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Mann pustet in Alcolock © dpa Video
Mit dem Alkolock muss der Autofahrer nicht erst bei der Polizeikontrolle pusten
Pusten vor dem Start
Elektronik könnte Alkoholsünder stoppen
Alkoholsünder könnten künftig per elektronischer Wegfahrsperre am Autofahren nach dem Genuss von Bier, Wein oder Schnaps gehindert werden.
Möglich machen dies Alkolocks, die in einigen Ländern schon im Einsatz sind. Sie analysieren den Alkoholgehalt der Atemluft und verhindern, dass Promillesünder den Motor starten können. Um die Verkehrssicherheit zu verbessern, hatten die Fraktionen von Union und FDP die Idee bereits 2011 auch für Deutschland aufgegriffen. In einem gemeinsamen Antrag fordern sie Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, den Einsatz der Geräte zu prüfen. Wer bei einer Trunkenheitsfahrt ertappt wurde und ein solches Gerät freiwillig einbauen lässt, soll den Führerschein früher wiederbekommen.

Das Bundesverkehrsministerium steht "dem freiwilligen Einsatz von Alkolocks aufgeschlossen gegenüber", sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Geräte könnten "auch bei der Rehabilitation von alkoholauffälligen Kraftfahrern sinnvoll sein". Alle Maßnahmen, die zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen könnten, würden wohlwollend geprüft.

Eine generelle Verpflichtung zum Einbau der 1000 Euro teuren Promilletester lehnt das Ministerium ab, da man nicht alle Autofahrer "unter Generalverdacht" stellen wolle. Wünschenswert sei ein europaweit einheitliches Vorgehen. Alkolocks sind in Schweden, Finnland, den Niederlanden, Belgien und Österreich im Einsatz - oder dafür vorgesehen.

Die Promilletester ähneln einem Navigationsgerät mit Mundstück. Daneben gibt es auch in den Autoschlüssel integrierte Alkoholsensoren. Diese sind nach Angaben des Herstellers mit 150 Euro zwar wesentlich preiswerter, aber noch nicht am Markt.

"Die Prozedur dauert nur eine halbe Minute"
Die kleinen Geräte müssen in der Autowerkstatt mit der Zündung des Wagens verbunden werden - dann sind sie bei jedem Start aktiv. Der Fahrer wird aufgefordert, in das Mundstück zu pusten. Ist kein Alkohol in der Atemluft vorhanden, springt der Motor an. Sonst wird die Zündung für eine Weile blockiert. "Die Prozedur dauert nur eine halbe Minute", meint Herbert Glass vom Lübecker Produzenten "Dräger Safety". Allerdings sollten die Fahrer vorher weder Trinken noch Essen: "Das kann die Werte verfälschen."

Auch Mundsprays oder alkoholhaltige Medizin seien tabu. Wie empfindlich ein Testgerät reagiert, kann eingestellt werden: "Meist sind es so 0,2 bis 0,3 Promille. 0,0 Promille war einfach nicht praxistauglich", erklärt Glass.

Dagegen meint Johannes Lagois, Vorsitzender des Europäischen Normungskomitees "Alcohol Interlocks", der elektrochemische Sensor spreche sehr spezifisch auf Alkohol an, "so dass andere ausgeatmete Substanzen oder Zigarettenrauch das Messergebnis nicht verfälschen", betonte er.

Die Geräte sind allerdings nicht für einen Komplettcheck der Fahrtüchtigkeit vorgesehen: "Unser Gerät misst nur den Alkoholgehalt im Atem, nicht etwa auch Drogenkonsum oder anderes", betont Dräger-Sprecherin Melanie Kamann. Und es zeigt auch nicht an, wie viel Alkohol der Fahrer im Blut hat. So kann sich niemand an die zulässige Promillegrenze herantrinken.

Kontrollen könnten sich umgehen lassen
Da sich die Geräte auch überlisten lassen, bezweifelt der Automobilclub ADAC, dass Alkotester in Fahrzeugen das Unfallrisiko mindern können. Möglich sei, dass sich zunächst jemand anderes ans Steuer setze, um das Auto freizugeben. "Und dann fährt der alkoholisierte Kraftfahrer weiter", sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl. Reindl warb für mehr Kontrollen. Zur Zeit werde in Deutschland nur jede sechshundertste Alkoholfahrt überhaupt entdeckt.

Dagegen erklärte Lagois, derartige Manipulationen seien bei modernen Geräten auszuschließen. Die Benutzung von Hilfsgeräten oder Filtern würden erkannt, der Motorstart verhindert.

Nach der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes gehen zwei Drittel aller Führerscheinentzüge in Deutschland auf das Konto von Alkoholsündern. Nach den jüngsten Zahlen von 2009 wurde 120.375 Kraftfahrern der Führerschein entzogen, 86.789 von ihnen nach Alkohol- oder Drogenkonsum. Jedoch sei die Zahl der Alkoholverstöße seit Jahren rückläufig.

Der Verband der Technischen Überwachungsvereine hält die Geräte aber nur dann für sinnvoll, wenn Wiederholungstäter durch psychologische Betreuung zur Änderung ihres Trinkverhaltens gebracht werden.

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