Störche © dpa
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Viele Störche sind erst gar nicht in den Süden geflogen.
Im Frühlingsmodus
Tiere und Pflanzen reagieren auf den milden Winter
Trotz seines eisigen Endes ist der Winter 2017/2018 in Deutschland im Vergleich mild gewesen. Schon im Januar haben sich viele Tiere und Pflanzen auf den Frühling eingestellt.
Durch die Wetterau nördlich von Frankfurt am Main stakste Ende Januar ein Brauner Sichler und zog Scharen von Vogelfreunden an. "Das ist etwas richtig Seltenes", sagt der Biologe Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

Die Stelzvögel sind eigentlich in den Feuchtgebieten des Mittelmeerraums zu Hause, etwa an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien. In den vergangenen 150 Jahren wurde nur 15 Mal einer in Deutschland gesichtet. In den 90er Jahren waren Sichler nach Spanien gekommen, hatten von dort aus die südfranzösische Camargue besiedelt und fliegen seit zehn Jahren gelegentlich auch nach Deutschland.

Die über Wochen milden Temperaturen in diesem Winter haben auch die Kurzstrecken- und Teilzieher unter den Vögeln dazu verleitet, in ihren Brutgebieten zu bleiben. Dann haben sie schon ein Revier, wenn die anderen Artgenossen erst heimkehren. Hausrotschwänze, Zilpzalpe und Wiesenpieper auf dem Durchzug aus Skandinavien wurden ebenfalls in der Wetterau gesichtet, die mit ihren Bächen, Tümpeln und Feuchtwiesen ein Eldorado für Vögel ist.

Auch Amphibien verließen ihr Winterquartier
Die ersten Teichmolche und Kammmolche waren Ende Januar schon auf Wanderschaft. Auch Erdkröten, Springfrösche und Feuersalamander seien aus dem Rhein-Main-Gebiet gemeldet worden. In Sachsen sind die ersten Weißstörche zurückgekehrt, und die Kraniche sind schon wieder auf dem Weg nach Norden. Insekten, die sonst erfrieren oder in Winterstarre verfallen, werden bei der feucht-warmen Witterung von Schimmelpilzen befallen. Eine Ungezieferplage für den Sommer sei daher nicht zu befürchten, erklärt der Naturschutzbund Deutschland.

Dann ist es aber doch noch kalt geworden. Was machen die Tiere nun? "Die Vögel können ins Hessische Ried am Rhein ausweichen", sagt Stübing. Dort ist es milder. Unerfahrene Jungvögel überlebten den Kälteeinbruch nicht immer. "Großvögel wie Kraniche und Bekassinen können abziehen, weil sie genug Reserven haben. Aber Singvögel wie der Zilpzalp kommen nicht weit und verhungern", sagt der Biologe. Dann könne es zu massiven Einbrüchen bei der Population kommen.

Gefährlich können lange milde Phasen für Säugetiere sein, die den Winter üblicherweise in Winterruhe oder Winterschlaf verbringen. Sie reagieren irritiert, wenn die Temperaturen plötzlich steigen. Waschbären und Eichhörnchen wuseln umher und verbrauchen zu viel Energie, wie die Wildtierhilfe Odenwald erklärt. Am schlimmsten trifft es junge Igel: "Die zunehmend milden Winter sind für die Igel ein Problem, weil sie immer wieder aufwachen und im Halbschlaf liegen, was wiederum enorm an ihren Energiereserven zehrt."

Nicht nur besonders warm - auch sehr nass
Die Temperaturen in Deutschland klettern nach oben.
Die Temperaturen in Deutschland klettern nach oben.
Die Durchschnittstemperatur im Winter 2017/2018 betrug 1,6 Grad und lag damit 1,4 Grad über dem langjährigen Mittelwert, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. Eisig kalt präsentierte sich allein der Februar: In Gießen und Chemnitz etwa sei bislang keine einzige Nacht in dem Monat frostfrei gewesen.

Der Winter war auch überdurchschnittlich nass: Mit im Schnitt rund 195 Litern pro Quadratmeter überstiegen die drei Monate Dezember, Januar und Februar den Mittelwert von 181 Litern um neun Prozent. Nach einem ausgesprochen trüben Beginn legte der Winter am Ende in Sachen Sonnenschein noch kräftig zu und übertraf sein Soll von 154 Sonnenstunden mit rund 170 Stunden.

Infografik
Ausgefeilte Routen
Zugvögel brauchen kein Navi, um an ihrem Überwinterungsziel anzukommen. Sie wissen genau, ob sie mit Pausen über das Festland fliegen oder auf direktem Weg über das Meer.
Link
Auf der Seite ornitho.de vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) gibt es eine Übersicht über aktuelle Sichtungen verschiedener Vogelarten in Deutschland.