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Leute vor abgehölzten Bäumen Video
Hier wuchs Energie: Bauern können auch Pappeln und Weiden ernten
Strom aus dem Wald ist kein Holzweg
Positive Bilanz beim Feldversuch in Sachsen
Diplom-Agaringenieur Michael Grunert vom sächsischen Landesamt für Umwelt zieht eine positive Bilanz zum Anbau von Energieholz.
"Der Brennwert dieses Holzes ist pro Kilogramm Trockenmasse ähnlich einzuschätzen wie Nadelholz, so dass diese Baumarten gleich gut geeignet sind für die energetische Verwertung", sagt Grunert. Im Pilotversuch in der Hohburger Schweiz östlich von Leipzig habe sich der Anbau von Weiden und Pappeln auch für die Umwelt gelohnt: Düngen sei überflüssig, durch die Ernte im Winter entweiche auch das klimaschädliche Lachgas nicht.

Biomasse-Plantagen brauchen kurze Wege
Pappeln Video
RWE zieht Pappeln, um Biomasse verheizen zu können
Biomasse und damit Energie aus Holz lohnen sich, wenn der Boden keine Lebensmittel hervorbringen kann und die Transportwege kurz sind. Das zeigt eine Studie des deutschen Bundesamts für Naturschutz. Zudem dürfe man die Flächen nicht düngen. Solche Wälder erhöhten auch die biologische Vielfalt. 75 Millionen schnellwachsende Bäume wie Pappeln will RWE pflanzen. Die größten Flächen liegen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

"Wir achten darauf, dass wir eine Plantage immer nur in einer Entfernung von maximal 150 Kilometern anlegen", schildert Tobias Cremer vom Energieunternehmen RWE. "Nur so ist ein wirtschaftlicher Transport der Hackschnitzel zum Biomasseheizkraftwerk gewährleistet."

Verband beklagt Holz-Raubbau für Energie
Der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) beklagt einen zunehmenden Raubbau beim heimischen Rohstoff Holz. Dabei sieht die Branche die Wälder vor allem durch eine "ungezügelte Förderung" von Biomasse-Anlagen bedroht, die zu 85 bis 90 Prozent Holz verarbeiten, um Strom zu erzeugen. 2009 sei bereits mehr als die Hälfte des Brennstoffes solcher Anlagen naturbelassenes Holz gewesen, sagte der VHI-Geschäftsführer Dr. Peter Sauerwein. Ursprünglich sollte aber nur Alt- oder Recycling-Holz wie Bahnschwellen verbrannt werden. "Die Menge an Anlagen hat dazu geführt, dass der Bedarf unheimlich gestiegen ist, was wiederum den Holzpreis in die Höhe trieb." Sauerwein versteht seine Kritik nicht als Votum gegen Biomasse, hält aber eine andere Reihenfolge in der Verwertung für notwendig. Demnach müsse das Holz zuerst in der Industrie verarbeitet werden und dürfe lediglich als Altholz zur Verbrennung kommen.

"Unser Ziel ist, den Kreislauf erst stofflich, dann energetisch zu forcieren. Alles gleich zu verbrennen ist der falsche Weg", sagte Sauerwein. "Das führt dazu, dass die Verbrennung von Holz wahnsinnig zunimmt. Der Umwelt und dem Klima hilft das überhaupt nicht."

Nach Angaben Sauerweins ist der Wald erstmals seit Jahrzehnten wieder an seiner Leistungsgrenze angelangt. Dies führe bereits heute zu Lieferengpässen. Laut Prognosen wird der Fehlbedarf an Holz in Europa bis 2020 auf 430 Millionen Kubikmeter wachsen, in Deutschland auf etwa 30 Millionen Kubikmeter jährlich. Das Dilemma lasse sich nur verhindern, indem man das Potenzial realistisch einschätze.

"In Deutschland wird inzwischen 93 Prozent des Holzaufwuchses genutzt. Da kann man sich in der Politik nicht hinstellen und sagen: Das lässt sich noch verdoppeln", sagte Sauerwein. "Die Mengen, die benötigt werden, um die Biokraftwerke zu füttern, sind einfach nicht vorhanden", stellte der Geschäftsführer klar.

Interaktiv
Mythos Wald
Ob in den Wipfeln, unter der Rinde, im Unterholz oder unter den Wurzeln - im Wald lässt sich viel mehr entdecken, als man gemeinhin zu sehen bekommt.
Glossar
Deutscher Energiemix
Die fossilen Energieträger Kohle und Erdgas dominieren die deutsche Stromerzeugung. Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch.
Wald unter Druck
Bäume enden im Kamin oder in der Heizung
"Der Wald gerät immer mehr unter Druck", meint der Vorsitzende des Umweltverbands BUND, Hubert Weiger.
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