Aschewolke © ap
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Die Asche verwandelte die Umgebung des Vulkans in graues Ödland.
Vulkan gibt keine Ruhe
Behörden in Guatemala warnen davor, sich in dem Gebiet aufzuhalten
Immer neue Explosionen und Lavaströme am Feuervulkan in Guatemala erschweren die Suche nach Vermissten. Die Zahl der Toten stieg nach dem Vulkanausbruch auf mindestens 99.
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Dr. Boris Behncke im Skype-Gespräch
Knapp 200 Menschen werden noch vermisst. Experten warnten angesichts erwarteter Starkregenfälle vor Erdrutschen.

Die Aktivität des Vulkans setze sich fort und die Möglichkeit neuer pyroklastischer Ströme aus Asche, Schlamm, Wasser und heißen Steinen in den nächsten Stunden oder Tagen sei nicht auszuschließen, teilte das Vulkanologische Institut des Landes mit. "Es wird deshalb nicht empfohlen, in dem betroffenen Gebiet zu bleiben."

Der Vulkan wurde am Mittwoch stündlich von etwa vier bis fünf schwachen Explosionen erschüttert. Immer noch stand eine hohe Aschewolke über dem 3763 Meter hohen Berg.

Am Sonntagmorgen ist der Vulkan ausgebrochen. © epa Am Sonntagmorgen ist der Vulkan ausgebrochen.
Rettungshelfer suchen nach Verschütteten. © dpa Rettungshelfer suchen nach Verschütteten.
Auch Tiere werden gerettet. © ap Auch Tiere werden gerettet.

Ein Meer aus grauer Asche
Rettungshelfer, Polizisten und Soldaten setzten ihre Suchaktionen fort. In den am stärksten betroffenen Dörfern San Miguel Los Lotes und El Rodeo markierten Polizisten bereits durchsuchte Bereiche mit roter Farbe. Die Siedlungen glichen einem Meer aus grauer, noch rauchender Asche. Überall lagen verbrannte Tierkadaver.

Nach Angaben des rechtsmedizinischen Instituts Inacif wurden bislang die sterblichen Überreste von 99 durch den Vulkanausbruch getöteten Menschen in die Gerichtsmedizin gebracht. Nur 28 hätten bislang identifiziert werden können. Die Wahrscheinlichkeit, nach 72 Stunden noch Überlebende zu finden, schwinde, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde Conred, Sergio Cabañas.

Zur Naturkatastrophe kommen noch Plünderungen
"Wir bitten Gott und den Präsidenten, uns neues Land weit weg von hier zu geben", klagte Henry Rivas bei seiner Rückkehr in sein Haus in San Miguel Los Lotes, an dem der tödliche Lavastrom vorbeigeflossen ist. Im einen Kilometer entfernten Dorf El Rodeo berichtete der 33-jährige Demetrio Cuc, er habe sein Lebensmittelgeschäft bei der Flucht am Sonntag nicht abgeschlossen. "Als ich zurückgekommen bin, war alles weg", beschwerte er sich über Plünderer.

Zahlreiche Freiwillige versorgten unterdessen die Rettungshelfer mit Wasser und Essen. "Wir wollen diese Menschen unterstützen, die wirklich ihr Leben riskieren", sagte die 56-jährige Gladys Vian aus dem Nachbardorf San Juan Comalapa.

Regierung hat angebotene Hilfe noch nicht angenommen
Unterdessen machten zahlreiche Landsleute in sozialen Netzwerken ihrer Enttäuschung über die Regierung von Präsident Jimmy Morales Luft. Mehrere Länder, darunter die USA, Chile, Mexiko und Venezuela, hatten nach dem Vulkanausbruch ihre Hilfe angeboten. Diese konnte jedoch nicht in die Tat umgesetzt werden, weil es bislang kein offizielles Hilfegesuch der Regierung gab. Diese erklärte, sie warte auf das grüne Licht der Katastrophenschutzbehörde Conred. "Wir sind vorbereitet und bereit, wenn die Conred uns autorisiert, einen internationalen Hilferuf zu starten", erklärte das Außenministerium.

Der 3763 Meter hohe Feuervulkan, der 35 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt liegt, ist schon seit Monaten aktiv. Dennoch wurden die Menschen in seinem Umkreis von der Schnelligkeit und Heftigkeit der Eruption überrascht. Insgesamt sind mehr als 1,7 Millionen Menschen mehr oder weniger stark von der Naturkatastrophe betroffen. Der Vulkan war am Sonntagmorgen ausgebrochen, die Eruption dauerte mehr als 16 Stunden.

Glossar
Guatemala
Guatemala ist eine Republik in Mittelamerika mit 15,5 Millionen Einwohnern, nach offiziellen Angaben 40 Prozent Maya und 60 Prozent Mestizen (Ladinos).