Portugiesische Galeere © dpa
<i>Physalia physalis</i> ist eigentlich eine Kolonie von vielen Polypen.
Physalia physalis ist eigentlich eine Kolonie von vielen Polypen.
Quallen-Alarm auf Mallorca
Kontakt mit der Portugiesischen Galeere kann extrem schmerzhaft sein
Auf Mallorca sind nach der Sichtung hochgiftiger Quallen Badeverbote im Gebiet der Inselhauptstadt Palma verhängt worden.
Rote Flaggen seien am Mittwochnachmittag an Stränden der Viertel Can Pastilla und Molinar gehisst worden, berichteten Regionalzeitungen wie "Diario de Mallorca" übereinstimmend unter Berufung auf die Stadtverwaltung. Mindestens zwei lebende Exemplare der äußerst giftigen Quallenart Portugiesische Galeere (Physalia physalis) waren zuvor den Angaben zufolge im Wasser der Bucht von Palma gesichtet worden.

Die betroffenen Strände liegen östlich des Hauptstadtzentrums, unweit des bei deutschen Touristen beliebten "Ballermann"-Strandes. Badegäste wurden von der Stadt gebeten, weitere Sichtungen der giftigen Nesseltiere den zuständigen Behörden zu melden. Der Quallen-Alarm war Anfang der Woche nach dem Fund eines toten Exemplars der Portugiesischen Galeere am beliebten Strand Ciudad Jardin im Viertel Molinar ausgelöst worden.

Ein Gast aus dem Atlantik
Die Portugiesische Galeere ist nicht im Mittelmeer heimisch. Die gesichteten Exemplare wurden nach Vermutung von Experten von starken Strömungen vom Atlantik durch die Straße von Gibraltar an die Küste Spaniens gespült.

Die Portugiesische Galeere ist eigentlich gar keine Qualle, auch wenn sie so aussieht. Physalia physalis ist ein Wunderwerk der Natur, nämlich eine riesige Polypenkolonie, in der jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt - sei es zum Fressen, zur Verdauung, zur Fortpflanzung oder zur Abwehr von Feinden. So sehr sind die Organismen miteinander verwoben und aufeinander angewiesen, dass sie alleine nicht mehr lebensfähig wären.

Portugiesische Galeere nutzt ihre Gasblase als Segel
Kennzeichen ist die bis zu 30 Zentimeter messende sackförmige Gasblase, die wie ein Segel funktioniert und für den Auftrieb des Tieres sorgt. "Bei Kontakt mit den Nesselzellen an den Fangarmen explodieren diese und injizieren mit einer Art Harpune Gift unter die Haut", erläutert Winfried Hochstetter, Leiter des Aquariums Wilhelmshaven. Die Folge: Stark brennende Wundmale, die wie Striemen nach Peitschenhieben aussehen.

Mallorca ist nicht allein mit seinem Quallen-Dilemma: Exemplare waren im April bereits vor den Balearen-Inseln Formentera und Ibiza gesichtet worden. Allein auf Formentera wurden damals rund 100 Tiere eingesammelt. Und vorherige Woche waren in der Provinz Alicante an der Costa Blanca ebenfalls mehrere Physalia physalis angespült worden. Ein Elfjähriger wurde am Arm genesselt und ins Krankenhaus gebracht. Die Folge: Auf einer Länge von knapp 120 Kilometern wurden in Alicante am Wochenende Strände gesperrt.