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Wachswalze Video
Wachswalze - ein urtümlicher Tonträger (Beitrag vom 15. Juni 2016)
Digitale Rettung
Historische Wachswalzen-Aufnahmen digitalisiert
Ein Würzburger Forscherteam um Armin Stock hat teilweise mehr als 100 Jahre alte Aufnahmen von alten Wachswalzen digitalisiert und wieder hörbar gemacht.
Wachswalzen sind die Tonträger der Urzeit, Vorläufer von Schellack- und Langspielplatte, von CD, DVD und Blu-ray. Es handelt sich dabei um zehn Zentimeter lange, 5,5 Zentimeter breite und etwa einen halben Zentimeter dicke Wachszylinder.

Historische Gesangsaufnahmen aus aller Welt
Creek-Indianer aus KanadaVideoCreek-Indianer aus Kanada
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Forscher baute das Abspielgerät selbst
Das Wissen über die Wachswalzentechnik mussten die Forscher zunächst durch Recherchen zusammentragen. Dabei zeigte sich schnell, dass es weltweit nur wenige Spezialisten gibt, die Wachswalzen digitalisieren können. Gemeinsam mit der Restauratorin Esther Gildemann konstruierte Armin Stock eine Apparatur, mit der die Zentrumsmitarbeiter selbst die Abtastnadel aus dünnen Glasstäbchen zogen. "Das war ein Projekt, das uns immer wieder viel Ausdauer abverlangte, und bei dem wir ständig aus unseren Fehlern lernen mussten", erzählt Stock.

"Da wir unsere Technik im Entwicklungsstadium nicht an unseren Originalwalzen ausprobieren konnten, haben wir uns im Internet eigens eine Neuprägung eines Gesangs von Caruso und eine wissenschaftlich nicht so wertvolle alte Walze mit Zithermusik gekauft", so Stock weiter. Während es beim Edison-Phonographen einen Antrieb gibt, der die Nadel exakt entlang der Rille führte, entschloss man sich am AWZ für das passive Mitlaufen. "Der passive Antrieb ist für die Walze gefahrloser als der aktive, bei dem man die Parallelität zwischen Nadelvortrieb und Rille exakt einhalten muss. Allerdings muss der Tonabnehmer beim passiven Antrieb möglichst leicht gebaut werden, damit die Rille der Walze ihn vorantreibt", erklärt Stock.

Nach der Restauration und Digitalisierung will Stock die Aufnahmen über das Internet zugängig machen. Ethnologen, Musikwissenschaftler, Musikpsychologen und Psychologiehistoriker können sie dann für ihre Forschung verwenden.

Mit Wachswalzen auf Forschungsreise
Wachswalzen wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts als Aufnahmemedium für Forschungszwecke genutzt. Der erste, der in Deutschland die Idee hatte, systematisch die Sprachen und Gesänge der Völker dieser Erde auf Wachswalzen zu konservieren und sie damit der Erforschung zugänglich zu machen, war der Psychologe Carl Stumpf (1848 bis1936). Carl Stumpf hatte viele Forschungsreisende mit Phonographen und Walzen ausgestattet, und diese brachten dann die Aufnahmen aus aller Welt zur Analyse nach Deutschland.

"Als wir unsere etwa 60 Wachswalzen genauer in Augenschein nahmen, konnten wir ermitteln, dass diese aus den Jahren zwischen 1901 und 1930 stammen und Aufnahmen aus praktisch allen Kontinenten dieser Erde enthalten", so Armin Stock. "Wir mussten aber auch bald feststellen, dass die Beschriftung auf der Verpackung häufig nicht mit dem Inhalt übereinstimmte. So entstand schnell das Bedürfnis, die Aufnahmen wieder hörbar zu machen und damit sozusagen ein Backup anzufertigen".