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Hier wird die komplizierte Eizellentnahme bei einem Südlichen Breitmaulnashorn erprobt.
Hier wird die komplizierte Eizellentnahme bei einem Südlichen Breitmaulnashorn erprobt.
Hoffnungsschimmer
Die Rettung der Art könnte ein Hybrid-Embryo aus der Petrischale sein
Das nördliche Breitmaulnashorn gilt als so gut wie ausgestorben - nur noch zwei Weibchen dieser Art leben. Jetzt präsentieren Forscher eine Möglichkeit, der Art zu einem Comeback zu verhelfen.
Erstmalig ist es Forschern am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gelungen, einen Nashorn-Embryo außerhalb einer Gebärmutter zu züchten. Aus Eizellen vom Südlichen Breitmaulnashorn und konservierten Spermien verstorbener Nördlicher Breitmaulnashörner entstand ein Hybrid-Embryo und damit möglicherweise der erste Schritt auf dem Weg, das Nördliche Breitmaulnashorn zurückzubringen.

Risiko Eizellentnahme
Dass eine solche künstliche Befruchtung nicht schon früher gelungen ist, hat einen Grund: Eine Eizellentnahme bei den zwei Tonnen schweren Tieren ist deutlich komplexer als beim Menschen oder anderen Tieren. Vor allem, weil die begehrten Eizellen beim Nashorn sehr nah an einer großen Arterie liegen. Eine einzige falsche Bewegung und das Nashorn könnte verbluten. Die Forscher am IZW haben extra dafür ein etwa zwei Meter langes Hilfsmittel entwickelt, das die sichere Eizellentnahme ermöglicht.

Ein Etappen-Sieg
Die Erzeugung von Hybrid-Embryos hat nun gezeigt, dass die Methode an sich funktioniert. Der weitere Plan sieht vor, Eizellen der beiden noch lebenden Weibchen des Nördlichen Breitmaulnashorns durch Spermien der verstorbenen Männchen befruchten zu lassen und die so erzeugten Embryonen in südliche Breitmaulnashörner einzusetzen. Die Leihmutter-Lösung ist nötig, weil die beiden noch lebenden Weibchen mittlerweile zu alt für eine Schwangerschaft wären.

Genetische Vielfalt erhalten
Ein Problem aber bleibt auch dann: Die Eizellen und Spermien, die noch zur Verfügung stehen, sind genetisch begrenzt, weil sie nur von wenigen unterschiedlichen Tieren stammen. Eine auf Dauer gesunde Population kann man mit einem so begrenzten Genpool nicht aufbauen. Die Forscher wollen daher noch einen Schritt weitergehen: Sie haben es auf andere Zelltypen abgesehen, die in der Vergangenheit mehreren Nördlichen Breitmaulnashörnern entnommen und gefriergetrocknet wurden. Aus ihnen lassen sich Keimzellen entwickeln, sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen. In einem weiteren Schritt können die Wissenschaftler aus diesen Stammzellen Eizellen und Spermien herstellen. Da diese Zellen ihren Ursprung in einer Vielzahl verschiedener Individuen haben, sind sie genetisch sehr unterschiedlich – eine zentrale Voraussetzung für eine gesunde Population.

Die Zukunft der Tiere bleibt ungewiss
Auch wenn die Technik ein großer wissenschaftlicher Erfolg ist und möglicherweise nicht nur für Nashörner, sondern auch für andere stark gefährdete Arten einen Hoffnungsschimmer bedeutet – hängt es vor allem davon ab, ob sich auch andere Faktoren, die das Nördliche Breitmaulnashorn und seine Verwandten überhaupt erst an den Rand der Ausrottung gebracht haben, ändern. In den 1960er Jahren gab es noch 2.000 Individuen, im März 2018 starb das letzte männliche Breitmaulnashorn Sudan. Zum Glück nicht durch die Hand von Wilderern, sondern an Altersschwäche. Wilderei und der Verlust von Lebensräumen sind es, die alle Nashornarten auf der Welt bedrohen. Solange wir diese Gefahren nicht in den Griff bekommen, gibt es auch keine reale Chance auf eine neue, autarke Population Nördlicher Breitmaulnashörner.

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