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Arbeiten am Gleis Video
Die Bahn will vor allem die eingleisigen Strecken in Ostdeutschland nachrüsten
Sicher auf dem Gleis
Technische Systeme gegen kollidierende Züge
"Wir brauchen keine Basisstation und kein Kabel entlang der Strecke", wirbt Prof. Thomas Strang für sein System, das verhindern soll, dass Züge zusammenprallen.
Das "Railway Collision Avoidance System" (RCAS) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) setzt auf Funk. Die Züge tauschen Informationen zu Position, Geschwindigkeit, geplanter Streckenführung und Lademaß aus, sobald sie in Funk-Reichweite sind. "Stellt das System einen drohenden Zusammenstoß fest, warnt es den Triebfahrzeugführer und unterstützt ihn mit Lösungsmöglichkeiten", erklärt Strang.

"RCAS ist für Strecken und Situationen vorgesehen, in denen heute gar keine Sicherung eingesetzt wird wie Strecken mit sehr geringem Verkehrsaufkommen, reine Industriebahnen, Baustellen oder Rangierbereiche", so DLR-Schienenverkehrsforscher Dr. Michael Meyer zu Hörste.

Europäisches Zugleitsystem wird ausgebremst
RCAS solle keineswegs das einheitliche europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem "("European Train Control System", ETCS) ersetzen: "RCAS ist ein typisches Ergänzungssystem: Zugleit- und Sicherungssysteme verhindern Zusammenstöße bereits erfolgreich. RCAS kann als 'Safety-Overlay' die Sicherheit dort erhöhen, wo die herkömmliche Sicherungstechnik nicht zum Einsatz kommt." Deutschland will die Einführung des europäischen Zugleitsystems ETCS wegen der milliardenschweren Kosten aufschieben und zunächst zu einer günstigeren Übergangstechnik greifen.

Bei Neu- und Ausbauprojekten werde ETCS selbstverständlich eingeplant, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums im Juli 2011. Daher sollten auf bestehenden Trassen vorerst Zusatzgeräte in Zügen ermöglichen, dass sie unkomplizierter durchs Transitland Deutschland rollen können.

Das künftige europäische ETCS-System muss auf Hunderten Gleiskilometern installiert werden. Es soll nach Plänen der EU-Kommission einen gemeinsamen Standard schaffen, um den grenzüberschreitenden Verkehr von Reisenden und Fracht in Europa zu erleichtern. Die vier europäischen Korridore verlaufen auch über lange, bereits gebaute Abschnitte in Deutschland. Darunter ist die wichtige Trasse für Güterzüge Rotterdam - Basel - Genua. Alle vier Korridore in Deutschland voll mit ETCS auszustatten, dürfte selbst über einen Zeitraum von zehn Jahren nicht darstellbar sein, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Bisher sind auf dem 34.000 Kilometer langen deutschen Netz zwei Systeme verbreitet. Auf Strecken, die für Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde zugelassen sind, gibt es die "Punktförmige Zugbeeinflussung" (PZB), die einen Zug beim Überfahren eines Haltesignals automatisch bremst. Ab Tempo 160 ist die "Linienzugbeeinflussung" (LZB) vorgeschrieben. Dabei liegt auf der ganzen Strecke ein Kabel inmitten der Gleise. Darüber werden Fahrtdaten nicht nur punktuell, sondern ständig kontrolliert.

Bahn rüstet Strecken für 100 Millionen Euro nach
Nach dem Zugunglück Ende Januar 2011 in Sachsen-Anhalt will die Deutsche Bahn 100 Millionen Euro zusätzlich in die Sicherheit des Schienennetzes investieren. Wie ein Bahnsprecher bestätigte, beschloss der Bahn-Vorstand im März 2011 die technische Nachrüstung von 3000 Kilometer meist eingleisiger Strecken mit dem System "Punktförmige Zugbeeinflussung" . Bisher waren dem Sprecher zufolge nur Strecken in Deutschland mit PZB ausgestattet, bei denen Züge mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Schwerpunkt der Umrüstung ist dem Sprecher zufolge Ostdeutschland. Mit den Arbeiten wolle die Bahn "umgehend" beginnen. Sie sollen möglichst bis 2013 abgeschlossen sein.

Bei dem Zugunglück 29. Januar nahe Hordorf waren zehn Reisende ums Leben gekommen und mehrere verletzt worden. Auf der eingleisigen Strecken waren ein Güterzug und ein Personenzug frontal zusammengestoßen. Die Strecke dort war nicht durch ein elektronisches System gesichert.

Glossar
Sicherungssysteme der Deutschen Bahn
Die wichtigste Verkehrsregel auf der Schiene klingt einfach: Es darf immer nur ein Zug in einen freien Streckenabschnitt.
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