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Artur Fischer © dpa Video
Artur Fischer erhält den Erfinderpreis 2014 für sein Lebenswerk
"Das Kind muss in uns bleiben"
Artur Fischer erhält den Europäischen Erfinderpreis
Der Preisträger des Europäischen Erfinderpreises, Artur Fischer, hat Eltern dazu aufgerufen, kindliche Neugier zu fördern und zu bewahren.
"Das Kind muss in uns bleiben", sagte Fischer sichtlich bewegt nach der Zuerkennung am 17. Juni 2014 in Berlin. "Wir brauchen Menschen, die finden und erfinden. Und gescheite Leute behaupten, dass Erfinden von der Seele kommt." Den Preis für sein Lebenswerk nannte er ein Geschenk. "Es gehört zu den größten Geschenken, die ich in meinem langen Leben empfangen durfte."

Der Erfinder und "Dübelkönig" Artur Fischer hat bereits mehr als 1100 Patente angemeldet und noch immer treibt ihn der Forscherdrang. "Sein ganzes Leben lang hat der 1919 geborene Probleme aus seinem Alltag in Lösungen verwandelt", würdigt das Europäische Patentamt Fischers Wirken in der Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2014. Mehr als 1100 Patente und Gebrauchsmusteranmeldungen gehen auf Fischers Konto. Dass er neben dem allseits bekannten grauen Plastikdübel auch den Synchronblitz für Fotoapparate entwickelt hat und Schrauben für die Heilung von Knochenbrüchen, wissen nur wenige.

Für das Patentamt reichte das allemal aus, um ihn in der Kategorie Lebenswerk für den Europäischen Erfinderpreis, den Erfinder-Oscar, vorzuschlagen. "Das ist natürlich eine große Ehre - aber auch ein Ansporn für Erfinder", sagt Fischer. "Wir brauchen Erfinder, denn wenn wir nichts erfinden, können wir auch nichts Neues produzieren."

Fischer geht immer noch jeden Tag in sein Büro
Das Aufstehen fällt ihm schwer, aber er weist jede Hilfe zurück. "Ich beuge mich etwas nach vorne, und dann komme ich hoch. Das ist alles Physik", erklärt Artur Fischer mit einem Schmunzeln. Auch heute geht er noch immer fast jeden Tag im Anzug in die Fischerwerke in Waldachtal im Schwarzwald. Sein Büro hat er im Entwicklungszentrum des Unternehmens eingerichtet, das mit seiner Erfindung, dem Dübel, groß geworden ist.

Forscherdrang hat er bereits in jungen Jahren verspürt. Immer wollte er irgendwas basteln oder zusammenbauen, erzählt er. Ein Lehrer und seine Mutter haben ihn dabei unterstützt. Obwohl wenig Geld im Haus war, hat seine Mutter ihm den Traum erfüllt und einen Märklin-Kasten geschenkt. Für Fischer war das später Anreiz, seinen Technikbaukasten auf den Markt zu bringen, mit dem Kinder vieles über Maschinen lernen können.

Nach Realschulabschluss und Schlosserlehre musste der junge Mann in den Krieg ziehen. "Ich war in Stalingrad und bin auch sonst viel rumgekommen", erzählt er. "Mehr als einmal bin ich Millimeter am Tod vorbei geschrammt." Wieder war es die Mutter, die ihm Halt gab. "Sie hat immer gesagt: Ich habe keine Angst, du kommst wieder."

Er kam wieder, flüchtete als Kriegsgefangener der Engländer aus einem Lager in Österreich - und war anschließend voller Tatendrang. Als eine Fotografin seine Tochter nicht ablichten konnte, weil es im Zimmer zu dunkel war, machte er sich an die Arbeit und entwickelte den Synchronblitz.

Diese Erfindung ermöglichte ihm die eigene Firma, die er 1948 - ganz heimatverbunden - im Schwarzwald aufbaute. "Ich habe das gemeinsam mit den Bauern hier und vor allem mit den Frauen geschafft. Männer waren ja kaum da." Zehn Jahre später gelang ihm mit dem Dübel der nächste Coup. "An einem Samstagnachmittag habe ich ein Plastikstück ausgebohrt und zurechtgefeilt."

Das war der Anfang. "Fischer schuf auch Stahlanker, Bohrgeräte und zementgebundene Befestigungen, und seine Erfindungen werden tagtäglich millionenfach auf der ganzen Welt verwendet", würdigt ihn das Patentamt.

Fischer wurde zu großem Familienunternehmen
Es war der Grundstein für ein Familienunternehmen mit inzwischen 43 Tochtergesellschaften, 4150 Beschäftigten und einem Umsatz von knapp 630 Millionen Euro. Sein Sohn Klaus führt seit 1980 die Geschäfte, der Stabwechsel an den Enkel ist vor zwei Jahren gescheitert. Artur Fischer möchte sich dazu nicht äußern.

Er verbringt seine Zeit lieber mit farbenfroher Malerei, zum Teil auch religiös inspiriert. "Mein Leben und meine Erfolge habe ich dem guten Verhältnis zu meinem Schöpfer zu verdanken", sagt der Protestant. "Denn alle Erfindungen kommen aus der Seele."

Zuletzt treibt ihn - wie schon mehrfach in seinem Leben - das Problem mit dem Frühstücksei um. So bastelte er als junger Erfinder an einem Eierköpfer - einem Schlagmesser, das einen sauberen Schnitt garantierte. "Allerdings flog manchmal auch das Eigelb durch die Gegend." Am Ende ließ Fischer die Finger davon.

Als Ersatz präsentiert er jetzt den Eierbecher für verschiedene Größen. Eine Plastikröhre, die auf der einen Seite Platz für L-Eier und umgedreht Platz für M-Eier bietet. "Dank des festen Halts können die Eier jetzt geköpft werden, ohne dass sie wegrutschen und einem die Hände verschmieren", erläutert er. Wann es sie zu kaufen gibt? "Das muss sich noch erweisen."

Interview mit Artur Fischer
Lieblingsecke Werkbank
Für Artur Fischer gehört Erfinden zum Lebensinhalt. Auch mit 94 Jahren macht er sich noch fast jeden Tag Gedanken darüber, welche neuen Entwicklungen er realisieren könnte.