Rollstuhlfahrer
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Neue Freiheiten: Mit dem Rollstuhl treppab.
Wettkampf Cybathlon
Ein Kräftemessen von Mensch und Technik
Körperbehinderte Athleten bewältigen beim Cybathlon verschiedene Alltagsaufgaben mit motorisierten Prothesen, Exoskeletten oder treppengängigen Rollstühlen.
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Beweglichkeit durch moderne Technik.
Monatelang haben sie getüftelt, optimiert und trainiert: Es ist ein Kräftemessen von Mensch und Technik, wie man es bisher noch nie gesehen hat. Die Teams bestehen aus Athleten und Technologie-Entwicklern aus 25 Ländern. 73 Athleten mit Behinderung stehen am Start und treten in sechs Disziplinen gegeneinander an, unterstützt von robotischen Assistenzsystemen. Die Disziplinen sind dabei so alltagsnah wie möglich: Mit einer Roboterhand Dosen öffnen oder Wäsche aufhängen, mit einer Beinprothese von Stein zu Stein springen oder mit dem Rollstuhl Treppen überwinden.

Eine Weltpremiere, die zu Innovationen anspornen soll
Zu gewinnen gibt es Ruhm und Ehre, doch die Idee dahinter ist grösser. Der Cybathlon soll Forschende und Entwickler anspornen, an alltagstauglichen Assistenztechnologien zu tüfteln. Also an Technologien, die Menschen mit Behinderung im Alltag auch tatsächlich etwas nützen. Kopf hinter dem Ganzen ist Professor Robert Riener von der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich. Die Vorbereitungen zum Cybathlon habe allen die Augen geöffnet, so Riener. "Zu viele von uns wissen zu wenig über die ganz alltäglichen Probleme der Menschen mitten unter uns - das wollen wir ändern." Neben dem Austausch zwischen Entwicklern, Industrie und Menschen mit Behinderung hat der Cybathlon aber auch zum Ziel, das Thema der breiten Öffentlichkeit zugänglicher zu machen und Barrieren abzubauen.

Die sechs Disziplinen

Pro Disziplin treten jeweils 12 bis 16 Teams gegeneinander an
  • Virtuelles Rennen mit Gedankensteuerung (BCI)
    Dieser Wettkampf findet virtuell statt. Mit Athleten, deren Motorik ab Halshöhe entweder stark beeinträchtigt oder gar nicht vorhanden ist. Sie steuern Avatar durch ein speziell entwickeltes Computerspiel - alleine durch ihre Gedanken. Ermöglicht wird dies durch BCIs (Brain Computer Interfaces). Diese sind in der Lage, Hirnsignale zu lesen. Menschen mit Tetraplegie sollen damit künftig verschiedene Geräte wie zum Beispiel einen Roboterarm oder einen Rollstuhl steuern können.
  • Fahrradrennen mit elektrischer Muskelstimulation (FES)
    Die Athleten dieser Disziplin haben gelähmte Beine, treten aber mit elektronischer Muskelstimulation kräftig in die Pedalen ihrer Fahrräder. Dazu werden Elektroden auf der Haut angebracht oder implantiert. Diese leiten Stromimpulse zu den Muskeln weiter, welche sich dann zusammenziehen. Wettkampfbedingung ist, dass die ganze Energie mit Muskelkraft erzeugt werden muss. Die große Herausforderung ist dabei, dass die Muskeln nicht zu schnell ermüden.
  • Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen (ARM)
    Wäsche aufhängen, die Jacke zuknöpfen, den Tisch decken und vieles Kniffliges mehr aus dem Alltag – und das alles mit Armprothese. Darum geht es in dieser Disziplin. Wer die meisten Aufgaben in der kürzesten Zeit schafft, gewinnt. Zugelassen sind Athleten mit einer ein- oder beidseitigen Unter- oder Oberarmamputation und Prothesen mit jeglicher Art von Steuerung.
  • Hindernisparcours mit Beinprothesen (LEG)
    Waren Beinprothesen früher oft schwer und unflexibel, müssen die Athleten in dieser Disziplin zeigen, wie sie mit neuster Technik zahlreiche Hürden überwinden können, präzise und sicheren Schrittes. Die Teilnehmenden haben Amputationen oberhalb des Kniegelenks und benutzen eine aktive oder passive Prothese beliebiger Art.
  • Parcours mit robotischen Exoskeletten (EXO)
    Exoskelette sind motorisierte Stützstrukturen, die bislang vor allem Krankenhäuser in der Physiotherapie einsetzen. Im Wettkampf müssen die Athleten damit Treppen steigen, oder sich hinsetzen und wieder aufstehen. Teilnehmen dürfen nur Piloten, deren Beine aufgrund einer Rückenmarksverletzung vollständig gelähmt sind.
  • Parcours mit motorisierten Rollstühlen (WHEEL)
    In dieser Gruppe treten Athleten mit verschiedenen Arten von Rückenmarksverletzungen oder anderen schweren Schädigungen, die ein Gehen unmöglich machen, mit motorisierten Rollstühlen gegeneinander an. Für das Rennen zugelassen sind Rollstühle, die per Joystick, Zungensteuerung, Touchpad oder mittels anderer Technologien gesteuert werden.

Einmaligkeit unerwünscht
Der Wettbewerb ist nicht als einmaliges Ereignis gedacht. Künftige Cybathlons sollen weitere Themenfelder aufgreifen, beispielsweise wie Ältere unterstützt werden können oder Menschen mit sensorischen Defiziten wie Blinde oder Taube. Auch die Sensibilisierung soll weitergehen, so Riener, in Schulen, an Konferenzen oder auf den Strassen. "Der Cybathlon hat so viele positive Meinungen und Energien in den Forschungslaboren und in der Bevölkerung generiert - wir wollen diesen Schwung nutzen und daraus eine gewisse Institution machen."

Thementag des SRF
Der Cybathlon live auf 3sat
3sat überträgt den Cybathlon am 8. Oktober 2016, 9.30 bis 18 Uhr.

Es wird außerdem Live-Schaltungen in die Forschungslabore und Hintergrundberichte rund um Cyborgs, Prothesen, Robotik und Menschmaschinen geben.
Cyborgs
Club der Maschinenmenschen
Der Verein "Cyborgs e.V" hat sich zum Ziel gesetzt, Funktionsweisen, Nebenwirkungen und Gefahren von Implantaten zu dokumentieren.
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