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Wenn in einer Industriegesellschaft die Lichter ausgehen, wird es eng
Kein "Plan B" für Stromausfälle
Deutschland auf Katastrophenfälle nicht vorbereitet
Auf einen großflächigen Stromausfall ist Deutschland nach Einschätzung von Experten nicht ausreichend vorbereitet.
"Die Analysen zeigen, dass die Folgen eines solchen Stromausfalls einer nationalen Katastrophe zumindest nahekommen könnten. Es bedürfte einer Mobilisierung aller internen und externen Kräfte des Bevölkerungsschutzes, um die Auswirkungen zumindest zu mildern", heißt es in einer Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Allein der Zusammenbruch der Telekommunikation, des Internets, von Rundfunk und Fernsehen hätte dramatische Folgen, so die Studie. Das batteriebetriebene Radio würde zum wichtigsten Kommunikationsmedium.

Auch der Bahnverkehr wäre massiv betroffen, Hunderte von Zügen und U-Bahnen würden liegenbleiben, zehntausende Menschen wären eingeschlossen. In Häfen wie Hamburg könnten Schiffe nicht mehr be- und entladen werden. Düster auch das Bild auf der Straße: "Aufgrund ausgefallener Ampelanlagen, Verkehrsleitsysteme und Straßenbeleuchtungen kommt es unmittelbar zu starken Behinderungen vor allem in städtischen Gebieten. Es ist eine deutliche Zunahme an Verkehrsunfällen zu beobachten - mit Verletzten und vereinzelten Todesopfern", wird in dem Bericht ausgeführt.

Das TAB hat monatelang mit Bevölkerungsschutzexperten analysiert, wie Deutschland für einen solchen Krisenfall gerüstet ist. Als Ursachen für einen Blackout wurden Netzprobleme, Naturkatastrophen oder Terrorattacken angenommen. Auslöser für die Analyse waren die Versorgungsausfälle der letzten Jahre, durch umgeknickte Masten im Münsterland 2005 oder durch den Sturm Kyrill 2007.

Die Versorgung mit Lebensmittel bräche zusammen
Die Wasserversorgung, aber auch viele der 10.000 Kläranlagen, könnten mangels Strom für die Pumpen ebenfalls kollabieren. Die Versorgung mit Lebensmitteln gelänge kaum noch. "Um Lebensmittellieferungen, ausgegebene Essensrationen oder knappe Lebensmittel in den wenigen noch betriebenen Filialen entbrennen Streitigkeiten und heftige, oft körperliche Auseinandersetzungen, die nicht immer von den Ordnungskräften geregelt werden können", heißt es. Alte, Kranke und Kleinkinder würden unter der Lage leiden.

Zudem können die 2000 Krankenhäuser sich nur kurze Zeit selbst mit Strom über Generatoren versorgen. Bereits nach 24 Stunden wäre das Gesundheitswesen massiv beeinträchtigt. Geldautomaten stünden sofort mit Beginn des Stromausfalls nicht mehr zur Verfügung.

Kosten sind in solchen Fällen schwer zu ermitteln. Als Beispiel führt die Studie einen großen Blackout am 14. August 2003 in Nordamerika auf, der sich auf acht Bundesstaaten der USA und Teile Kanadas erstreckte, über 50 Millionen Personen betraf und bis zu drei Tage andauerte. Der Schaden betrug 6,8 bis 10,3 Milliarden US-Dollar (4,8 bis 7,3 Mrd. Euro).

Als Lösung wird empfohlen, Notfallkonzepte auf den Prüfstand zu stellen - es gebe ein unübersichtliches System des Krisenmanagements in Bund und Ländern, monieren die Grünen. Zudem könnte ein Ausbau stationärer und mobiler Notstromanlagen die dramatischen Folgen etwas mildern. Und, besonders interessant mit Blick auf den Ausbau der dezentralen Stromversorgung mit erneuerbaren Energien und den Atomausstieg: "Unter Nutzung dezentraler vernetzter Stromerzeuger könnten regional begrenzte Inselnetze nach einem Stromausfall weiterhin Strom erzeugen", betonen die Experten.

Langer Ausfall in Deutschland unwahrscheinlich
Die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) in Frankfurt erklärte, in Deutschland sei das Stromversorgungsnetz wesentlich enger geknüpft als etwa in den USA. Falle irgendwo der Strom aus, werde die fehlerhafte Stelle binnen kurzer Zeit über andere Leitungen überbrückt. Die VDEW erklärte, in Deutschland dauerten Stromausfälle im Durchschnitt nur Minuten, während in Frankreich oder Italien die durchschnittliche Dauer bei etwa einer Stunde liege.

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