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Männer in Schutzanzügen © dpa Video
Nur mit Schutzanzügen lässt sich der Ofen öffnen, der Chemiewaffen vernichtet
Schwaben vernichten Chemiewaffen
Böblinger Firma Eisenmann verbrennt die Gefahr
Die Firma Eisenmann aus Böblingen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Vernichtung von Chemiewaffen.
"Wir könnten sofort loslegen, wenn eine Anfrage aus Syrien kommt", sagt Kersten Christoph Link, Vorstandsmitglied der Eisenmann AG. Fabriken stehen in Russland, Albanien, Japan und in Deutschland.

In Syrien könnte Eisenmann eine ähnliche Anlage wie in Russland bauen. 142 Millionen Euro kostete die Fabrik in Potschep, wo 7500 Tonnen phosphororganischer Kampfstoffe gelagert wurden. "Hauptsächlich Sarin, der Kampfstoff, der laut Medienberichten auch in Syrien überwiegt", sagt Link.

Mit Feuer die tödliche Chemiewaffen bekämpfen
Doch wie lässt sich Giftgas überhaupt entsorgen? "Die toxischen Stoffe werden verbrannt", erklärt Link. Das geschieht mit einem Spezialofen, dem "Turaktor". Er kann in Granaten abgefüllte hochtoxische Kampfstoffe wie Lewisite, Senfgas oder Sarin verbrennen. Zuerst wird das Giftgas in flüssiger Form in den Reaktor eingedüst, dann bei 1200 Grad in einer keramisch ausgekleideten Brennkammer verbrannt.

"Das Giftgas wird soweit thermisch vernichtet, dass die entstehenden Rauchgase und das Abwasser ganz regulär aufbereitet werden können", erklärt Link. Aus diesen Rauchgasen werden die Giftstoffe dann heraus gewaschen und gefiltert. Anschließend könne die Abluft ganz normal über den Kamin entlassen werden. Das Waschwasser werde in einer Kläranlage entsorgt.

"Ein sehr spezieller Markt" sei das Geschäft, sagt Link. Nach dem Kalten Krieg ächtete die Völkergemeinschaft alle Chemiewaffen. Dazu gibt es seit 1997 eine eigene Konvention - sie schreibt die Vernichtung der Bestände vor. "Doch nicht alle Länder sind beigetreten", sagt Link. Länder wie Angola, Ägypten, Nordkorea und Südsudan haben nicht unterzeichnet.

Nur Albanien ist vollkommen frei von Chemiewaffen
Laut OPCW, der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, sind 80 Prozent aller existierenden Chemiewaffen vernichtet. Als weltweit erster Staat hat Albanien all seine chemischen Waffen vernichtet. Die Technologie lieferte Eisenmann: "Darauf sind wir stolz", sagt Link. Nach Albanien hatte Eisenmann nicht nur Technik geliefert, sondern die Anlage auch mit eigenem Personal betrieben. "Voraussetzung ist, dass unsere Mitarbeiter zu einem Einsatz freiwillig bereit sind", sagt Link.

Wie hoch die Gefahr für Mitarbeiter deutscher Firmen in Syrien wäre, hinge vor allem von Ort und Dauer des Einsatzes ab, meint Oliver Meier von der "Stiftung Wissenschaft und Politik". Der Aufbau von Anlagen nahe der Kampfgebiete seien mit hohen Risiken verbunden. "Selbst in Gebieten, die unter Kontrolle der Regierung stehen, besteht die Gefahr von Anschlägen."

"Die Sicherheit unserer Mitarbeiter muss gewährleistet sein", sagt Link. Dies könne über einen Blauhelm-Einsatz geschehen. Die Kosten für Sicherheit und Infrastruktur eines solchen Einsatzes kann Link heute noch nicht einschätzen. Wenn jetzt ein Anruf aus Syrien käme, dauerte es mindestens ein halbes Jahr, bis die Anlage in Deutschland gefertigt wäre. Danach würde sie nach Syrien transportiert und dort in Betrieb genommen.

Attacke in Syrien
Giftgas nachgewiesen
Nach dem UN-Report ist erwiesen, dass am 21. August Raketen mit dem Nervengas Sarin auf Al-Ghuta, einen Vorort von Damaskus, abgefeuert wurden.
Nobelpreis 2013
Friedensnobelpreis für OPCW
Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Die OPCW habe sich über Jahrzehnte gegen den Einsatz von Chemiewaffen eingesetzt, begründete die Jury ihre Entscheidung.