Schwamm <i>(Porifera)</i>
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Ein Schwamm (Porifera) ist vielleicht das erfolgreichste Lebewesen der Erdgeschichte.
"Blaue Apotheke"
Die Artenvielfalt im Meer ist eine wichtige Ressource für die Medizin
Neue Antibiotika oder auch Mittel gegen Krebs - Forscher erhoffen sich viele neue Wirkstoffe aus dem Meer.
Dank neuer technologischer Möglichkeiten wird dieses Potenzial seit einigen Jahren verstärkt genutzt. Insbesondere Deutschland hat sich aus dem Meer gewonnene Wirkstoffe patentieren lassen. Ärmere Länder ziehen hingegen den Kürzeren. Auch um diese Ressourcenverteilung soll es bei den Verhandlungen über ein UN-Abkommen zum Hochseeschutz gehen. In vier Verhandlungsrunden soll bis zum Jahr 2020 geregelt werden, wie die Seegebiete, die nicht zum Hoheitsgebiet einzelner Nationalstaaten gehören, künftig geschützt werden. Diese Meeresgebiete machen immerhin fast 46 Prozent der Erdoberfläche aus. Seit den 1980er Jahren interessieren sich zunehmend Unternehmen für diese Gebiete mit ihrer riesigen genetischen Vielfalt.

Löwenanteil aller Patente liegt beim Konzern BASF
Laut einer Studie ist die Zahl der Patente auf Grundlage von marinen Lebewesen in den vergangenen 15 Jahren massiv angestiegen. Angemeldet werden sie demnach vor allem von privaten Unternehmen, Hochschulen haben nur einen Anteil von zwölf Prozent. Der Markt mit Biotechnologien auf Grundlage von Meereslebewesen könnte Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2025 einen Umfang von 6,4 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) erreichen. Die Nase vorn in der Branche haben derzeit Deutschland, die USA und Japan. Den Löwenanteil aller Patente mit Wirkstoffen aus dem Meer sicherte sich der deutsche Chemieriese BASF: Die Ludwigshafener verfügen über 47 Prozent der Patente.

Die hohe See sei wegen der Vielfalt ihrer Lebensräume und ihrer "üppigen Artenvielfalt" für Unternehmen interessant, erläutert die Biologin Françoise Gaill, die den wissenschaftlichen Beirat der in Paris ansässigen Plattform Ozean und Klima koordiniert. Tatsächlich dürfen die Weltmeere als Wiege des Lebens gelten, denn hier entwickelten sich Lebewesen schon viel früher als an Land. Wegen der schwierigen Lebensbedingungen in der Tiefsee - Dunkelheit, hoher Druck, hoher Säuregehalt sowie mitunter große Hitze in der Nähe heißer Quellen - haben die Lebewesen dort außerdem hochspezialisierte Eigenschaften entwickelt, die für Pharma- und Kosmetikkonzerne interessant sind.
So wird mittlerweile aus Schwämmen ein Mittel gegen Krebs gewonnen. Ein im Meer heimischer Bauchfüßler namens Zauberkegel erzeugt eine schmerzstillende Substanz, die tausend Mal stärker als Morphium ist. Die Eigenschaften von Algen, Krustentiere und Quallen werden bei der Herstellung von medizinischem Gerät genutzt. Auch in vielen Cremes und Seren für eine bessere Haut kommen Substanzen aus dem Meer zum Einsatz.

Natürliche Ressourcen sollten gerecht verteilt werden

Meeresschätze für eine kommerzielle Nutzung zu heben, ist allerdings eine teure Angelegenheit. So kostet eine Korallenernte in der Tiefsee 455.000 Dollar pro Woche, wie die Studie aufführte. In die Nutzung von Meereswirkstoffen zu investieren, kommt also für ärmere Länder nicht in Frage, kritisiert Sophie Arnaud-Haond, Wissenschaftlerin am französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer. Der Nutzen der natürlichen Ressourcen komme daher nur einigen wenigen zugute. Schließlich entscheide der erste, der ein Patent einreicht, über die künftige Nutzung eines bestimmten Moleküls, kritisiert Arnaud-Haond. Wie sie spricht sich auch die Biologin Gaill dafür aus, in dem geplanten Abkommen zum Hochsee-Schutz auch ärmere Länder an diesem "Gemeingut der Menschheit" teilhaben zu lassen. Der Jurist Julien Rochette rechnet damit, dass die künftigen Regelungen zur Nutzung des Gen-Pools der Meere zu den Knackpunkten bei den Verhandlungen über das neue Meeresabkommen gehören werden. Es handele sich schließlich um "das komplexeste Thema aus technischer und rechtlicher Sicht" und für den Umgang damit gebe es bislang kaum Vorbilder.

Literatur
Blasiak R Jouffra J B et al (2018) Corporate control and global governance of marine genetic resources. Science Advances 06/2018: Vol. 4, no. 6
DOI: 10.1126/sciadv.aar5237
Info
Hochseeschutzabkommen
In New York haben die mehr als 190 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Verhandlungen über ein internationales Abkommen zum Hochseeschutz aufgenommen. Die Delegationen kamen am 11. September zur ersten von insgesamt vier zweiwöchigen Verhandlungsrunden zusammen, die bis 2020 abgeschlossen werden sollen. Ziel sind Regelungen für die Seegebiete, die nicht zum Hoheitsgebiet einzelner Nationalstaaten gehören. Diese Meeresgebiete machen fast die Hälfte der gesamten Erdoberfläche aus.