Zecke auf Grashalm © dpa
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Die achtbeinigen Blutsauger laufen an Grashalmen hoch, wenn sie auf der Suche nach einem Wirt sind.
Zecken-Hot-Spots
Die Brennpunkte infizierter Zecken verschieben sich
Auch in Risikogebieten ist die FSME-Gefahr nicht überall gleich hoch. Forscher machen eng begrenzte Gebiete mit besonders vielen infizierten Zecken aus.
So gelten unter anderen Baden-Württemberg und Bayern flächendeckend als Risikogebiete. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass dabei die Gefahr, sich mit FSME-Viren zu infizieren, nicht überall gleich hoch ist. "Man hat herausgefunden, dass es eigentlich sehr kleine Gebiete sind, wo die FSME-infizierten Zecken sind, oft nur so groß wie ein Fußballfeld oder zwei Fußballfelder groß. Außerhalb dieses Gebietes sind keine infizierten Zecken zu finden", so der Mikrobiologe Dr. Rainer Oehme, vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Das heißt aber nicht, dass in bestimmten Gebieten keine Gefahr besteht. Und wer weiß schon, ob er gerade an einem Hot-Spot vorbeiwandert.

Wo sind die Zecken aktiv?
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Zeckenpanik - berechtigt oder nicht?
Die Blutsauger lauern in Wäldern und Parks, aber auch im heimischen Garten auf Gräsern, Farnen oder Sträuchern. Von dort aus gelangen sie zu vorbeilaufenden Tieren oder Menschen und beißen sich an weichen Hautpartien wie Kniekehlen, unter den Armen und am Haaransatz fest. In der Regel halten die achtbeinigen Blutsauger von November bis Ende Februar Winterruhe. Allerdings beobachten Experten, dass Zecken wegen des Klimawandels und milder Winter ihre Aktivitäten ausweiten.

Als FSME-Risikogebiete gelten derzeit 156 Kreise in Deutschland. Dazu zählen fast ganz Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und des Saarlands. Als besorgniserregend ist die Ausbreitung in den Norden einzustufen: "Die Statistik zeigt uns ganz neue Hot-Spots in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin", sagt die Parasitologin Prof. Ute Mackenstedt. Schon seit einigen Jahren wird eine Ausbreitung der FSME-Gebiete Richtung Norden und in höhere Lagen in ganz Europa beobachtet. Österreich gehört zu den am stärksten betroffenen Gebieten in Europa - das Land gilt als "Endemiegebiet", das bedeutet, dass im ganzen Land potentielles Infektionsrisiko besteht.

Welche Krankheiten können die Blutsauger übertragen?
Zecken können den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Die Dauer vom Zeckenstich bis zum Ausbrechen der Erkrankung (Inkubationszeit) schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat. Die Krankheit verläuft typischerweise in zwei Phasen: In der ersten Phase treten grippeartige Symptome wie Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen auf. Bei einem Drittel der Infizierten kommt es nach einem symptomfreien Intervall von etwa einer Woche zur zweiten Phase, in der die Krankheit auf das zentrale Nervensystem übergeht. Je nach Schwere der Erkrankung kann es zu starken Kopfschmerzen, hohem Fieber bis über 40 Grad, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen, und Krampfanfällen kommen. Bei 0,5 bis 2 Prozent der Betroffenen endet die Erkrankung tödlich.

Auch die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose wird von Zecken übertragen, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Treten binnen vier Wochen grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden, denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Wie hoch oder niedrig ist das Risiko einer Erkrankung?
2017 wurden in Deutschland fast 500 FSME-Erkrankungen gemeldet, das waren Experten zufolge so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. 2006 gab es die bisher höchste Melderate von 548 Fällen. Ein Grund für die hohe Zahl im vergangenen Jahr könnte das Wetter gewesen sein. Laut Prof. Mackenstedt folgte auf eine Kältewelle eine sehr warme Phase, in der es die Menschen hinaustrieb - just zu der Zeit, als die am weitesten verbreitete Zeckenart am aktivsten war. Zuletzt wurden in Deutschland auch einzelne FSME-Fälle durch infizierte Ziegenrohmilch nachgewiesen.
In Risikogebieten sind eine von 1000 bis eine von 100 Zecken mit FSME befallen. Jede dritte Infektion führt beim Menschen zur Erkrankung. Und bei jedem Dritten Erkrankten befällt das Virus tatsächlich das zentrale Nervensystem.

Die Borreliose kommt in ganz Deutschland vor - je nach Region trägt bis zu ein Drittel der Zecken die Erreger in sich. Die Erreger werden aber erst übertragen, wenn die Zecke bereits einige Stunden Blut saugt. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten von rund einem Prozent entwickelt Krankheitssymptome.

Welche Schutzmaßnahmen sind möglich?
Spaziergänger sollten in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist. Eine Schutzimpfung gegen die Borreliose gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.


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Glossar
FSME
Die durch Zeckenstiche übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine von Viren ausgelöste Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns.
Überlebenskünstler
Vorsicht Zecke!
"Zecken können viele Situationen überstehen, die andere Lebewesen nicht überlebten", sagt der Berliner Parasitologe Dr. Hans Dautel - auch eine Tour durch die Waschmaschine.
Zecken sitzen richtig fest
Echte Andock-Meister
Hat sie einmal ein Stück Haut erwischt, haftet eine Zecke ziemlich sicher daran fest. Dafür sorgen ein Haftpad und Krallen, die mit dem elastischen Protein Resilin gefüllt sind.