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Ein kurios wirkender Affe ist unter den Neuentdeckungen in der Nähe von Palpa.
Wüstenzeichnungen entdeckt
Die neu entdeckten Scharrbilder sind älter als die Nasca-Linien
Ganz in der Nähe der bekannten Nasca-Linien in Peru haben Forscher unerwartet 50 neue Scharrbilder entdeckt.
Bis heute ist den Forschern nicht ganz klar, was diese in den Wüstensand gezeichneten Linien und Figuren eigentlich sollen - oder wofür sie erstellt wurden. Vermutet wird unter anderem, dass sie im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen genutzt wurden - und als ein riesiger astronomischer Kalender. Der deutschen Mathematikerin Maria Reiche ist zu verdanken, dass die Wüstenbilder seit 1994 zum Weltkulturerbe gehören. Sie widmete ihr halbes Leben der Erforschung und dem Schutz der Nasca-Linien. Was unter dem Begriff "Nasca-Linien" bekannt ist, ist ein mehr als 500 Quadratkilometer umfassendes Wüstengebiet zwischen den Dörfern Nasca und Palpa, in der peruanischen Atacama-Wüste.

Zitat
"Wir haben es hier zu tun mit einem enormen und weltweit einzigartigen Zeugnis des ersten Erwachens der exakten Wissenschaften in der menschlichen Evolution." Maria Reiche, Mathematikerin und Erforscherin der Nasca-Linien (1903-1998)

Auf dem Gebiet dieses rätselhaften Weltkulturerbes wurden nun 50 weitere Zeichnungen dokumentiert. Sie zeigen Menschenfiguren, Affen und einen Wal. Die Hälfte der jetzt entdeckten Bilder war bisher komplett unbekannt - die anderen 25 kannten zumindest die Einheimischen in Palpa. Viele der menschlichen Figuren stellen Krieger dar. Während die meisten bisher bekannten Figuren in den Wüstenboden gezeichnet sind, befinden sich die Bilder in Palpa an den Hängen von Hügeln - und sind somit auch vom Boden aus sichtbar. Sie sind älter als die Nasca-Linien, wurden zwischen 500 vor Christus und 200 nach Christus angefertigt. Somit gehören sie nicht mehr der Nasca-Kultur sondern den älteren Paracas- und Topará-Kulturen an.

Der Fund könnte weitere Aufschlüsse geben über die alten Kulturen
© Daria Eva Stanco Ein Trophäenkopf im Museum von Nasca - wurden so die Besiegten präpariert?
Ein Trophäenkopf im Museum von Nasca - wurden so die Besiegten präpariert?
Und das alles war - wie so oft bei wissenschaftlichen Entdeckungen - reiner Zufall: Eigentlich waren die Forscher mit Geldern der National Geographic Society dazu beauftragt, einige Linien zu restaurieren, die durch eine Aktion von Greenpeace 2017 zerstört worden waren. Dabei stießen sie auf die bis dato gar nicht oder wenig bekannten Scharrbilder. Aus der Analyse der Bilder erhoffen sich Forscher neue Erkenntnisse über die alten Kulturen: Es gibt viele Theorien über die Nasca-Linien - aber über die Völker, die sie angefertigt haben, ist nicht viel bekannt. Zu den pikanten archäologischen Funden gehören die Trophäenköpfe. Das sind Schädel, die mit einem Loch durchstochen und an einem Seil festgemacht wurden. Werden die Krieger-Darstellungen Auskünfte darüber geben, ob diese Köpfe wirklich Kriegstrophäen waren? Oder waren es, wie ebenfalls vermutet wird, zeremonielle Menschenopfer? Für die Nasca-Archäologen bleibt es spannend.