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Montage von Bremsen Video
Mit leisen Bremsen will die Bahn dem Lärm durch ihre Züge begegnen
Stille Bahn
Güterzüge sollen Flüsterbremsen bekommen
Güterzüge sollen mit leiseren Bremsen ausgerüstet werden. Der europäische Eisenbahnverband (UIC) hat die Bremsen mit der neuen Technik europaweit zugelassen.
Damit sei die Umrüstung der derzeit 180.000 Güterwagen in Deutschland möglich, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Wer die Züge dann nicht mit der neuen Technik ausstattet, muss nach Angaben der Deutschen Bahn bei Fahrten einen Aufpreis zahlen.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, mit den neuen Bremsblöcken werde das Rollgeräusch der Eisenräder auf den Schienen um zehn Dezibel verringert. Für die Fahrten lauter Güterzüge erhebt die "DB Netz AG" zudem seit Juni 2013 einen Aufschlag von einem Prozent auf die herkömmlichen Trassenpreise. Damit solle die Umrüstung beschleunigt werden, hieß es.

Unter anderem im Rheintal protestieren Bürger seit langem gegen laute Güterzüge. Der rheinland-pfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser teilte mit, mit der Zulassung der leiseren Bremsen werde eine echte Bahnlärm-Reduzierung in Aussicht gestellt. Das Bundesverkehrsministerium fördert nach eigenen Angaben seit Ende 2012 die Umrüstung lauter Güterwagen mit der Flüstertechnik. Bis 2020 soll diese abgeschlossen sein.

110 Dezibel sind sogar "lebensgefährlich"
Der Bremer Epidemiologe Eberhard Greiser sowie der Mainzer Mediziner Thomas Münzel betonten, Verkehrslärm könne Krankheiten verursachen. Die Lage im Oberen Mittelrheintal sei "untragbar". Spitzenwerte von bis zu 110 Dezibel seien nicht nur gesundheitsschädigend, sondern lebensgefährlich, sagte Greiser.

Frank Gross, der Vorsitzende der Initiative "Pro Rheintal", sagte, jede laute Nacht verkürze das Leben der Anwohner um Minuten oder auch Stunden. Der Bahnlärm sei vorwiegend die Folge technischer Defekte. Insofern müsse die Technik dringend instand gesetzt und modernisiert werden. Die Initiative hatte zu einem Treffen in Boppard geladen.

"Chancen für weniger Bahnlärm bleiben ungenutzt"
Nach Meinung von Experten werden im Kampf gegen den Bahnlärm im Mittelrheintal noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Annahme, dass Bahnverkehr grundsätzlich laut sei, erweise sich als völlig falsch, sagte etwa Markus Hecht von der Technischen Universität (TU) Berlin. Er ist Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr der TU. Auf glatten Schienen könnten selbst voll beladene Güterzüge leiser sein als Lastwagen.

Hecht sprach sich dafür aus, künftig mit Messstationen zu arbeiten, um die Lärmwerte "wagen- und achsgenau" aufzuzeichnen und dadurch Defekte zu erkennen. Nur so sei auf Dauer die Einhaltung der Lärmgrenzwerte möglich.

Info
Tag des Lärms
Zum Tag des Lärms am 30. April wird unter dem Motto "Die Ruhe weg" in vielen Veranstaltungen auf Belastungen durch die zunehmende "Verlärmung" der Umwelt hingewiesen. Die EU will mit einer Umgebungslärmrichtlinie den Krach in lauten Gebieten vermindern und in ruhigen einer Zunahme vorbeugen. Um Belastungen in einer Karte zu erfassen, wird seit 2012 Lärm in allen Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen Europas ermittelt.
Interaktiv
Lärm im Alltag
In der Nähe einer Autobahn treten 80 Dezibel auf. Ab 115 Dezibel wird Lärm als schmerzhaft empfunden, bei 120 Dezibel können bereits nach kurzer Einwirkung Hörschäden auftreten.
Lärmschutzprogramm
Kleine Wände gegen lauten Schienenverkehr
Kleine Lärmschutzwände können hohe nie ganz ersetzen, aber ergänzen, meint Gerd LeDosquet von der Deutschen Bahn AG.
Lärm durch Züge
Es geht auch leiser
Es gebe technische Maßnahmen, um den Lärm von Güterzügen zu senken, sagt Prof. Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin.