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Auf Nofretets Platz in Berlin herrschen inzwischen optimale Lichtverhältnisse
Lichtplanerin findet das beste Licht für Nofretete
"Sie ist das empfindlichste Objekt bisher gewesen"
Lichtplanerin Gabriele von Kardorff hat zur Eröffnung des Neuen Museums in Berlin die optimale Ausleuchtung für Nofretete gefunden. Zehn Jahre lang hat sie am Licht für die ägyptische Schönheit zu gearbeitet.
"Sie ist das empfindlichste Objekt, was wir bisher ausgeleuchtet haben", sagt von Kardorff, die Licht als vierte Dimension der Architektur sieht. "Nofretete ist durch diese experimentell entwickelte optimale Beleuchtung vom hübschen Topmodel zu einer schönen Frau geworden", sagt Dietrich Wildung, Direktor Ägyptisches Museums von 1989-2009.

Gabriele von Kardorff wollte ein perfektes Zusammenspiel zwischen Tageslicht und Kunstlicht erreichen. Es sollte sowohl am Tag als auch über das gesamte Jahr hinweg mit den Ausstellungsobjekten funktionieren. "Das war eine große Herausforderung", erinnert sich die Lichtplanerin. Sie musste die Architektur des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert einbeziehen.

Mit so wenig Energie wie möglich sollte sie auskommen, war eine weitere Vorgabe. "Wir haben hier 32 Profilscheinwerfer, jeder ist mit einer 150 Watt- Lampe bestückt", erklärt von Kardorff die Schweinwerfe-Ausrichtung im "Griechischen Hof". "Wir haben in der Summe eine Anschlussleistung von nicht einmal 5000 Watt." Vergleichte man das mit Geräten des täglichen Lebens, entspräche es der Leistung von zwei Föhnen.

Fältchen in ihrem Antlitz machen es ausdrucksstark
Nofretete © ap Lupe
Erst spät kamen die Fältchen im Gesicht der Frau zum Vorschein
"Wir wissen erst jetzt, dass der Bildhauer Nofretete nachträglich zarte Falten in die Gesichtspartie gearbeitet hat, insbesondere rund um die Augen", sagt Wildung. "Dadurch bekommt die Darstellung einen hohen Grad an Individualität und Ausdrucksstärke." Wildung weiß seit Sommer 2006 um Nofretetes kleines Geheimnis. Nach sorgfältiger Abwägung hatten Wissenschaftler im Juli 2006 ihre Zustimmung zur "Durchleuchtung" der fragilen, 50 Zentimeter hohen Büste gegeben - in Zusammenarbeit mit Filmteams von National Geographic und dem ZDF. "Im Vordergrund stand der Erkenntnisgewinn", betont der Ägyptologe. Vermutet hatten die Wissenschaftler schon länger, dass Nofretetes Abbild nicht allein aus einem Kalksteinrohling besteht, sondern eine Art "zweites Gesicht" haben könnte.


Für die Forscher bleibt das Alter Frau ein Rätsel
Königin Nofretete gilt als eine der schönsten Frauen der Welt. Sie war die Gemahlin des ägyptischen Pharaos Echnaton, der um 1350 vor Christus regierte. "Die Schöne gibt uns noch viele Geheimnisse auf", sagt Wildung. So wissen die Wissenschaftler nicht, ob sie Ägypterin war oder aus Vorderasien stammte. "Wir wissen auch nicht, in welchem Alter sie geheiratet hat und ob sie ihren Mann überlebte." Es bleibt ein Rätsel, wie alt Nofretete gewesen sein mag, als Echnatons Bildhauer Thutmosis ihr Antlitz in Kalkstein und Gips verewigte.

Der deutsche Archäologe Ludwig Borchhardt hatte die Büste 1912 bei Grabungen in Ägypten entdeckt. Sie wurde dem deutschen Grabungsteam zugesprochen und nach Deutschland verschifft. Dort stellte sie der Grabungsfinanzier James Simon erst einmal in seine Wohnung. 1920 schenkte er die Büste dem preußischen Staat, seit 1924 war sie an verschiedenen Standorten ausgestellt.

Seit fast 100 Jahren gibt es um das Kunstwerk aber auch Streit. Ägypten bemüht sich immer wieder um eine Rückkehr Nofretetes. Museumsdirektor Wildung beobachtet die Besucher der Sammlung aus seinem benachbarten Zimmer gern beim Betrachten der Schönheit aus Ägypten. "Das ist nicht einfach ein schönes Gesichtchen", sagt er. "Die Leute sind sehr still und richtig ergriffen von diesem Kunstwerk."

Info
Am 17. Oktober 2009 öffnen sich nach 70 Jahren auf der Museumsinsel die Präsentationen zu Ägypten und zur Vor- und Frühgeschichte der Menschheit.
Schwerpunkt
Pharao, der Erbe der Götter mit absoluter Herrschaft
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