"Kathedrale" Video
Die unterirdische "Kathedrale" ist 177 Meter lang und 78 Meter breit.
Der Drachenfluss schützt Tokio vor Fluten
Moderner Taifunschutz findet unter der Erde statt
"Wir hatten keine andere Wahl als das Abflusssystem so tief unter der Erde anzulegen", sagt Hochwassermanager Takashi Komiyama.
Das liegt an den topografischen Bedingungen. "Die Gegend ist viel zu dicht besiedelt, da gibt es einfach keinen Platz für überirdischen Flutschutz. Und deswegen haben wir nun das größte unterirdische System weltweit. Es gibt nichts Vergleichbares."

In der Stadt Kasukabe 20 Kilometer nödlich von Tokio befindet sich das Kontrollzentrum des Abflusssystems. Dieser "Drachenfluss" schützt die Millionenmetropole Tokio vor Überschwemmungen in der Taifunsaison. Das "Shutoken Gaikaku Hōsuiro" ("G-Cans") liegt 50 Meter unter der Erde.

Das 6,3 Kilometer lange Tunnelrohrsystem hat einen Durchmesser von zehn Metern. Zusätzlich gibt es fünf Betontanks, die "Cans", mit jeweils 65 Metern Höhe und 32 Metern Breite. Die unterirdische "Kathedrale" am Ende der Tunnel und Tanks fungiert als Druckausgleichbehälter. Sie ist 177 Meter lang und 78 Meter breit. Zum Vergleich: Die Freiheitsstaue hat eine Gesamtlänge von 92,99 Metern.

Aus dieser "Kathedrale" leiten vier Pumpen das Flutwasser kontrolliert in den Fluss Edogawa und letztlich in den Pazifik ab. Die Pumpen sind modifizierte Flugzeugtriebwerke einer Boeing 737. Mit 14.000 PS befördern sie 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das entspricht dem Inhalt eines 25 Meter langen Schwimmbeckens.

System reduziert Überflutungen um 80 Prozent
Die Bauarbeiten begannen 1993 und dauerten 15 Jahre. Das gesamte Projekt kostete 2,3 Milliarden Euro. Mehr als 60 Mal hat sich der "Drachenfluss" bereits bewährt. Die überflutete Fläche im Nordosten Tokios konnte um 80 Prozent reduziert werden. Überirdisch blockieren hüfthohe Betondämme die Eingänge von U-Bahnen und Parkhäusern. Der wahre Schutz für die Bevölkerung liegt aber unter der Erde. Eine absolute Sicherheit sei zwar trotzdem nicht gewährleistet, aber es gehe darum Risiken zu minimieren, so Komiyama. Naturgewalten seien schließlich unberechenbar.

Außerhalb der Taifunsaison öffnet "G-Cans" seine Tore für Touristen. In kostenlosen Führungen können Besucher die gigantische Halle der "Kathedrale" begutachten.

Japan wird jedes Jahr von Frühsommer bis Herbst von durchschnittlich zehn Taifunstürmen heimgesucht. Gepaart mit heftigen Niederschlägen treten dabei Flüsse über die Ufer und überschwemmen das Land weitreichend.

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