Schüler auf dem Schulhof Video
Privatschulen erfreuen sich vor allem in Ostdeutschland großer Beliebtheit
"Privatschulen - nicht immer die bessere Wahl"
Auch staatliche Schulen wagen innovative Methoden
Privatschulen sind nicht unbedingt immer bessere Schulen als staatliche, hat der Bildungsforscher Prof. Manfred Weiß herausgefunden.
"Nach unseren Untersuchungen zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede in den Leistungen", erklärt der Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) . "Bei den Realschulen haben die privaten Einrichtungen etwas die Nase vorn. Bei den Gymnasien sind die 15-Jährigen der staatlichen Schulen leistungsmäßig etwas besser." Er hat für seine Studie Schüler verglichen, die einen ähnlichen sozialen Hintergrund und intellektuelle Voraussetzungen haben.

"Nur ein geringer Teil der Privatschulen verfolgt tatsächlich innovative Konzepte", stellt der Bildungsforscher fest. "Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der allgemeinbildenden Privatschulen handelt es sich um Ersatzschulen. Der größte Teil davon ist in Trägerschaft der Kirchen. Diese Schulen zeichnen sich eher durch eine traditionelle pädagogische Orientierung aus als durch innovative Konzepte."



Alle Kinder sollen die gleichen Chancen bekommen
Die These, je mehr Privatschulen ein Schulsystem habe, desto besser das Resultat, müsse infrage gestellt werden, sagte der Mainzer Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich am 27. März 2009. "Möglicherweise sind andere Faktoren wichtiger." Ursachen für das in Studien nachgewiesene bessere Schulklima seien vielmehr die Zusammensetzung der Schülerschaft sowie die höhere Identifikation von Schülern und Eltern mit der Schule.

"Wenn man sozialpolitisch denkt, wird man die Sorge nicht los, dass die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinandergeht", sagte der Erziehungswissenschaftler: "Die staatlichen Schulen haben in Deutschland eine hohe integrative Funktion." Das Schulsystem könne aber von den Privatschulen lernen und beispielsweise häufiger Zweisprachigkeit und internationale Abschlüsse anbieten. "Aber man sollte sehen, dass es bei Bildungsgerechtigkeit bleibt, so dass jedes Kind die Chance hat, in staatlichen Schulen so weit zu kommen wie in privaten Schulen."

Naturgemäß spielt in der Debatte über die Rolle der Privatschulen im deutschen Schulsystem auch das Thema Geld und Chancengleichheit eine Rolle. Im Gegensatz zu den kostenlosen staatlichen Schulen werden für den Besuch von Privatschulen Gebühren fällig - für eine private Halbtagsschule laut VDP 150 Euro pro Monat, für einen Ganztagesplatz 300 Euro. Dabei schwanken die Beträge stark: Während sie etwa bei kirchlichen Trägern geringer sein können, können sie etwa bei internationalen Schulen auch auf mehr als tausend Euro steigen.

Privatschulen beliebt in Ballungszentren und Osten
Schüler auf Schulhof Lupe
Vor allem in den großen Städten entstehen Privatschulen
Privatschulen boomen in Deutschland vor allem in den Ballungszentren und im Osten. "Wir haben zwei ganz unterschiedliche Wachstumsregionen", so Ullrich. "Wir haben die Ballungsräume in Westdeutschland, und ich zähle Berlin dazu, in denen sich die neuen Typen stärker international ausgerichteter Schulen entwickeln", so der Schulforscher.

"Im Osten sind erstaunlicherweise kirchliche, vor allem evangelische Schulen entstanden, und zwar mehr, als es im Westen gibt." 147 der rund 290 evangelischen Privatschulen fänden sich in den neuen Bundesländern. In Frankfurt, Hamburg, Berlin, München und Düsseldorf seien dagegen besonders zweisprachige, ganztägige Grundschulen gefragt, die internationale Abschlüsse bieten: "Jeder zehnte Frankfurter Grundschüler geht heute an der staatlichen Grundschule vorbei, in Potsdam jeder vierte."

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