Windräder Video
Mehr Strom aus Windenergie soll in Zukunft in der Nordsee gewonnen werden
Die Kraft des Windes fließt unter dem Meer
Acht europäische Länder arbeiten zusammen daran
Deutschland will zusammen mit acht Ländern Europas an der Nordseeküste ein riesiges Stromnetz aufbauen, um Strom aus Windenergie zu befördern.
120 Kilometer vor der deutschen Nordseeküste sind riesige Windparks geplant - weiter weg als je zuvor. Um den Strom über diese lange Strecke zu transportieren, bedarf es einer neuen Technik. Das Milliarden-Projekt zum Ausbau der Öko-Energie steht aber noch in den Startlöchern. Doch es soll laut der Bundesregierung Signalwirkung haben.

Erstmals arbeiteten alle EU-Nordsee-Staaten bei der Anbindung von Windkraftanlagen auf See (Offshore) an die Stromnetze zusammen. "Ziel ist ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz", erklärte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) Anfang Januar 2010.

"Wir könnten mit dem Wind aus der Nordsee den gesamten Strom für Deutschland machen - vom Potential her", sagt Prof. Olav Hohmeyer von der Uni Fensburg. "Wir haben dort eine große Ressource, die aber über Entfernungen von 1000 und mehr Kilometer transportiert werden muss. Dafür ist das Netz im Moment nicht ausgelegt - einerseits von der technischen Auslegung für die Entfernung und andererseits für das mögliche Volumen, was wir übertragen können."

Umspannwerk im Meer erzeugt den Gleichstrom
Containerschiff Video
Mit einem großen Schiff kamen die Einzelteile des Umspannwerks in Meer
Ein Umspannwerk in der Nordsee soll den Wechselstrom, den die Windräder erzeugen, direkt in Gleichstrom umwandeln. Gleischstrom lässt sich über weite Strecken besser und mit weniger Verlusten transportieren. 200 Kilometer Spezialkabel transportieren den Strom an Land zu einem weiteren Umspannwerk, das den Strom erneut umwandelt und ins Stromnetz einspeist.

Die Idee wurde von Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten auf den Weg gebracht. Anfang Dezember 2010 wurde sie politisch auch von Großbritannien, Dänemark, Irland, Luxemburg und Norwegen unterstützt. Nach Angaben der "European Wind Energy Association" (EWEA) könnte ein 6000 Kilometer langes Netz bis zu 30 Milliarden Euro kosten. Der Netzaufbau könnte zehn Jahre dauern.

Die Hoffnungen sind groß: Mit dem Zusammenschluss könnten die schwankenden Strommengen einzelner Ökostrom-Projekte international ausgeglichen werden. Da große Strommengen nicht gespeichert werden können, muss der Windstrom über neue Netze in die Ballungszentren im Westen und Süden transportiert werden. Überall in der Nordsee bauen Energiekonzerne und Investoren derzeit große Windparks.

"alpha ventus" seit August 2009 in Betrieb
Seit August 2009 speist der erste deutsche Offshore-Windpark "alpha ventus" Strom ins deutsche Netz ein. Die zwölf Windräder, die nördlich von Borkum in der Nordsee stehen, sollen 50.000 Haushalte mit Strom versorgen. Bis Mitte November 2009 waren nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) insgesamt 22 Offshore-Windparks genehmigt worden - 19 in der Nordsee und drei in der Ostsee. Die EU-Kommission hatte kürzlich 1,5 Milliarden Euro unter anderem zur Förderung der Windkraft auf See zur Verfügung gestellt.

Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee könnten Windparks vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden. Mit dem gemeinsamen Netz könnten Wetterschwankungen in verschiedenen Regionen ausgeglichen werden. Eine verlässliche Versorgung mit Windstrom auch in Spitzenzeiten wäre so möglich.

"Klimawandel mit regenerativen Energien aufhalten"
"85 Prozent der gesamten Verursachung des Klimawandels in Deutschland stammen aus den Emissionen von Kohlendioxid, aus der Nutzung fossiler Energieträger", erklärt Hohmeyer. "Da müssen wir unbedingt heraus. Und wir haben zwei nachhaltige Wege das zu tun: Unseren Einsatz von Energie sehr viel effizienter zu machen und zweitens die Nutzung aller regenerativen Energieträger."

Bald wollen sich die beteiligten Staaten des Ökostrom-Netzes treffen, um zusammen mit der Energiewirtschaft die Umsetzung des Projekts zu beraten. Noch 2010 soll eine Absichtserklärung unterschrieben werden. Die Branche sieht das Projekt positiv. Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE erklärte: "Wir begrüßen jede Initiative, die den Ausbau der erneuerbaren Energien und speziell der Offshore-Windenergie unterstützt" Wichtig sei eine europäische Lösung.

Für die geplante Größe der Anlage können sich nur Stromriesen wie RWE, "E.on" oder Vattenfall leisten. Die Energiekonzerne haben zwei Drittel der geplanten Offshore-Fläche unter sich aufgeteilt. "Solche Investitionen wie im Bereich der Offshore-Windenergie wollen und müssen nichts anderes als ganz normale Kraftwerke", so Hohmeyer. Sie seien einfach große Anlagen, die im Endausbau 400 Megawatt Leistung haben. Diese könnten "schon einmal eine Milliarde Euro kosten. Aber wenn Sie ein Kohlekraftwerk mit 800 Megawatt Leistung bauen, kostet das auch weit über eine Milliarde Euro." Man befände sich in derselben Größenordnung.

In Deutschland decken erneuerbare Energien bereits bis zu 16 Prozent des Stromverbrauchs. 2009 stieg die Ökostrom-Produktion nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht auf 93 Milliarden Kilowattstunden an. Die Windenergie liegt dabei auf Platz eins. Ihr Gesamtanteil lag 2009 bei 6,4 Prozent, gefolgt von Biomasse mit 4,4 Prozent und Wasserkraft mit 3,3 Prozent.

hitec-Dokumentation
Das Stromnetz von morgen
Am 25.01.2010, 21.30 Uhr sowie am31.01.2010, 16.00 Uhr in 3sat
Schwerpunkt Windenergie
© dpaViele hoffen, dass bald Windkraft"der" Strom ist
Die Windkraft ist auf dem Vormarsch und bietet Exportchancen, so der "Bundesverband WindEnergie" (BWE). Global sei bis 2020 mit Zunahme der Windenergiekapazität von 58.000 auf 1,25 Millionen Megawatt zu rechnen.
mehr zum Thema