Selbstfahrendes Auto © dpa
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Noch sind selbstfahrende Autos Zukunftsmusik - aber sie beschäftigen schon die Politik.
Strenge Anforderungen
Ethik-Kommission stellt 20 Thesen zum autonomen Fahren vor
Automatisiertes Fahren soll in Deutschland möglich sein - aber nur unter strengen Anforderungen. Eine Ethik-Kommission hat 20 Thesen zum autonomen Verkehr vorgestellt.
Der 14-köpfigen Kommission gehörten neben Juristen und Vertretern von VW, Daimler und dem ADAC unter anderem auch ein Philosoph, ein Theologe und ein Verbraucherschützer an. Zur Arbeit des Gremiums gehörte auch eine Praxisfahrt mit Versuchsfahrzeugen verschiedener Hersteller.

Die Ethik-Kommission kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass das automatisierte und vernetzte Fahren sogar ethisch geboten sei, "wenn die Systeme weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrer". In Gefahrensituationen müsse der Schutz menschlichen Lebens immer Vorrang haben, etwa gegenüber möglichen Sach- oder Tierschäden. Bei unausweichlichen Unfallsituationen dürfe es keine Qualifizierung von Menschen nach persönlichen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, körperlicher oder geistiger Konstitution geben. Das müsse Leitlinie für die Programmierer sein, sagte der Leiter der Kommission Udo di Fabio.

Kommission warnt vor Totalüberwachung
Die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Kommission warnt auch vor einer Totalüberwachung des Menschen. "Eine vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Fahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur ist ethisch bedenklich, wenn und soweit sie Risiken einer totalen Überwachung der Verkehrsteilnehmer und der Manipulation der Fahrzeugsteuerung nicht sicher auszuschließen vermag", zitierte das "Handelsblatt" am 20. Juni 2017 aus dem Bericht der Kommission.

Fahrzeughalter und -nutzer müssten "grundsätzlich über Weitergabe und Verwendung ihrer anfallenden Fahrzeugdaten" entscheiden dürfen. "Einer normativen Kraft des Faktischen, wie sie etwa beim Datenzugriff durch die Betreiber von Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken vorherrscht, sollte frühzeitig entgegengewirkt werden", mahnt das Gremium.

Verkehrstote könnten um 40 Prozent zurückgehen
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Das Auto, das Entscheidungen trifft (Beitrag vom 1. Juli 2016)
Untersuchungen im Auftrag der US-Regierung deuten darauf hin, dass 90 Prozent aller Unfälle auf Fahrer-Fehler, also menschliches Versagen zurückzuführen sind. Bei mehr als 40 Prozent tödlicher Verkehrsunfälle sind Alkohol, Ablenkung, Einfluss durch Medikamente oder andere Drogen sowie Müdigkeit im Spiel. Aber bei selbstfahrenden Autos gäbe es diese Faktoren nicht. Und damit, so die Studie, könnte es möglich sein, die Zahl tödlicher Unfälle um mindestens 40 Prozent zu reduzieren.

Führen nur zehn Prozent aller Personenkraftwagen und Lastwagen auf der Straße automatisiert, könnte das die Zahl der Verkehrstoten bereits um 1000 pro Jahr verringern, geht aus der Untersuchung hervor. Wirtschaftliche und andere Einsparungen könnten sich auf fast 28 Milliarden Euro belaufen. Wären es 90 Prozent, könnten bis zu 21.700 Leben im Jahr verschont werden und die finanziellen Vorteile mehr als 320 Milliarden Euro ausmachen. Finden sich auf einer Straße genügend selbstfahrende Autos, dann könnten sie eine Art gesteuerte Kolonne bilden - in engem, aber stets sicheren Abstand voneinander fahren, ohne benzinfressendes und nervenzerreibendes "Stop-and-Go".


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Bis Autos autonom fahren können wird es noch mindestens ein Jahrzehnt dauern, sagt der Ingenieur Prof. Klaus Dietmayer. (Beitrag vom 1. März 2016)
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Der Bericht der Ethik-Kommission als PDF beim Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
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