Dieselmotor © dpa
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Um stubenrein zu werden, braucht ein Dieselmotor eine Harnstofflösung von außen.
Retten, was zu retten ist
"AdBlue" soll Stickoxide aus Dieselabgasen holen
2018 sollen die Diesel sauberer werden: Das "AdBlue"-Verfahren bekommt dann im Zuge eines neu geregelten Abgasmessverfahrens EU-weit politische Unterstützung.
Das Verfahren ist teuer - und bisher fehlte der politische Druck, das beste technisch Machbare einzusetzen. Neue Testverfahren zur Abgasmessung nötigen aber die Hersteller zu AdBlue zu greifen. Es spaltet giftige Stickoxide (NOx) in harmlosen Wasserstoff und in Stickstoff.

Die bei Verbrennungsprozessen entstehenden Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff können zu Atemproblemen sowie Herz- und Krebserkrankungen führen. Während Benziner die geltende Abgasnorm Euro 6 mit einem Grenzwert von 80 Milligramm NOx je gefahrenen Kilometer leicht einhalten, überschreiten viele Diesel-Pkw diese Norm um ein Vielfaches.

Grund sind unter anderem die aufwendigeren und damit teureren Filterverfahren: Reicht bei Benzin-Fahrzeugen ein Drei-Wege-Katalysator, braucht es bei Diesel-Motoren eine Harnstoff-Einspritzung, um NOx zu reduzieren.

AdBlue ist eine Lösung - aber eine mit Problemen
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Technik, die benebelt: Dieselabgase.
Allerdings zeigen Tests der Schweizer Materialprüfunganstalt (Empa): Nicht alle AdBlue-Systeme in Katalysatoren funktionieren einwandfrei. Verdampft der Harnstoff schlecht, bilden sich Ablagerungen im Auspuff. Die Erkenntnisse aus den Messungen im Schweizer Empa-Labor zur Erforschung von Hochtemperaturströmungen nutzt Ingenieur Potis Dimoupoulos-Eggenschwiler für die Entwicklung optimierter Einspritz-Düsen und neuer Messverfahren: So soll ein Projekt klären, welche Einspritzdüse die Harnstofflösung besonders gleichmäßig im Abgasstrom verteilt. Zudem haben die Ingenieure der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) einen besonders kleinen Katalysator entwickelt. Nach dem VW-Abgasskandal zeigten sich einige Auto-Hersteller für die Neuerungen bei Empa interessiert.

Harnstoff macht Stickoxide unschädlich
Autos gehören zu den bedeutendsten Quellen schädlicher Stickoxide. Einige Katalysatoren mit vorgeschalteter Harnstoffeinspritzung reduzieren den Ausstoß dieser Stoffe - der Name dafür ist selektive katalytische Reduktion (SCR). Dazu wird die synthetisch hergestellte Harnstofflösung in den Abgasstrom eingesprüht. Daraufhin entsteht Ammoniak. Im Katalysator kommt es dann zu einer weiteren chemischen Reaktion: Der Ammoniak wird weitgehend umgewandelt in Stickstoff und Wasserstoff. Diese Harnstofflösung wird unter dem Namen AdBlue verkauft.

VW hatte als Konsequenz aus dem Skandal entschieden, künftig nur noch Diesel-Autos mit der aufwendigeren SCR-Technik einzusetzen. Diese aber ist teurer und wird daher eher bei größeren Autos eingesetzt. Die Folge könnte sein, dass kleinere Wagen wie der Polo künftig nicht mehr mit Diesel-Antrieb verkauft werden.

Infografik
LupeÜberraschung am Auspuff
Einige der modernsten Diesel-Pkw stoßen laut einer Analyse des Forscherverbunds ICCT mehr als doppelt so viel giftige Stickoxide (NOx) aus wie neue Lastwagen oder Busse.
Glossar
"AdBlue" und "Bluetec"
"AdBlue" ist der Handelsname einer standardisierten, synthetisch hergestellten wässrigen Harnstofflösung. Sie kommt bei der "Bluetec"-Technik zum Einsatz.
Glossar
Stickoxide / Lachgas
Das Gas Stickstoffoxid (NO) ist zugleich schädlich und unentbehrlich für alle mehrzelligen Lebewesen. Im Körper dient es vor allem als Botenstoff.
Tricksen auf dem Prüfstand
Frisierte Abgaswerte
Manipulationssoftware, das Thermofenster und jetzt noch der "Konformitätsfaktor" - es gibt viele Möglichkeiten, die Schadstoffbilanz von Autos zu schönen.
Abgas-Skandal
Wunderlösung Kunststoffgitter?
Wäre das einfach: Ein kleines Bauteil, günstig in der Herstellung und schnell eingebaut, beendet den Abgas-Skandal. Doch es gibt einen Haken.