Peter Fischer © dpa
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Peter Fischer setzt auf Flüssigkeitsbatterien, wenn er Strom speichern möchte.
Alles im Fluss
Flüssigkeitsbatterien für die Energiewende
Rohrleitungen, Pumpen, riesige grüne Tanks: Was ein bisschen aussieht wie der Gärkeller einer Brauerei, ist der Speicherraum der wohl größten Batterie in Deutschland.
Eine Etage höher arbeiten Handwerker gerade am Aufbau der Technik, die Strom in die mit einer Vanadium-Elektrolytlösung gefüllten Tanks reinbringt und wieder rausholt. Zwanzig Megawattstunden Strom soll die Redox-Flow-Batterie speichern. Das reichte aus, um ein ganzes Dorf zehn Stunden lang zu versorgen. "Wir versuchen, die Energiespeicher günstiger zu machen", sagt Projektleiter Peter Fischer. Zu dem 19 Millionen Euro teuren Vorhaben gehört eine zwei Megawatt starke Windenergieanlage gleich neben dem neuen Gebäude, die Gleichstrom zum Füllen der Batterie liefern soll.

Eine der Stärken der Redox-Flow-Technik ist die Einheit, in der Strom über Membranen in die Batterie hinein und heraus fließt: Sie ist vom Speichermedium getrennt. Dadurch können die Tanks mit der Vanadiumlösung fast beliebig groß gebaut werden. In Pfinztal fasst schon jetzt jeder Tank 45.000 Liter. Fischer setzt darauf, dass die Technik langfristig deutlich billiger wird. Die Kosten seien innerhalb von drei Jahren bereits um die Hälfte gesunken.

Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne steht nicht immer in konstanter Menge zur Verfügung. Um das Netz stabil zu halten, müsse Strom schnell ins Netz eingespeist werden können, sagt der 41 Jahre alte promovierte Experte für physikalische Chemie. Dabei könnten sich die Redox-Flow-Technik und Lithium-Ionen-Batterien mit ihren Eigenschaften gut ergänzen.

Eine kleine Batterie ist schon auf Pellworm im Einsatz
Die Pfinztaler Forschung fügt sich in eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Stromspeicherung, die bereits bewährt sind oder erprobt werden. Wasserkraftwerke mit Pumpspeicherseen gehören zum Beispiel dazu. Eine kleinere Redox-Flow-Batterie arbeitet bereits auf der Nordseeinsel Pellworm als Ergänzung zu einem Wind- und Solarpark.

In Heilbronn kooperiert der Energiekonzern EnBW mit dem Unternehmen Bosch beim Betrieb einer Lithium-Ionen-Batterie mit fünf Megawattstunden Leistung zum Ausgleich von Netzschwankungen. "Das wird künftig noch wichtiger. Denn wenn immer mehr Wind- und Solarstrom an vielen unterschiedlichen Orten eingespeist wird, braucht man Speicher, um flexibel auf Schwankungen reagieren zu können", teilte EnBW-Sprecher Sebastian Marx mit.

Nach Überzeugung von Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur in Bremerhaven, ist es unerlässlich, die Energiewende technologieoffen voranzutreiben und die Wirksamkeit neuer Technologien zu testen und auf Systemdienlichkeit hin zu bewerten. "Welche Technologien im Einzelnen nachher mitspielen werden, lässt sich heute nicht abschließend vorhersagen."

Auch in der Bundesnetzagentur werden die technischen Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Die Hoffnung, dass der Netzausbau, der vielerorts auf Widerstand stößt, durch Speicher vermieden werden kann, dämpft Sprecher Fiete Wulff jedoch. "Das kommt allenfalls für seltene Konstellationen in Betracht, in denen Erzeuger, Speicher und Verbrauch an einem Ort konzentriert sind."

Glossar
Stromspeicher
Der geplante Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien lässt Stromspeicher in Deutschland noch wichtiger werden, denn Sonne oder Wind sind nicht ständig verfügbar.
Glossar
Energiespeicher
Es gibt viele Möglichkeiten, elektrische Energie zu speichern - und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Technisch unterschiedlich weit entwickelt, hat jede ihr Anwendungsfeld.
Speichertechnik
Energie nach Bedarf
Strom produzieren, speichern und bei Bedarf nutzen: Jenaer Forscher haben eine Redox-Flow-Batterie auf Polymer-Basis entwickelt, die das möglich machen soll.