Rizinus-Samen © dpa
BeitragBeitrag BildergalerieBildergalerie
Hübsch anzusehen, überall erhältlich, aber auch sehr giftig: Die Samen des Wunderbaumes.
Hochgiftiges Rizin
Schon in niedrigsten Konzentrationen tödlich
Schon kleine Mengen Rizin können zum Tod führen. Erschreckend, wie leicht der Stoff zu gewinnen ist.
Aktueller Fall: Rizin-Fund in Kölner Wohnung


Wunderbaum mit Wirkstoff
Rizin ist ein äußerst giftiges Protein, das in den Samen des Rizinusbaums (Ricinus communis) enthalten ist und einfach daraus gewonnen werden kann. Die Pflanze wächst recht schnell, weshalb sie auch Wunderbaum oder Palma Christi genannt wird. Die Samen und Pflanzen kann man in Gärtnereien kaufen oder im Internet bestellen. Entsprechend leicht zugänglich ist der Stoff. Dennoch sind Rizin-Vergiftungen dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge extrem selten in Deutschland.

Leicht zu erwerben und in vielen Gärten zu finden.  © colourbox Leicht zu erwerben und in vielen Gärten zu finden.
Und durchaus hübsch anzusehen.  © dpa Und durchaus hübsch anzusehen.
Verwechslungsgefahr: Die Samen sehen Nüssen oder Kakobohnen recht ähnlich.  © dpa Verwechslungsgefahr: Die Samen sehen Nüssen oder Kakobohnen recht ähnlich.

Ob gewollt oder zufällig: Gelangt das Gift in den menschlichen Körper, inaktiviert es die Ribosomen in den Zellen und unterbricht so die Proteinbiosynthese, was zum Absterben der Zellen führt. Sollte das Gift vorsätzlich gespritzt werden, kann der Tod nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden eintreten. Es habe in der Vergangenheit einige Versuche gegeben, prominenten Personen mit dem Versand von rizinhaltigem Pulver zu schaden. Auf diesem Wege seien bisher aber keine Schädigungen von Menschen bekannt geworden. Sollte das Gift über Nahrungsmittel oder Wasser aufgenommen werden, könne es ohne medizinische Behandlung tödlich ausgehen. Denkbar wäre laut RKI auch eine "Ausbringung von Rizin als Aerosol", was bei einem Einatmen auch größere Gruppen schädigen könne. Auch eine Vergiftung durch Inhalation sei lebensbedrohlich.

Gilt auch als Biologische Waffe
Rizin werde in der Kriegswaffenliste unter "Biologische Waffen" aufgeführt, so das Institut. "Die allgemeine Verfügbarkeit der Pflanze Ricinus Communis, die das Toxin produziert, macht Rizin (...) zu einem potenziellen biologischen Kampfstoff." Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Ausgenommen seien "forschungsbezogene, medizinische und pharmazeutische Arbeiten mit entsprechender Genehmigung".

Gut zu wissen

Trotz der weiten Verbreitung der Pflanze kommt es eher selten zu tödlichen Vergiftungen, denn die intakte Bohne setzt nur, wenn sie wirklich gut durchgekaut wurde, größere Mengen Rizin frei. Sollte sie also doch mal in den Magen geraten, kann es zu Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen und Durchfall kommen und in der Folge auch zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Eine gezielte Therapie gibt es nicht, behandelt werden die Symptome (vor allem der Elektrolytverlust), die nach etwa zwei Tagen wieder abklingen.

Auch Rizinusöl wird aus den Samen des Wunderbaumes gewonnen. Der unerwünschte Rizin-Bestandteil wird bei der Produktion aber durch Erhitzen unschädlich gemacht. Es ist dann nicht mehr giftig, schmeckt aber nur bedingt und wirkt stark abführend. Genutzt wird es vor allem in der Industrie (Schmierstoffe, Lacke), in pharmazeutischen Produkten und in Kosmetika.

Info
© dpaLupeAuszeichnung als Warnung
Der Rizinusbaum ist die Giftpflanze des Jahres 2018. Die Auszeichnung soll unter anderem für die Giftigkeit mancher Pflanzen sensibel machen, um Giftunfälle zu vermeiden.

Sie gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), deren Arten ätzenden, giftigen Milchsaft enthalten, mit dem man möglichst nicht in Kontakt kommen sollte.
Link
RKI-Ratgeber
Ausführliche Informationen zu Rizin und seiner toxischen Wirkung vom Robert Koch-Institut