Forscherin hält Müll Video
Vor allem ostasiatische Staaten sind für den Müll im Meer verantwortlich
Meere voller Plastik
Müllmenge könnte sich bis 2025 verdoppeln
Bis zu 30 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landen jedes Jahr in den Ozeanen, schätzt das deutsche Umweltbundesamt. Doch an der Oberfläche treibt nur ein Bruchteil davon.
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Wohlstandsmüll im MeerWohlstandsmüll im Meer
Der MüllfischerVideoDer Müllfischer

Plastikmüll im Meer - eine Bestandsaufnahme
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Arktis © AWIArktis

Die Länder, aus denen der meiste Müll stammt, sind China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Sri Lanka. Die USA liegen auf Platz 20 und sind damit auch das einzige Industrieland in den Top 20. Die Schätzungen basieren auf der Müllmenge, die in den 192 Ländern mit einer Meeresküste pro Kopf produziert wird. Berücksichtigt wurde in dem Rechenmodell zudem der geschätzte Anteil an Plastikmüll und die Menge des Mülls, der nicht fachgerecht entsorgt wird.

Zerkleinert zu Mikroplastik sinkt er Richtung Meeresgrund, wird von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen - und kann so auch wieder auf unseren Tellern landen. Noch ist völlig ungeklärt, ob die winzigen Partikel für die menschliche Gesundheit gefährlich sind. Trotzdem fordern Wissenschaftler einen radikalen Wandel im Umgang mit Plastik.

Als Mikroplastik gelten winzige Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie entstehen zum einen, weil der Plastikmüll mit der Zeit im Wasser zerschrotet oder durch Wellen und UV-Strahlung zerkleinert wird. Die Partikel gelangen aber auch auf direktem Weg ins Meer: Feines Plastikgranulat wird häufig in Kosmetikprodukten wie Peelings, Duschgels oder Zahnpasta verwendet. Auch beim Waschen synthetischer Kleidung wird Mikroplastik freigesetzt.

Mikroplastik gefährdet winzige Lebewesen
Grafik Lupe
Plastikpartikel sammeln Giftstoffe aus dem Wasser
"Mikroplastik ist mittlerweile überall angekommen, sei es in Fischen, Garnelen oder Zooplankton", sagt der Helgoländer Meeresbiologe Gunnar Gerdts. Das Umweltbundesamt warnt in seiner Studie: "Mikropartikel, deren Größe kleiner als fünf Millimeter ist, können genauso wie größere Kunststoffteile zu mechanischen Verletzungen des Verdauungstraktes führen, die Verdauung behindern sowie die Nahrungsaufnahme blockieren."

Völlig ungeklärt sind dagegen noch die Auswirkungen für den Menschen, wenn er etwa mit Mikroplastik belastete Meeresfrüchte isst. "Wir wissen immer noch nicht, wie gefährlich das ist", sagt Gerdts. Bislang sei nur in Einzelfällen nachgewiesen worden, dass Mikroplastik in Fischen vom Darm ins Muskelgewebe übergeht. Ob in Fisch, wie er auf dem Teller landet, also überhaupt Mikroplastik enthalten ist, sei unklar. Es könne zudem sein, dass Mikroplastik auf ganz anderen Wegen zum Menschen gelange - etwa durch Feinstaub in der Luft. "Wir sind ja überall von Kunststoff umgeben", sagt Gerdts.

Zudem haben Forscher herausgefunden, dass Kläranlagen Mikroplastik kaum zurückhalten. Besonders Fasern wie von Fleecepullovern seien häufig im Wasser gefunden worden, erklärt Gerdts. Der Wissenschaftler bezeichnet die Studie allerdings als Momentaufnahme, der weitere Untersuchungen folgen müssten.

Für Gerdts ist klar: "Es ist besser, etwas gegen die Ursachen zu unternehmen und nicht erst, wenn das Mikroplastik im Gewässer ankommt." Zum einen müssten vermehrt Kunststoffe eingesetzt werden, die biologisch abbaubar sind. Zum anderen liege die Lösung in einem radikalen Wandel des Konsumverhaltens. "Da hilft es, das Gehirn einzuschalten und zu überlegen, was man im eigenen Handeln und Tun verändern kann - zum Beispiel im Supermarkt mal eine Plastiktüte weniger mitnehmen."

Expeditionen dokumentieren Müll in Weltmeeren
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Egal, wohin Meeresbiologen reisen - der Plastikmüll ist schon längst da
Vor allem unvergängliches Plastik verschmutzt die Gewässer, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) und der Schutzorganisation "Ocean Conservancy" anklagt. Plastik, vor allem in Form von Tüten und PET-Flaschen, sei rund um den Globus der am weitesten verbreitete marine Müll und mache in manchen Meeren bis zu 80 Prozent aller Abfälle aus. Auch das Rauchen trägt demnach erheblich zur Verschmutzung der Meere bei. Mit mehr als 25 Millionen Stück stellten Zigarettenfilter und Zigaretten sogar den größten Anteil an den 103 Millionen Stück marinem Müll, die für die Untersuchung katalogisiert wurden.

Wie viel Müll insgesamt in den Ozeanen schwimmt, wurde schon in früheren Studien berechnet. Laut einer Studie, die im August 2014 veröffentlicht wurde, treiben allein 269.000 Tonnen Plastikmüll an der Wasseroberfläche.

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VideoZugemüllt
Der Biologe Nils Guse und der Geograf Stefan Weiel finden immer mehr Plastikmüll auf Helgoland, der den Vögeln auf der Insel nachhaltig schadet. (Beitrag vom 21. November 2014)
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VideoEine Karte des Mülls
Forscher versuchen, den Plastikmüll im Meer zu kartieren (Beitrag vom 29. August 2011).
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VideoMeere voller Plastik
2010 gelangten acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane. Die Länder, aus denen der meiste Müll stammt, sind China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Sri Lanka. (Beitrag vom 5. November 2013)
Literatur
Jambeck J et al (2015) Plastic waste inputs from land into the ocean. Science Vol 347 no 6223 768-771
Mikroplastik weit verbreitet
Der Fleece-Effekt
Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung reduzieren, sagen Bremerhavener Meeresforscher.
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Kann man heute weitgehend auf Plastik verzichten? Die Tippsammlung "Besser leben ohne Plastik" gibt Anregungen, wie erste Schritte in diese Richtung sogar Spaß machen können.
Glossar
Kunststoff
Fast alle Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Kunststoffen. Der am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polythen, das in Plastiktüten oder Mülltonnen steckt.