreuzen und von Diesel überlasteten Innenstädten ein Trugschluss? Ja, sagt Michael Schreckenberg, Verkehrsforscher an der Universität Duisburg:


Denn hier ist das Autobahndreieck der Rhein. Die Dreckschleudern sind auf dem Wasser. Und während alle an Lösungen der Städte mit ihrem Autoverkehr arbeiten, hat man das Problem der Luft bei Kleinstädten entlang des Rheins kaum wahrgenommen.

Flüssigerdgas gilt als Schiffstreibstoff der Zukunft
Die Schifffahrts-Branche ist schon länger im Zugzwang. Auch sie muss sich mit der Optimierung von Umwelt- und Klimaschutz sowie Energieeffizienz auseinandersetzen. Wegen verschärfter Umweltvorschriften dürfen Schiffe von 2020 an nur noch mit schwefelarmem Treibstoff auf den Weltmeeren fahren. Für Nord- und Ostsee gilt bereits jetzt ein noch strengerer Grenzwert von höchstens 0,1 Prozent Schwefel. Damit ist ein Ende des heute noch üblichen Schwerölbetriebs absehbar.

Großes Potenzial sieht die Branche in alternativen Treibstoffen, um die immer strengeren Umweltvorschriften einzuhalten. Als derzeit schadstoffärmster fossiler Brennstoff für die Schifffahrt gilt "Liquefied Natural Gas" (LNG). Das Erdgas wird auf minus 162 Grad Celsius gekühlt und damit verflüssigt. Dadurch kann es in großen Mengen auf Tankern transportiert werden. Mit Flüssigerdgas werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert und auch im Vergleich zu herkömmlichem Marinediesel noch einmal erheblich gesenkt. Allerdings sind die Investitionskosten für ein Schiff mit einem zusätzlichen LNG-Motor um 20 bis 30 Prozent höher als für einen herkömmlichen Schiffsantrieb. Für die neue Technologie setzt sich eine Initiative von Industrie, Reedereien und Häfen, die "Maritime LNG Plattform", ein.

Fragen & Antworten zu "Liquefied Natural Gas" (LNG)

Wie funktioniert LNG?

Das verflüssigte Erdgas wird auf eine Temperatur von minus 162 Grad Celsius herunter gekühlt. In dieser Form ist es nicht brennbar oder explosiv. Als Gas ist es weitaus geringer brennbar als Benzin. Der Ausstoß von CO2 ist bis zu 25 Prozent und der von Stickoxiden um 80 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Brennstoffen wie Schweröl oder Diesel. LNG verbrennt zudem schwefel- und rußfrei.

Wie sieht es aus mit deutschen LNG-Schiffen und der Infrastruktur?

Für die Schifffahrt sind spezielle Betankungsanlagen nötig. Die gibt es in Deutschland bislang nicht. Bis jetzt sind nur eine umgebaute Borkum-Fähre in Emden und eine neue Helgoland-Fähre mit LNG-Antrieb unterwegs. Beide Schiffe werden regelmäßig mit einem speziellen Tanklastwagen aus den Niederlanden betankt. Der Bau einer Tank-Infrastruktur ist aber derzeit nicht absehbar.

Wie haben sich die Schiffe bisher bewährt?

"Die Kinderkrankheiten sind abgearbeitet", sagt Claus Hirsch von der Reederei AG Ems zu einer ersten Bilanz. Neben den üblichen Störungen bei Um- oder Neubauten lief es bisher rund beim LNG-Betrieb.

Sind weitere Schiffe geplant?

Vom Jahr 2020 an sollen weltweit bereits 1000 Schiffe den umweltfreundlichen Treibstoff nutzen, schätzt Schifffahrtsexperte Achim Wehrmann vom Bundesverkehrsministerium. Derzeit sind bereits 80 LNG-Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs, unter anderen fünf Binnenschiffe in den Niederlanden. Eine Reederei in Haren an der Ems plant die Umrüstung eines Containerschiffes. Der Bund hat für 114 Millionen Euro das Behördenschiff "Atair" in Auftrag gegeben. Auch die Meyer Werft baut an ihren Standorten in Papenburg und im finnischen Turku insgesamt sechs Kreuzfahrtschiffe mit LNG-Technlogie.

Welche Aspekte sehen Kritiker?

Der Umweltverband Nabu erinnert an umstrittene Fördermethoden bei Erdgas wie Fracking. Auch kann beim Betanken klimaschädliches Gas entweichen und die Treibhausgasbilanz von LNG verschlechtern. Kritiker sehen Flüssigerdgas daher nur als einen Übergangsbrennstoff.

Glossar
Stickoxide
Das Gas Stickstoffoxid (NO) ist zugleich schädlich und unentbehrlich für alle mehrzelligen Lebewesen. Im Körper dient es vor allem als Botenstoff.
Richtungsweisendes Urteil
Weg frei für Diesel-Fahrverbote
In vielen Großstädten werden die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten. Heute gab es vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Urteil: Die Städte dürfen Fahrverbote auch ohne bundeseinheitliche Regelungen umsetzen.