Peter Scholze © dpa
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Peter Scholze sieht die Auszeichnung als "Etappensieg".
Das Mathe-Ass
Zum zweiten Mal in 80 Jahren geht die Fields-Medaille nach Deutschland
Der Bonner Professor Peter Scholze erhält die weltweit höchste Auszeichnung für Mathematik.
Der erst 30 Jahre alte Scholze ist einer der weltweit einflussreichsten Denker im Bereich der arithmetischen und algebraischen Geometrie. Was genau er erforscht, ist nicht nur für Mathe-Laien unverständlich. Die Arbeit des 30-Jährigen ist derart komplex, dass er nach eigenen Worten mit kaum jemandem darüber sprechen kann. Auf die Frage, ob es zehn, hundert oder tausend Mathematiker seien, die mit ihm auf Augenhöhe diskutieren könnten, antwortete Scholze der "Zeit": "Eher zehn."

Er forscht an der Schnittstelle der Arithmetischen Algebraischen Geometrie und der Theorie der Automorphen Formen. Der Preisträger hat nach Angaben seiner Universität das Methodenspektrum im Grenzbereich von Zahlentheorie und Geometrie - der so genannten arithmetischen Geometrie - durch die von ihm entdeckten "perfektoiden Räume" grundlegend erweitert. Neue Strukturen erlauben es demnach, die ganzen Zahlen besser als bislang als geometrisches Gebilde zu interpretieren. Dadurch werden umgekehrt neue, unerwartete Rückschlüsse auf offene zahlentheoretische Fragestellungen ermöglicht.

Die Mathematik birgt eine unendliche Anzahl an Problemen
Scholze ist Professor am Hausdorff-Zentrum für Mathematik der Universität Bonn. Trotz der renommierten Auszeichnung sieht er sich mit seinen Forschungen noch nicht am Ende angelangt - im Gegenteil: "Es gibt eine unendliche Anzahl an Problemen", sagte er in Rio de Janeiro. "Wann immer man ein Problem löst, kommen zehn neue."Der 30-Jährige galt schon länger als Kandidat für die Fields-Medaille. "Gerade weil mir das immer von allen Seiten gesagt worden war, war es dann doch eine große Freude und auch eine Erleichterung, dass ich den Preis kriege", sagt Scholze der Wochenzeitung "Die Zeit". Er sieht den Preis eher als einen Etappensieg: "Mit der mathematischen Forschung habe ich doch gerade erst angefangen."

Scholze ist erst der zweite Deutsche, der die Fields-Medaille erhält. Zuvor hatte der Mathematiker Gerd Faltings im Jahr 1986 die Auszeichnung erhalten. Faltings war lange Jahre Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn.Neben Scholze wurden dieses Jahr auch der in Großbritannien lebende kurdisch-iranische Wissenschaftler Caucher Birkar, der Italiener Alessio Figalli von der ETH Zürich und der Australier Akshay Venkatesh von der Universität Stanford mit der Medaille geehrt.Birkar widmete die Medaille seinen kurdischen Landsleuten: Er hoffe, dass die Auszeichnung "ein Lächeln auf die Gesichter dieser mehr als 40 Millionen Menschen" zaubern werde.

Die Fields-Medaille wird gern als "Nobelpreis für Mathematik" bezeichnet
Die Fields-Medaille wird an junge Mathematiker verliehen, die zu Beginn des Jahres noch keine 40 Jahre alt sind. Sie gilt als eine der weltweit höchsten Auszeichnungen für Mathematik. Sie wird alle vier Jahre an zwei bis vier junge Mathematiker verliehen, die mit ihren Forschungen einen bedeutenden Beitrag zur Mathematik leisten und weitere bahnbrechende Forschungsarbeiten erwarten lassen. Mit dem Erhalt der Medaille ist ein Preisgeld von 15.000 kanadischen Dollar (rund 9.800 Euro) verbunden.

2014 war erstmals eine Frau unter den Preisträgern - die aus dem Iran stammende Harvard-Mathematikerin Maryam Mirzakhani. Sie starb vergangenes Jahr im Alter von 40 Jahren an Knochenmarkkrebs.