Fuchs © colourbox.de
Bei Nacht sind viele Tiere sicherer vor dem Menschen.
Bei Nacht sind viele Tiere sicherer vor dem Menschen.
Flucht in die Nacht
Menschen drängen Tiere immer weiter ins Dunkle
Während der Mensch immer weiter in die Wildnis vordringt, versuchen Tiger, Wildschwein, Koyote oder Opossum auf der ganzen Welt in ihren angestammten Lebensräumen zu verbleiben: indem sie in die Nacht flüchten.
Ein Forscherteam untersuchte 76 Einzelstudien über 62 Spezies auf sechs verschiedenen Kontinenten. Im Fokus standen dabei ausschließlich Säugetiere. Vom Opossum, das etwas mehr als ein Kilogramm wiegt bis zum Afrikanischen Elefanten mit mehr als 3,5 Tonnen zeigten Tiere aller Größenordnungen eine starke Reaktion auf menschliche Aktivitäten. Größere Tiere, vielleicht weil sie eher gejagt werden, zeigten dabei eine stärkere Verhaltensveränderung.

Die Ergebnisse sind eindeutig
Einige Säugetiere, die ihre Aktivitäten normalerweise auf Tag und Nacht verteilt hatten, steigerten ihre Nachtaktivität auf 68 Prozent. Sogar eigentlich rein tagaktive Tiere sind jetzt bis zu 20 Prozent mehr nachtaktiv. Die Forscher beobachteten die Verhaltensänderungen auch bei Tieren, die durch Jagd oder Landwirtschaft nicht direkt betroffen waren, sondern Menschen lediglich als Wanderer kennen. Die Verlagerung in die Dunkelheit hat nicht nur Nachteile: Forscher konnten etwa bei Braunbären beobachten, dass insbesondere die Männchen in die Nacht auswichen. Dieses Verhalten bot den Weibchen, die regelmäßig durch Männchen von den Ressourcen vertrieben werden, zusätzliche Fütterungszeiten am Tag - für Bärinnen sind Wanderer damit sogar eine Art menschliches Schutzschild.

Auswirkungen auf die Ökosysteme noch ungewiss
Schon kleinere Veränderungen können sich stark auf die Fitness, die Populationsgröße und Vitalität auswirken. Insbesondere, wenn die Tiere zum Beispiel Schwierigkeiten haben, ihre übliche Beute zu machen. Wie genau die Langzeitfolgen sind, kann daher nur gemutmaßt werden: möglich zum Beispiel, dass Raum für neue, eingewanderte Arten entsteht und die Fauna, wie wir sie kennen, bald der Vergangenheit angehört. Eines ist für die Forscher jetzt schon klar: Die Säugetiere werden sich auf das Leben in der Nacht einstellen. Der Mensch ist zu einem maßgeblichen Faktor in der Evolution dieser Tiere geworden.

Literatur
Gaynor K et al (2018) The influence of human disturbance on wildlife nocturnality. Science Vol. 360, Iss. 6394, 1232-1235