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21. Mai 2013
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Nach zwei Jahre Vorarbeiten geht es in Obrigheim an die strahlenden Teile
Verstrahlt, abgeräumt
Demontage von stillgelegtem "EnBW"-Reaktor
Gut sechseinhalb Jahre nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Obrigheim in Baden-Württemberg kann der Abbau der nuklearen Anlagenteile beginnen.
Die entsprechende Genehmigung habe das Stuttgarter Umweltministerium erteilt, erklärte der Energiekonzern und Kraftwerksbetreiber "EnBW" im Januar 2012. Nun könne die Entsorgung der Dampferzeuger, der Pumpen des Kühlkreislaufs und anderer Bestandteile des Kontrollbereichs beginnen. Diese sind in der Regel oberflächlich verstrahlt, aber nicht in ihrem Inneren radioaktiv belastet.

Die Demontage des hochradioaktiven Anlagenkerns, des Reaktordruckbehälters und seiner Strahlenabschirmung, wird demnach erst in einem weiteren Schritt auf Grundlage einer zusätzlichen Genehmigung erfolgen. Das kann noch Jahre dauern. Der vollständige Abriss eines Akw kann nach EnBW-Angaben Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Der Rückbau von Obrigheim begann nach dessen Abschaltung im Mai 2005. Laut EnBW sind 190 Mitarbeiter damit befasst.

Erfahrungen beim Abbau von Obrigheim sollen nach Konzernangaben künftig auch in die Demontage jener Kraftwerke einfließen, die im Zuge des 2011 beschlossenen Atomausstiegs abgeschaltet wurden. Derzeit laufen EnBW zufolge die Planungen für einen Abriss seiner Reaktorblöcke Philippsburg und Neckarwestheim 1, die gemeinsam mit sechs weiteren zumeist älteren deutschen Atomkraftwerken als Reaktion auf das Reaktorunglück im japanischen Fukushima sofort dauerhaft abgeschaltet worden waren. Alle anderen deutschen Atomkraftwerke sollen bis 2022 folgen.

Angesichts der Energiewende samt der Abschaltung einiger Reaktoren und verkürzten Laufzeiten für die übrigen stehe sein Unternehmen "vor veränderten unternehmerischen Aufgaben", erklärte Jörg Michels, der Chef der EnBW-Atomkrafttochter EnBW Kernkraft GmbH (EnKK). Der Reaktorbetrieb und gleichzeitige Rückbau von Meilern an demselben Kraftwerksstandort sei auf Jahrzehnte hinaus eine "wichtige Zukunftsaufgabe" seines Unternehmens.

Zwei Jahre lang unverstrahlte Teile abgebaut
Seit 2009 sind Fachleute damit beschäftigt, das alte Kraftwerk abzubauen. Mehr als zehn Jahre werden die Arbeiten dauern und 500 Millionen Euro kosten. 275.000 Tonnen Material müssen abgebaut werden, darunter 2300 Tonnen radioaktiver Abfall. Die Demontage hat in Obrigheim mit den nicht-nuklearen Teilen des Meilers begonnen, zum Beispiel mit dem Maschinenhaus und dem Überwachungsbereich. In einem zweiten Schritt stehen die leicht kontaminierten Anlagenteile des Kontrollbereichs auf dem Programm.

Von dort an geht es unter anderem mit Hilfe einer Fernbedienung oder auch mit Arbeiten unter Wasser an Teile wie das Druckgefäß, das dem Neutronenbeschuss direkt ausgesetzt war. Im vierten Abschnitt kommen die Hilfseinrichtungen wie Kräne, Lüftungen sowie Anlagen zur Wasseraufbereitung und zur Reinigung dran.

Nur sehr wenige Teile des ehemaligen Kernkraftwerks sind so stark verstrahlt, dass sie nicht gereinigt werden können. Ein Großteil landet in einer Wasserstrahlkabine, wo sie mit Hochdruck gesäubert werden, so dass sie anschließend wie normaler Abfall entsorgt werden können.

Forscher der Uni Karlsruhe haben einen Fräsroboter entwickelt, der die verstrahlte Oberfläche des Betons entfernt, so dass diese getrennt von den schwach oder nicht belasteten tieferen Schichten entsorgt werden kann. Das helfe beispielsweise in einem Atomkraftwerk wie Würgassen, in dem "140.000 Quadratmeter Wände, Böden und Decken dekontaminiert werden müssen", schildert Prof. Sascha Gentes. Dresdener Forscher wollen das statt mit einer Edelstahlsäge mit Lasern erreichen.

Eine "grüne Wiese" wird der Standort allerdings auch nach der Demontage des Kraftwerks nicht: Die 342 abgebrannten radioaktiven Brennelemente könnten bis zu 40 Jahre lang in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände bleiben. Kritiker fürchten, dass die Castor-Behälter mit dem Atommüll undicht werden und dann die Umwelt verstrahlen könnten.

Kernkraft
AKWs stillzulegen dauert viele Jahre
Eins der größten Stilllegungs-Projekte von Atomkraftwerken (AKWs) liegt laut Deutschem Atomforum in Mecklenburg-Vorpommern.
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