Bier © 123rf
Erst Bier, dann Wein - oder besser umgekehrt? Dem "Kater" ist es egal.
Erst Bier, dann Wein - oder besser umgekehrt? Dem "Kater" ist es egal.
Trinken für die Wissenschaft
Erst Bier, dann Wein - lässt sich so ein Kater vermeiden?
Nein, "Wein auf Bier, das rate ich Dir" ist einer neuen Studie nach kein guter Rat. Tatsächlich hat die Reihenfolge der Getränke keinen Einfluss auf das Ausmaß des drohenden Katers.
© dpa
Ein Forscherteam der Universität Witten/Herdecke hat sich dem Sprichwort "Bier auf Wein, das lass' sein - Wein auf Bier, das rate ich Dir" mal angenommen. Zum einen wollten sie wissen, ob die Reihenfolge, in der alkoholische Getränke konsumiert werden wirklich einen Einfluss auf das Befinden am nächsten Tag hat, zum anderen ging es ihnen aber auch darum einen genaueren Blick auf die kurzfristigen Folgen von zuviel Alkohol zu werfen. Denn während die Langzeitfolgen mittelerweile sehr umfassend erforscht sind, gibt es zum morgendlichen Kater noch wenige Erkenntnisse. Der Schaden für die Wirtschaft durch verkaterte Mitarbeiter ist ebenfalls noch wenig erforscht, aber wohl nicht zu unterschätzen.

Mit Lagerbier und Weißwein auf 1,1 Promille
Rund 90 gesunde "Testtrinker" im Alter von 19 bis 40 Jahren, Männer und Frauen zu gleichen Teilen, wurden in drei Versuchsgruppen eingeteilt. Eine Gruppe trank am ersten Testtag erst Bier (Lagerbier) und dann Wein (Weißwein), eine Gruppe erst Wein und dann Bier. Der Umstieg auf das jeweils andere Getränk erfolgte nach 0,5 Promille, erreicht werden sollten insgesamt 1,1 Promille. In der Kontrollgruppe entschieden sich die Probanden für nur Wein oder nur Bier. Nach einer Woche tauschten an einem zweiten Testtag Gruppe 1 und 2 jeweils die Getränkereihenfolge. Für möglichst gut vergleichbare Ergebnisse den morgendlichen Kater betreffend wurde auch sonst für gleiche Bedingungen gesorgt: Schlaf, Essen und Trinken (Wasser) gab es in der Testphase für alle gleich viel - angepasst an das Körpergewicht.

Wie schlimm ist der Kater am nächsten Morgen?
Die Auswertung des Gelages im Auftrag der Forschung erfolgte durch Blut- und Urinproben sowie eine ausführliche Befragung zum Befinden am nächsten Morgen. Dabei sollten die Teilnehmer ihre Katersymptome (Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel etc.) einschätzen. Das recht eindeutige Ergebnis: Die Reihenfolge der Getränke spielt keine Rolle, das Sprichwort ist wissenschaftlich widerlegt. Eine weitere, wenig überraschende Erkenntnis: so ein Kater ist echt unangenehm. Und je schlechter man sich bereits am Abend fühlt, desto schlimmer geht es einem am nächsten Morgen. Wer an sein Limit geriet und sich übergeben musste, der hatte am nächsten Tag auch einen heftigen Kater.

Studie
Köchling J Geis B et al (2019) Grape or grain but never the twain? A randomized controlled multiarm matched-triplet crossover trial of beer and wine, The American Journal of Clinical Nutrition, nqy309, https://doi.org/10.1093/ajcn/nqy309
Glossar
Ethanol (C2H5OH) - der Alkohol lässt sich trinken
Der berauschende Bestandteil alkoholischer Getränke ist Ethanol (C2H5OH). In kleineren Mengen wirken alkoholische Getränke anregend, in größeren berauschend.
Alkoholkonsum
Neue Obergrenze
Beim regelmäßigen Konsum von mehr als 100 Gramm reinem Alkohol steigt die Gesamtsterblichkeit deutlich an.