Abgastestfahrt
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Messungen zeigen: Für die Umwelt bringen die angekündigten Software-Updates kaum etwas.
Von wegen sauberer
Softwareupdates und AdBlue-Nachrüstungen helfen nur bedingt
Schlechtere Leistung, höherer Verbrauch - so mancher Diesel-Fahrer hat sich das mit der teuren Umrüstung für weniger Schadstoffaustoß sicher anders vorgestellt.
Beim Dieselgipfel haben die deutschen Autohersteller Anfang August 2017 Hardware-Lösungen abgewehrt und sich zu Software-Updates für jüngere Dieselmodelle - Euro-5-Diesel - verpflichtet. Mit Verkaufsförderprogrammen sollen zudem besonders alte Dieselwagen mit hohem Schadstoffausstoß von der Straßen geholt werden. Experten kritisieren das. Sie weisen darauf hin, das Software-Updates - die günstigste Möglichkeit für die Hersteller - nicht ausreichen. Dabei wäre es kaum teurer, auf Basis von "AdBlue" einen deutlich saubereren Diesel zu produzieren.

Dr. Reinhard Kolke, ADAC: "Eine Emissionsminderung am Fahrzeug um 25 Prozent wird nicht ausreichen als alleinige Maßnahme, um die Luftqualität in hoch belasteten Straßen zu verbessern." Dr. Reinhard Kolke, ADAC: "Eine Emissionsminderung am Fahrzeug um 25 Prozent wird nicht ausreichen als alleinige Maßnahme, um die Luftqualität in hoch belasteten Straßen zu verbessern."
Dr. Axel Friedrich, Deutsche Umwelthilfe: "Einen sauberen Diesel zu produzieren würde zwischen 70 und 300 Euro mehr kosten. Damit könnte man das Fahrzeug wirklich sauber machen." Dr. Axel Friedrich, Deutsche Umwelthilfe: "Einen sauberen Diesel zu produzieren würde zwischen 70 und 300 Euro mehr kosten. Damit könnte man das Fahrzeug wirklich sauber machen."
Josef Baron, Kfz-Meister: "Es wird versucht, die Autobesitzer für dumm zu verkaufen. [...] Es ist einfach unmöglich das Abgasverhalten zu verbessern ohne die Autos umzurüsten." Josef Baron, Kfz-Meister: "Es wird versucht, die Autobesitzer für dumm zu verkaufen. [...] Es ist einfach unmöglich das Abgasverhalten zu verbessern ohne die Autos umzurüsten."

Ob mit den derzeitigen Vorgaben das eigentliche Ziel - nämlich Fahrverbote in einzelnen deutschen Städten zu verhindern - erreicht werden kann, ist fraglich. Denn nach Messungen des Umweltbundesamtes und des Vereins Deutsche Umwelthilfe (DUH) stoßen auch aktuelle Euro-6-Diesel im realen Betrieb ein Vielfaches der von der EU erlaubten Grenzwerte gesundheitsschädlicher Stickoxide aus. Auch ein neuer Diesel sei derzeit überhaupt kein Garant dafür, von drohenden Fahrverboten nicht betroffen zu sein, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die DUH will nach Aussagen ihres Chefs Jürgen Resch den Klageweg weiter verfolgen, er rechnet mit Fahrverboten etwa in Stuttgart und München bereits im kommenden Jahr. Dann wird auch das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob eine Kommune überhaupt ein Verbot aussprechen darf.

Umweltbundesamt: Dieselprivileg bei Mineralölsteuer abschaffen
Im Kampf für eine bessere Luft will das Umweltbundesamt Diesel-Fahrer beim Tanken stärker zur Kasse bitten. Behördenchefin Maria Krautzberger brachte in der Debatte um die Zukunft der Antriebstechnik erneut eine Abschaffung des Dieselprivilegs bei der Steuer ins Gespräch. Dieses "muss auf den Prüfstand", sagte Krautzberger. "Dieselfahrer zahlen pro Liter Kraftstoff 18,4 Cent weniger als bei Benzin - den Staat kostet diese Subventionierung mittlerweile 7,8 Milliarden Euro pro Jahr, gut dreieinhalb Milliarden davon für die Pkw-Nutzung." Selbst bei Abzug der höheren Kfz-Steuern für Diesel-Autos seien das rund eineinhalb Milliarden Euro vom Staat für die Selbstzünder pro Jahr. "Zum Vergleich: Die Förderung für Elektromobilität beträgt knapp eine Milliarde - aber bis 2020", sagte Krautzberger. Das Umweltbundesamt hatte wiederholt einen Abbau aller "umweltschädlichen Subventionen" gefordert, darunter die niedrigereDiesel-Besteuerung.

Immer wieder Diskussionen um die Technik
<b>Am Ende des Wegs </b><br />Es gibt noch keinen Ersatz für die Dieseltechnik © dpa Am Ende des Wegs
Es gibt noch keinen Ersatz für die Dieseltechnik
<b>Es wird immer schmutziger</b><br />Euro-6-Diesel reißen Stickoxid-Grenzwert um ein Vielfaches © dpa Es wird immer schmutziger
Euro-6-Diesel reißen Stickoxid-Grenzwert um ein Vielfaches
<b>Retten, was zu retten ist</b><br />"AdBlue" soll Stickoxide aus Dieselabgasen holen © dpa Retten, was zu retten ist
"AdBlue" soll Stickoxide aus Dieselabgasen holen

Glossar
Neue Abgas-Tests
WLPT und RDE - so heißen die beiden neuen Abgas-Tests, die ab Herbst 2017 in der EU die Werte unter realistischeren Bedingungen testen sollen.
Luftverschmutzung
VideoDiesel raus?
Diesel müssen draußen bleiben - so wollen immer mehr Städte die Stickoxid-Belastung in den Griff bekommen. Aber durch zu viele Ausnahmen ist das wenig effektiv.
Infografik
LupeÜberraschung am Auspuff
Einige der modernsten Diesel-Pkw stoßen laut einer Analyse des Forscherverbunds ICCT mehr als doppelt so viel giftige Stickoxide (NOx) aus wie neue Lastwagen oder Busse.