Maus auf Laborhandschuh © ap
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Mäuse machen die überwiegende Mehrzahl der Versuchstiere aus - aber auch Primaten sind darunter.
Tierversuche in der Forschung
Entwicklung von weiteren Alternativmethoden ist dringend nötig
Immer noch gibt es in Deutschland um die 3 Millionen Tierversuche im Jahr - aber das Bewusstsein um das Wohl der Tiere wächst.
Tierversuche - alleine dieses Wort erfüllt viele mit Grauen. In der Öffentlichkeit haben die Versuche an Tieren kein gutes Standing. Und dafür gibt es Gründe: In der Vergangenheit wurden Versuche durchgeführt, um Kosmetika oder Waffen zu testen. Für emotionale Debatten sorgten auch Tierversuche mit Menschenaffen. Seit den 1990er Jahren hat sich aber - zumindest in Deutschland und Europa - diesbezüglich viel getan. Dazu haben nicht zuletzt der Druck von Tierschützern und die Empörung der Bürger beigetragen. Wann zum Beispiel Versuche an genetisch modifizierten Mäusen zu medizinischen Zwecken wirklich notwendig sind, ist zwar immer noch fragwürdig. Aber immerhin gibt es heute in Wissenschaft und Medizin ein gewachsenes Bewusstsein um das Wohl der Tiere - und strenge Genehmigungsverfahren.

Was wird an Tieren getestet?
Zu 41 Prozent werden Tierversuche zu Zwecken der Grundlagenforschung gemacht: Um herauszufinden, wie Organismen funktionieren. Oft ist dieses Verständnis die Grundlage dafür, Medikamente oder Therapien gegen Erkrankungen zu entwickeln. Zum Beispiel werden so Autoimmunkrankheiten erforscht oder genetische Grundlagen von Erkrankungen untersucht. 23 Prozent der Versuchstiere werden zudem für Gewebe- und Organentnahmen getötet - was aber in der Wissenschaft nicht als Tierversuch gilt. Weitere 19 Prozent dienen Tests von Medikamenten und Wirkstoffen. Weitere Anwendungsgebiete sind Veterinärmedizin und Ausbildung. Kosmetika, die in Tierversuchen getestet wurden, sind seit 2013 in der EU verboten.


Wie viele Tierversuche gibt es?
2016 gab es in Deutschland genau 2.854.586 Versuchstiere, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet wurden. Der Anteil an der gesamten Nutzung von Tieren ist aber gering: Während 99,15 Prozent der Tiere für die Ernährung getötet werden, machen Tierversuche 0,35 Prozent aus. In der Schweiz gab es im selben Jahr 630.000, in Österreich rund 240.000 Tierversuche. 80 bis 90 Prozent der Versuchstiere sind Mäuse und Ratten, es zählen aber auch Kaninchen, Fische, Nutztiere sowie Hunde und Primaten dazu.

Welche Prinzipien gibt es bei Tierversuchen in der Forschung?
Für Wissenschaftler, die mit Tierversuchen arbeiten, gilt laut deutschem Recht seit 2013 das 3R-Prinzip: Dieses besteht aus "Reduction", die Reduktion der Versuchstiere auf ein nötiges Mindestmaß, "Replacement", nach Möglichkeit das Einsetzen von Alternativen und "Refinement", das Minimieren der Belastung der eingesetzten Versuchstiere. Fragen zu den Prinzipien werden in dem Genehmigungsantrag für den Tierversuch von dem Wissenschaftler beantwortet und von einem Tierschutzbeauftragten geprüft.

Was wurde kürzlich durch Tierversuche entdeckt?
Mit Hilfe von genetisch modifizierten Mäusen haben Forscher zum Beispiel spezielle Proteine, die Plaques bilden, entdeckt - wahrscheinlich lösen diese Alzheimer aus. Zudem wurde eine neue Brustkrebstherapie entwickelt, die Arzneimittelresistenzen verringert. Und die Gründe für die Insulinresistenz, die für die meisten Diabetesfälle verantwortlich sind, entdeckt.

Welche Alternativen gibt es?
Zu den Alternativen zählen In-Vitro-Experimente mit Zellkulturen, moderne bildgebende Verfahren wie die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie oder Simulationen am Computer. Manche Untersuchungen lassen sich aber derzeit durch alternative Methoden noch nicht abdecken - der Forschungsbedarf ist hier noch enorm. So unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung derzeit mehr als 500 Projekte zur Entwicklung von Alternativmethoden.

Gespräch
VideoZu Tierversuchen befragte nano am 24. April 2018 Gerhard Heldmaier, Professor für Tierphysiologie und Vorsitzender des Aktionsbündnisses "Tierversuche verstehen".
Info
Internationaler Tag des Versuchstieres
Der Gedenktag zum Schutz der Versuchstiere findet jedes Jahr am 24. April statt. Er wurde 1962 von der britischen Tierrechtlerin Muriel Dowding ins Leben gerufen.
Links
Tests mit Affen und Menschen
Massive Kritik an Abgas-Versuchen
Nach Bekanntwerden von Diesel-Abgastests an Affen gibt sich VW reumütig. Künftig will der Konzern auf Tierversuche verzichten. Die scharfe Kritik an den Tests reißt aber noch lange nicht ab.