Cockpit
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Immer wieder müssen Piloten wegen seltsamer Gerüche vorzeitig landen.
Dicke Luft an Bord
Mysteriöse Gerüche im Cockpit zwingen zur Landung
Wegen sonderbarer, übler Gerüche in Flugzeugen sind der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) 2016 insgesamt 228 Vorfälle gemeldet worden.
Das gab die Behörde im Juni 2017 bekannt. Einzelne Luftfahrtunternehmen wiesen ein erhöhtes Meldeaufkommen auf. Allein bei der Lufthansa-Tochter Germanwings gab es demnach 64 Meldungen über verunreinigte Kabinenluft. "Aus Sicht der BFU kann dieses auf eine erhöhte Meldekultur und eine erhöhte Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückzuführen sein", heißt es in der BFU-Erklärung.

Die Ursache für diese schon seit den 1950er Jahren beschriebenen Gerüche in der Flugzeugkabine ("fume events") ist oft unklar. Angesichts vieler Zwischenfälle schwelt seit Jahren ein Streit um ihre Ursachen. Da in fast allen Verkehrsjets die Kabinenluft aus den Triebwerken abgezapft wird, wird darin ein Zusammenhang gesehen. Der wissenschaftliche Nachweis, dass Kabinenluft Krankheiten verursachen könnte, ist aber schwierig. Eine Studie der Göttinger Arbeitsmedizinerin Astrid Heutelbeck machte schädliche Stoffgemische verantwortlich, die vermutlich aus den Triebwerken stammen. Vor allem von den Grünen werden daher seit längerem strengere Vorgaben für Luftfilter gefordert.

Mitarbeiter fordern Schutz von Passagieren und Crew
Am Frankfurter Flughafen haben im Juli 2017 etwa 50 Kabinenmitarbeiter für bessere Luft in den Flugzeugen demonstriert. Zu der Aktion unter dem Motto "Für giftfreie Atemluft in Flugzeugen" hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Die Teilnehmer forderten unter anderem unabhängige Studien und einen Schutz für die Passagiere und Besatzungen. Auf Plakaten wurde auch die Politik direkt angesprochen: "Liebe Politiker, auch Sie fliegen fast täglich... es betrifft auch Ihre Gesundheit."

"Es geht uns vor allem um eine Sensibilisierung des Personals und der Fluggesellschaften", sagte Uwe Schramm von der Gewerkschaft Verdi. Das Problem betreffe alle Fluggesellschaften, weil alle die gleichen Flugzeugtypen fliegen, bei denen die Kabinenluft über die Triebwerke angesaugt werde. Nur bei ganz neuen Flugzeugen komme die Zapfluft von außen.

"Das können wir aber nicht morgen einbauen"
"Wir wissen, dass im Einzelfall ganz geringe Mengen Öl sich mit der Kabinenluft mischen", sagt Lufthansa-Chefpilot Werner Knorr. "Wir wissen auch, dass uns die heutige Technik in den Flugzeugen noch für die nächsten 20 Jahre begleiten wird, so dass ich den Schwerpunkt sehe, darüber nachzudenken, einen Sensor für unsere Kollegen im Cockpit zu bekommen." Diese könnte Öl im Luftkreislauf anzeigen. "Das können wir aber nicht morgen einbauen." Danach wäre über Filtertechniken nachzudenken. Ein Problem stellen nach Ansicht der Experten die unklaren Standards beim Meldesystem dar, die keine klare Zuordnung der Ereignisse ermöglichen - sie sollten daher vereinheitlicht werden.

Mehrere Male mussten schon Flugzeuge wegen Gerüchen landen

  • Eine Maschine der Fluggesellschaft Germanwings hat im Februar 2015 auf dem Weg von Stuttgart nach Barcelona einen ungeplanten Stopp in Lyon eingelegt. Die Crew des Flugzeugs habe im Cockpit einen ungewöhnlichen Geruch wahrgenommen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft in Köln. Die 74 Fluggäste und sechs Besatzungsmitglieder hatten die Maschine ganz normal verlassen können.
  • Wegen eines ungewöhnlichen Geruchs an Bord hat eine Condor-Maschine im Januar 2015 ihren Flug von Frankfurt nach Havanna (Kuba) abgebrochen. Die Maschine vom Typ Boeing 767 mit 258 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern kehrte über Frankreich um und landete am Abend in Frankfurt, teilte Condor mit.
  • Ein Flugzeug der "US Airways" ist im Dezember 2014 auf dem Flug von Tel Aviv nach Philadelphia unplanmäßig in Italien gelandet, weil zwei Passagieren und elf Crewmitgliedern schlecht geworden war. Italienischen Medienberichten zufolge musste sich eine große Zahl von ihnen plötzlich übergeben. Die Fluggesellschaft bestätigte den Vorfall: Während des Fluges sei von mehreren Flugbegleitern ein "ungewöhnlicher Geruch" bemerkt worden und sie hätten sich "krank gefühlt".
  • Ein US-Verkehrsflugzeug hat im Juli 2014 wegen eines Geruchs an Bord auf einer der kleinsten und ablegendsten Inseln des Pazifiks landen müssen. Nach Medienberichten legte die Boeing 777 der United Airlines mit 348 Menschen an Bord einen außerplanmäßigen Stopp auf einem Flugfeld im Midway-Atoll ein. Dort mussten die 335 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder sieben Stunden ausharren, bevor ein anderes Flugzeug sie zum Ausgangsflughafen Honolulu zurückflog. Eine Sprecherin schilderte, dass es einen Geruch in der Kabine gegeben habe.

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VideoDas Prinzip Zapfluft
Es wird weiter Flüge geben, auf denen komische Gerüche auftreten: Die Flugzeugbauer Boeing und Airbus ziehen weiter die Kabinenluft per Zapfluft von den Turbinen. (Beitrag vom 9. Februar 2015)
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