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Heupartikel Video
Die Graspartikel sind unterschiedlich groß (Beitrag vom 13. Oktober 2015)
Karton aus Gras
Produkt steht kurz vor der Markteinführung
Papierproduzenten entdecken getrocknetes Gras als neuen, umweltfreundlichen Rohstoff für die Herstellung von Papier. Neu ist dabei die Aufbereitung ohne Chemie.
"Wir haben unterschiedliche Fasermaterialien getestet und haben schnell festgestellt, dass Gras aufgrund der Tatsache, dass recht wenig Lignin darin enthalten ist, eine ideale Faser ist, um daraus Papier herzustellen", sagt Uwe D'Agnone, der Entwickler des Graspapiers. Lignine sind Stoffe, die für die Festigkeit von Pflanzenfasern sorgen.

Graspapier herstellen funktioniert ohne Chemikalien
Lupe
Die Schachtel aus Graspapier war für den Deutschen Verpackungspreis nominiert
Während das Lignin im Holz zur Herstellung des Zellstoffes für Papier chemisch beseitigt werden muss, fällt dieses Verfahren bei dem Gras weg. Getrocknetes Gras enthält etwa ein Viertel der Menge an Lignin, die im Holz steckt. Eine mechanische Verarbeitung ohne aggressive Chemikalien reicht laut D’Agnone aus. Für das konventionelle Herstellen von Papier setzen die rund 200 Anlagen in Deutschland Zellstoff, Holz oder Altpapier ein. Altpapier wird auch bei der Methode verwendet, die sich Entwickler Uwe D’Agnone von "Creapaper" ausgedacht hat – 49 Prozent Altpapier und 51 Prozent Graspapier sind in dem Kartonprodukt enthalten, das 2015 für den Deutschen Verpackungspreis nominiert war.

Der Bonner Agraringenieur Martin Höller entwickelte den Ansatz mit Forschungsgeldern von der "Deutschen Bundesstiftung Umwelt" weiter. Er zerkleinerte das Heu in unterschiedlich große Partikel, um die optimale Fasergröße für die Papierproduktion zu finden: mit 0,8 bis 1,2 Millimeter Größe lassen sich die Partikel gut verarbeiten.

Landwirte liefern das benötigte Heu
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Diese Heuballen hat der Landwirt übrig - für die Fütterung der Tiere benötigt er sie nicht
Für Kartons sind größere Faserlängen geeignet, für Kopierpapier etwas kleinere und zu Herstellung von Toilettenpapier muss es eine sehr feine Körnung sein. Außerdem weiß Höller, dass die Fasern verschiedener Gräser unterschiedlich geeignet sind. Sein Fazit: Je länger das Gras auf der Wiese wächst, desto mehr Fasern bildet es aus – und eignet sich somit besser für die Papierindustrie. Auch die lokale Zulieferung der für die Herstellung benötigten Heuballen durch Landwirte ist umweltverträglich: meist bleibt den Bauern Heu übrig, das nicht mehr zur Fütterung der Tiere verwendet werden kann.

Laut dem Verband deutscher Papierfabriken (VDP) hat 2008 jeder Deutsche 250 Kilogramm Papier verbraucht. Die Nachfrage durch den Onlinehandel wächst. Ein großer Onlinehändler hat bereits Kartons aus Graspapier testweise an seine Kunden verschickt – mit Erfolg. Nun steht das Produkt kurz vor der Markteinführung. Bei einem Test an Maschinen in mehreren Papierfabriken konnten unter anderem zehn Tonnen Gras-Vollpappe hergestellt werden. Somit könnte der Rohstoff Gras bald Einzug in die Papierindustrie halten.

Recyclingpapier
Tropen in der Toilette
"Im Prinzip spülen wir den Regenwald ins Klo", so Dr. Volkhard Wille von der Tropenwaldstiftung "Oro verde". Der Zelltstoff für Toilettenpapier stamme oft aus Brasilien.