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E-Zigaretten brauchen extrem viel Energie, da sie mit Glühwendeln die Duftstoffe erhitzen müssen.
Brandbombe Akku
Stichflammen aus der Hosentasche
Explodierende Akkus bei Handys, E-Zigaretten oder Hoverboards: Oft liegt es an falschem Umgang oder an Billig-Qualität.
Viele Akkus für E-Zigaretten haben Schutzmechanismen, die bei einem Kurzschluss den Stromkreis unterbrechen. Bei Akkus billiger E-Zigaretten fehlen diese Sicherheitseinrichtungen aber häufig. Was sie besonders gefährlich macht: Es ist bei Rauchern üblich, Reserve-Akkus dabei zu haben. Die werden dann meist ungeschützt in der Hosentasche transportiert. Kommt es dort zu einem Kontakt etwa mit einem Schlüsselbund, gibt es schnell einen Kurzschluss. Plötzlich steht die Person in Flammen. Oft sind schwere Verbrennungen, die Hauttransplantationen nötig machen, die Folge.

Rund fünf Milliarden Akkus für unterschiedlichste Geräte wie Handys, E-Bikes oder auch E-Zigaretten wurden nach Zahlen des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) zufolge allein 2015 weltweit verkauft. Eine steigende Zahl elektrischer Geräte enthält wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien - entsprechend häufen sich in Deutschland und weltweit Unglücke im Zusammenhang mit überhitzten Akkus.

"Diese Zahl nimmt in den letzten Jahren exponentiell zu", sagt IFS-Geschäftsführer Hans-Hermann Drews. Das Institut bezieht sich dabei auf Brandschäden, die vom IFS in den vergangenen Jahren für Deutschland ausgewertet wurden. Absolute Zahlen dazu gebe es nicht. "Wir reden über viele Milliarden Geräte weltweit, die mit Akkus betrieben werden", sagt Ralf Diekmann, Sprecher für Produktsicherheit beim TÜV Rheinland.

Geräte überhitzen und explodieren
Im US-Bundesstaat Pennsylvania starben kürzlich zwei drei und zehn Jahre alte Mädchen bei einem Brand. Ein Hoverboard war den Ermittlungen zufolge beim Aufladen des Akkus heiß geworden und hatte das Feuer in dem Haus ausgelöst. Mitte März explodierten die batteriebetriebenen Kopfhörer einer Australierin auf dem Heimflug aus China und gingen in Flammen auf. Fotos zeigten versengte Haare und Rauchspuren am Hals und im Gesicht der Frau. Und der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hatte Millionen Smartphones zurückgerufen, nachdem mehrfach Geräte explodiert waren. Als Ursache wurden Fehler bei Design und Herstellung ausgemacht.

Ein grundsätzliches Problem mit der sehr ausgereiften Technologie von Lithium-Ionen-Batterien gebe es aber nicht, erklärt Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). "Es gibt in diesem Bereich einfach eine gigantische Zunahme und enorme Wachstumsraten." Da sei es kein Wunder, dass auch die Probleme zunähmen. "Wenn man sich als Wissenschaftler sagt, ich habe eine Rate von einem Ausfall pro einer Million, dann kann die wahrgenommene Zahl eine Riesenmenge sein - obwohl es eigentlich nur ein Millionstel ist."

Besser beim Kauf auf Markenqualität achten
Nicht nur wegen der schieren Zahl der Akku-betriebenen Geräte wachse die Gefahr von Zwischenfällen. Hauptgrund für Unglücke seien Fehler bei der Anwendung und falsche Behandlung, erklärt TÜV-Experte Diekmann weiter. "Feuchtigkeit, Überlastung, extreme Temperaturen vertragen Akkus nicht", sagt er. Handys werden auf die Fensterbank in die Sonne gelegt, E-Bikes bei Minustemperaturen vor der Haustür stehengelassen. Im Februar 2018 brannte beispielsweise ein ganzes Fahrradgeschäft in Hannover wegen eines defekten E-Bike-Akkus aus.
"Akkus brauchen eine Art Wohlfühltemperatur zwischen etwa zehn Grad und nicht ganz 30 Grad", sagt Diekmann. Auch würden oft Ladegeräte verwendet, die für das jeweilige Gerät nicht vorgesehen oder zugelassen seien.

Ein weiteres Problem: schlechte Qualität durch Billiganbieter. "Im Massenmarkt tauchen auch Hersteller auf, die bei einem Hype - etwa den Hoverboards - mitmischen wollen, ohne das Know-how zu haben." Diekmanns Rat: nach geprüften Produkten mit deutscher Gebrauchsanweisung und Herstelleradresse schauen. Und: "Möglichst nicht auf dem Wochenmarkt oder online von unbekannten Herstellern kaufen."

Leichtmetall Lithium
Brandgefährliche Akkus
Radio, Fahrrad oder Handy - fast jeder nutzt Geräte mit Lithium-Akkus. Diese Akkus können sich bei Überlastung entzünden. Vor allem bei einer Beschädigung ist Vorsicht geboten.
Glossar
Lithium
Lithium ist ein Leichtmetall. Im reinen Zustand ist es silbergrau, läuft aber schell an. Es ist das leichteste feste Element. In der Natur kommt Lithium im Reinzustand nicht vor.