Einfahrt in Kreisverkehr
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Vorausschauende Entscheidungen sind umso wichtiger je komplexer der Verkehr ist.
Testlabor Straße
Im Stadtverkehr sind die Herausforderungen am größten
Enthusiasten rechnen mit dem schnellen Durchbruch: Schon in wenigen Jahren, prophezeien sie, fahren wir alle überall vollautonom. Doch wie realistisch ist das?
Von seinem Büro im 14. Stock hat Sahin Albayrak eine hervorragende Sicht auf den Berliner Ernst-Reuter-Platz. "Manche Menschen drehen drei Runden, bis sie da wieder rauskommen", sagt der Informatik-Professor über den mehrspurigen Kreisverkehr. Von dort bis zum Brandenburger Tor errichtet Albayrak mit seinen Mitarbeitern die europaweit erste Teststrecke für autonomes Fahren. Die Straße des 17. Juni wird zum Testlabor.

3,7 Kilometer lang streckt sich die größtenteils vom Tiergarten flankierte Allee durch das westliche Stadtzentrum, stets bewacht von der "Goldelse" auf der mittig gelegenen Siegessäule. Bis Mitte 2018 sollen bis zu einer Million Wachen hinzugekommen sein: Sensoren, Computer und Internetgeräte. Sie werden verbaut in Ampeln, Laternenmasten, am Rand der Straße sowie darunter. Sämtliche Verkehrsbewegungen sollen erfasst und kommuniziert werden.

Die Teststrecke wird digital überwacht
Hierfür stehen Albayrak und den Mitarbeitern des von ihm gegründeten DAI-Labors an der Technischen Universität (TU) Berlin seit Frühjahr 2017 bis zum Sommer 2019 insgesamt 3,7 Millionen Euro zur Verfügung. Und das ist nach Albayraks Vorstellung nur die erste Phase: Die Straße des 17. Juni könnte zur dauerhaften Teststrecke unter Realbedingungen für Mobilitätsforscher werden.

"Wir wollen die Verkehrsampeln digitalisieren, den Verkehrsfluss überwachen und die Parkplätze digitalisieren", sagt Albayrak. Vernetzte Autos könnten mit Hilfe dieser Informationen ihren Fahrern Richtgeschwindigkeiten und Parkplätze empfehlen. Hinter großen Lkw fahrende Pkw-Nutzer könnten über rote Ampeln informiert werden, noch bevor diese zu sehen sind. Rechtsabbieger würden vor nahenden Radfahrern gewarnt.

Auch Otto-Normal-Fahrer soll profitieren, indem er alle Informationen via App auf dem Smartphone erhält. Künftige selbstfahrende Autos würden alle Informationen autonom verwerten und zugleich anderen Autos und Systemen ihre eigenen Absichten mitteilen. Albayrak verspricht sich einen geringeren Energievierbrauch und weniger Abgase. Alle Verkehrsteilnehmer sollen sicherer und komfortabler unterwegs sein. Umweltsensoren werden überprüfen, ob Albayraks Projekt namens "Diginet PS" messbare Erfolge für die Berliner Luft erzielt. "Die Straße des 17. Juni eignet sich deshalb so gut, weil die Anforderungen sehr komplex sind", sagt Albayrak. In den zwei mehrspurigen Kreisverkehren kommt es immer wieder zu Blechschäden. Besonders im Sommer sind viele Radfahrer unterwegs. Hinzu kommen Touristen, die meist wenig auf den Verkehr achten.

2018 werden die Testfahrten beginnen. Die Testautos werden großflächig mit dem Namen des Forschungsprojekts beklebt. Albayrak kann dann von seinem Büro aus beobachten, wie sich die Autos der Zukunft im Kreisverkehr bewähren.

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